Die Furcht vor einem schnellen nächsten Zinsschritt der Federal Reserve schwindet an den Finanzmärkten. Vor der heutigen Veröffentlichung des Protokolls der September-Sitzung preisen Händler eine Zinserhöhung im laufenden Monat nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 20 Prozent ein. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei etwa der Hälfte. Schwächere Daten zu den US-Konsumausgaben und zum Arbeitsmarkt dämpfen den Handlungsdruck auf die Währungshüter spürbar.
Schwächere Konjunkturdaten bremsen Zinsspekulationen
Nach der einstimmigen Zinserhöhung Mitte September sprachen sich mehrere Notenbanker für eine Pause aus. Sie sehen vorerst keine Notwendigkeit für einen direkten Folgeschritt. Die jüngsten Preis- und Beschäftigungsdaten stützen diese Haltung.
Allerdings herrscht innerhalb der Notenbank keine Einigkeit. Jeff Schmid, Präsident der Federal Reserve Bank von Kansas City, forderte ungeachtet gestiegener langfristiger Renditen weitere Erhöhungen zur Inflationsbekämpfung. Am Terminmarkt verschiebt sich das Hauptaugenmerk dennoch nach hinten: Für die Sitzung im Dezember liegt die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Anhebung um mindestens 25 Basispunkte bei 84,5 Prozent.
Entlastung an den Anleihemärkten stützt Aktien
Das Zurückweichen der Zinserwartungen verschaffte den internationalen Kapitalmärkten spürbare Entlastung. Der Dollar-Index gab am Vortag um 0,27 Prozent nach und notierte am Mittwochmorgen bei 101,94 Punkten.
Zeitgleich stabilisierten sich die Renditen an den globalen Anleihemärkten. Nach wochenlangem Verkaufsdruck beruhigte sich die Lage bei europäischen Staatsanleihen deutlich, während zehnjährige US-Treasuries im asiatischen Handel bei 5,3 Prozent verharrten.
Die nachlassende Zinsangst trieb die US-Börsen am Dienstag auf neue Rekordstände. Der technologielastige Nasdaq gewann 0,45 Prozent, während der breit gefasste S&P 500 um knapp 0,6 Prozent zulegte.
Aufschluss über die tatsächliche Geschlossenheit des geldpolitischen Rats liefern heute Abend die Sitzungsprotokolle sowie anstehende Reden der Notenbanker Christopher Waller, Neel Kashkari und Alberto Musalem. Vor der Dezember-Sitzung dürften die Details über die September-Debatte verdeutlichen, wie viele Mitglieder eine Zinspause mittragen.
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