Großbritannien setzt trotz strenger Klimaziele wieder auf mehr heimische Energiequellen. Die Regierung in London hat am Mittwoch die umstrittene Förderung im Nordsee-Gasfeld Jackdaw genehmigt. Um die Versorgung vor dem kommenden Winter zu sichern und die Abhängigkeit von volatilen Weltmärkten zu verringern, sollen bestehende Lizenzen ausgeschöpft werden. Die Einnahmen daraus fließen künftig in den Umbau des Energiesystems.
Bereits ab Ende Oktober 2026 soll Gas aus dem vor Aberdeen liegenden Feld an britische Haushalte und Unternehmen fließen. In der Spitze soll das Projekt rund sechs Prozent der heimischen Nordsee-Gasförderung abdecken. Über eine geplante Laufzeit von bis zu elf Jahren erwartet die Regierung einen wirtschaftlichen Beitrag von schätzungsweise 2,9 Milliarden Pfund sowie den Schutz hunderter Arbeitsplätze.
Ein Fonds für die Energiewende
Parallel zur Freigabe kündigte die Regierung die Einrichtung eines neuen staatlichen Energiefonds an. Dieser wird mit einem Startkapital von 2 Milliarden Pfund aus den Steuereinnahmen der Nordsee-Förderung ausgestattet. Über diesen Mechanismus sollen künftige Erlöse aus fossilen Quellen direkt in erneuerbare und emissionsarme Infrastrukturprojekte fließen.
Ziel dieses Schritts ist es, die Kopplung von Strom- und Gaspreisen bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode weitgehend aufzulösen. Wenn Gas seltener den Strompreis bestimmt, sinken die Risiken durch Ausschläge auf den internationalen Märkten. Energieministerin Miatta Fahnbulleh betonte, das Projekt stehe im Einklang mit dem Ziel, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. An dem Grundsatz, keine Genehmigungen für völlig neue Felder mehr zu erteilen, halte die Regierung fest.
Juristischer Vorlauf und Kritik
Die Freigabe folgt auf ein monatelanges Tauziehen vor Gerichten. Nachdem der Oberste Gerichtshof 2024 entschieden hatte, dass Umweltprüfungen auch die Emissionen bei der späteren Verbrennung des geförderten Gases berücksichtigen müssen, waren frühere Genehmigungen von Gerichten gekippt worden. Erst ein überarbeiteter Umweltrahmen ermöglichte nun den formalen Förderbescheid für den Betreiber Shell.
Kritiker aus Umweltverbänden und von den Grünen verurteilen die Entscheidung scharf und verweisen auf die geschätzten 23 Millionen Tonnen Kohlendioxid, die das Feld über seine Laufzeit freisetzen dürfte. Indes bleibt das Schicksal eines weiteren Großprojekts offen: Über das gleichermaßen umstrittene Ölfeld Rosebank vor den Shetlandinseln soll gesondert und erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
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