Die Teuerung in der Eurozone klettert wegen stark verteuerter Energie auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Im September stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,8 Prozent. Damit entfernt sich die Inflationsrate wieder spürbar vom Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank und hält den Druck auf die Geldpolitik hoch.
Energiepreise als Preistreiber
Hauptverantwortlich für den Schub sind die Rohstoffmärkte. Im September legten die Energiepreise im Jahresvergleich um 18,9 Prozent zu. Dahinter stehen die Folgen des Krieges zwischen den USA und dem Iran, der den Öltransport am Persischen Golf behindert. Eine nachhaltige Öffnung der Seestraße von Hormus ist weiterhin nicht in Sicht.
Die sonstige Wirtschaft zeigt sich weniger stark erfasst. Rechnet man die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel heraus, legte die Kerninflation im September nur moderat zu. Sie stieg von 2,4 Prozent im Vormonat auf 2,5 Prozent. Der Inflationsdruck konzentriert sich vor allem auf die fossilen Brennstoffe.
Ungleiche Belastung der Mitgliedsstaaten
Innerhalb des Währungsraums klaffen die Raten weit auseinander. Spanien verzeichnete mit 5,0 Prozent die kräftigste Teuerung unter den großen Volkswirtschaften. In Italien kletterten die Verbraucherpreise um 4,2 Prozent.
Frankreich und Deutschland kamen mit Raten von 3,4 beziehungsweise 3,3 Prozent glimpflicher davon. Der Trend zeigt jedoch in allen großen Mitgliedsstaaten nach oben.
Notenbank hält sich Zinsschritte offen
Die Notenbank hatte ihren Einlagenzins im September um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent angehoben, um der Entwicklung entgegenzuwirken. Das angestrebte Ziel von mittelfristig zwei Prozent Preissteigerung rückt vorerst wieder in weitere Ferne.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel stellte klar, dass der EZB-Rat alles Erforderliche unternehmen werde, um zur Zielmarke zurückzukehren. Sollte der Preisdruck auf dem aktuellen Niveau verharren, schließt er ein erneutes Nachlegen bei den Zinsen nicht aus.
