Steigende Ölpreise setzen Gold heute über den Zinsausblick unter Druck. Reuters zufolge verstärken Risiken für die Schifffahrt im Roten Meer und Bedrohungen saudischer Ölanlagen die Inflationssorgen. Für Gold überwiegt damit kurzfristig die Sorge vor einer restriktiveren US-Geldpolitik. Käufe von Zentralbanken und eine anziehende Nachfrage aus Indien bilden einen Gegenpol.
Ölrisiken wirken über die Inflation
Geopolitische Spannungen stützen Gold derzeit nicht uneingeschränkt. Der von Reuters beschriebene Zusammenhang führt über den Energiemarkt: Höhere Ölpreise nähren Inflationsbefürchtungen und damit Erwartungen an höhere US-Zinsen. Dieser Zinskanal belastet das Edelmetall.
Die US-Energiebehörde EIA hatte bereits am 6. Oktober auf die Folgen von Angriffen auf Ölanlagen und Tanker im Nahen Osten hingewiesen. Der Brent-Spotpreis erreichte im September demnach durchschnittlich 114 USD je Barrel.
Für Anleger ist deshalb nicht allein die Verschärfung geopolitischer Risiken entscheidend. Ebenso wichtig ist, ob diese Risiken den Energiepreisauftrieb verstärken. Die jüngste Belastung für Gold entsteht laut Reuters gerade aus dieser Verbindung zwischen Öl, Inflation und Geldpolitik.
Nachfrage bildet ein Gegengewicht
Auf der Nachfrageseite stehen dem Zinsdruck konkrete Käufe gegenüber. Der World Gold Council meldete am 15. Oktober einen Goldzukauf der chinesischen Zentralbank von 23 Tonnen im September. Das war der größte Monatszukauf seit Oktober 2023.
Diese Käufe zeigen eine andere Seite des Marktes als die kurzfristigen Zinserwartungen. Sie sind ein tatsächlicher Nachfragebeitrag, während sich die geldpolitischen Erwartungen mit neuen Konjunktur- und Inflationssignalen verändern können.
Gestern berichtete der World Gold Council zudem über anziehende saisonale Nachfrage in Indien. Die Zuflüsse in Gold-ETFs erreichten im September ein Siebenmonatshoch und blieben bis Mitte Oktober positiv. Digitale Goldkäufe stiegen im September gegenüber dem Vormonat um 5 % auf 1,7 Tonnen.
Allerdings ist das Bild nicht uneingeschränkt positiv. Indische Investmentfonds setzten neue beziehungsweise zusätzliche Zeichnungen in Gold-Dachfonds vorübergehend aus. Bestehende Sparpläne und Rückgaben waren laut dem Verband davon nicht betroffen.
Zinserwartungen bleiben der kurzfristige Prüfstein
Die nächste Sitzung der Federal Reserve findet am 27. und 28. Oktober statt. Reuters zufolge preisten Marktteilnehmer gestern eine Zinserhöhung im Oktober mit 16 % Wahrscheinlichkeit ein. Für Dezember lag die Wahrscheinlichkeit weiterhin bei 90 %.
Damit bedeutet eine geringere Erwartung für den unmittelbar bevorstehenden Termin noch keine grundsätzliche Entwarnung für Gold. Der Markt rechnet weiterhin mit einer späteren Straffung. Zentralbankkäufe und Indiens Nachfrage liefern zwar Unterstützung. Kurzfristig hängt die Entlastung für das Edelmetall aber wesentlich davon ab, ob der von Reuters beschriebene Inflations- und Zinsdruck nachlässt.
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