Blur, einst größter NFT-Marktplatz im Ethereum-Ökosystem, zieht sich zurück. Die Website schließt am 12. November, auch das Beleihungsprodukt Blend nimmt keine neuen Kredite mehr an. Für Ethereum selbst ist das kein Systemschlag, für das NFT-Segment aber ein deutliches Signal.
Was Blur abschaltet und was bleibt
Betroffen ist ausschließlich das Frontend unter blur.io. Das Marktplatz-Protokoll läuft on-chain weiter, und Inhaber des BLUR-Tokens kontrollieren weiterhin den Fee-Switch. Blend, die Peer-to-Peer-Plattform für NFT-Kredite, vermittelt ab dem Stichtag keine neuen Darlehen mehr.
Kreditnehmer müssen bis dahin zurückzahlen oder den Ausfall in Kauf nehmen. Anschließend will Blur ein Werkzeug bereitstellen, mit dem Nutzer ihre Assets aus Blend abziehen können.
Der BLUR-Token verlor nach der Ankündigung mehr als 20 Prozent und notiert bei rund 0,015 Dollar. Die Marktkapitalisierung liegt damit bei etwa 44 Millionen Dollar. Anfang 2023 kostete der Token noch über 5 Dollar.
Ein schrumpfender Markt
Blur startete 2022 mit einem Token-Airdrop an Händler und überholte OpenSea schnell beim Handelsvolumen. Kritiker werfen dem Modell vor, Airdrop-Farming und mutmaßliche Wash-Trades gefördert zu haben. Die niedrigen Creator-Royalties setzten zudem Anbieter wie Yuga Labs unter Druck.
Seitdem ist der Markt eingebrochen. Das monatliche Blur-Volumen lag im März 2023 bei rund 1,43 Milliarden Dollar, drei Jahre später unter 7 Millionen Dollar. Branchenweit fielen die NFT-Verkäufe im September auf 167,2 Millionen Dollar, vor einem Jahr waren es noch 554,8 Millionen. Günstigere NFTs treiben zwar die Zahl der Verkäufe, nicht aber das Volumen.
Hinzu kommt die Abwicklung von Blast. Das Ethereum-Layer-2-Netzwerk stammt vom Blur-Team und schließt, weil der Betrieb mehr kostet, als er einbringt. Nutzer können noch bis zum 26. Oktober über die Oberfläche Gelder abziehen. Auch das von Pudgy Penguins gestützte Layer-2 Abstract wickelt sich ab.
Einordnung für Ethereum
Gleich mehrere Layer-2-Projekte, die auf Token-Anreize und NFT-Liquidität setzten, geben auf. Das dürfte Fragen zur Tragfähigkeit solcher Wachstumsmodelle aufwerfen. Für die Basisschicht bleibt die Nachfrage aus Stablecoins und institutionellen Anwendungen relevanter. So hält Standard Chartered in Dubai nun Ripples Stablecoin RLUSD für Institutionen in Verwahrung, allerdings in der Variante auf dem XRP Ledger, nicht auf Ethereum.
Konkrete Termine stehen fest: Am 26. Oktober endet die Auszahlungsfrist bei Blast, am 12. November folgt die Blur-Abschaltung samt Ende der Blend-Kreditvergabe.
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