Operativ läuft es bei Infineon rund, an der Börse zählt das derzeit wenig. Die Aktie gab am Dienstag zeitweise um 2,51 Prozent auf 51,20 Euro nach, vorbörslich waren es fast drei Prozent. Auf Sicht eines Monats summiert sich das Minus auf mehr als 15 Prozent.
Zinssorgen belasten den Sektor
Auslöser ist ein schwaches Umfeld für KI- und Halbleiterwerte. In Asien standen Samsung und SK hynix erneut unter Druck, der südkoreanische Kospi zeigte sich besonders schwach. Das strahlt auf Europa aus.
Hinter der Bewegung stehen überraschend hohe US-Inflationsdaten der vergangenen Woche. Sie schüren die Furcht vor höheren Zinsen, die vor allem finanzierungsabhängige Technologiewerte belasten. Hohe Zinsen schmälern den heutigen Wert künftiger Gewinne. Hinzu kommen nach Einschätzung der Helaba hohe Energiepreise, Unruhen in europäischen Städten und steigende Anleiherenditen.
Als bisheriger KI-Profiteur trifft es Infineon besonders hart. Ein ähnliches Bild zeigt Siemens Energy, deren Aktie am Dienstag ebenfalls weiter nachgab.
Zweifel an der KI-Finanzierung
Der Sektor kämpft zudem mit Skepsis gegenüber der schuldenfinanzierten KI-Infrastruktur. Der schwache Börsenstart des südkoreanischen KI-Anbieters Elice, dessen Aktie trotz massiver Überzeichnung zeitweise mehr als 30 Prozent einbrach, gilt Marktbeobachtern als weiteres Warnsignal. Ein geplanter Börsengang des Nvidia-gestützten Unternehmens Firmus wurde vergangene Woche auf Eis gelegt.
Das Geschäft hält dagegen
Die jüngsten Zahlen sehen deutlich besser aus als der Kurs. Im abgelaufenen Quartal erzielte Infineon einen Rekordumsatz von 4,172 Milliarden Euro. Die Marge des Segmentergebnisses stieg auf 19,1 Prozent, nach 17,1 Prozent im Vorquartal.
Für das Schlussquartal des Geschäftsjahres stellte der Konzern rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht. Stromversorgung für KI-Rechenzentren bleibt laut Konzernchef Jochen Hanebeck der wichtigste Wachstumstreiber.
Schwächer läuft es in der Autosparte ATV. Dort erwartet Infineon langsameres Wachstum, weil die Nachfrage nach Hochvoltkomponenten für Elektromobilität verhalten ist. Die Netto-Cash-Position lag Ende Juni bei minus 5,19 Milliarden Euro, was im aktuellen Zinsumfeld mehr Gewicht bekommt.
Der nächste Prüfstein steht fest im Kalender: Die Zahlen sind vorläufig für den 10. November angesetzt. Dann zeigt sich, ob Umsatz und Marge den Ausblick vom August stützen.
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