Zunehmende Skepsis an der Wall Street und das Auslaufen staatlicher Anreize setzen Enphase Energy zu. Am heutigen Mittwoch senkte das Analysehaus Susquehanna das Kursziel für den US-Spezialisten für Mikro-Wechselrichter von 37 auf 35 US-Dollar und bestätigte die Einstufung mit „Neutral“.
An den europäischen Handelsplätzen spiegelt sich die verhaltene Stimmung deutlich wider: Im heutigen Handel gibt die Aktie um 6,7 Prozent nach und fällt auf 26,70 Euro.
Förderklippe dämpft die Erwartungen
Die Zurückhaltung der Analysten folgt auf wachsende Unsicherheiten im US-Solarmarkt. Zuletzt war ein wichtiges Steuerguthaben für private Aufdach-Solaranlagen ausgelaufen, was die Nachfrage von Eigenheimbesitzern spürbar bremst. Um den Übergang abzufedern, greift das Unternehmen zwar auf sogenannte Safe-Harbor-Vereinbarungen zurück, mit denen Hardware frühzeitig gesichert wird, um ältere Fördersätze zu wahren. Doch dieser Puffer währt nicht ewig.
Bereits am Montag hatte die Deutsche Bank eine Verkaufsempfehlung für die Aktie ausgesprochen und ihr Kursziel auf 34 US-Dollar taxiert. Die Analysten bezifferten die durch Safe-Harbor-Absicherungen gestützten Erlöse im Jahr 2026 auf rund 255 Millionen US-Dollar.
Fällt dieser Sondereffekt weg, verlangt der Marktkonsens für 2027 ein rein organisches Wachstum von rund 33 Prozent. Die Deutsche Bank hält diese Erwartungen für überzogen und positionierte ihre eigene Gewinnprognose für 2027 um 21 Prozent unter dem Konsens.
Repowering als Wachstumsfeld im Gewerbebereich
Um sich unabhängiger von den Schwankungen im privaten Neuanlagengeschäft zu machen, treibt Enphase die Modernisierung älterer Gewerbeanlagen voran. Das Unternehmen stellte heute erste Referenzprojekte in den USA vor, bei denen bestehende Solaranlagen unter Beibehaltung der alten Gestelle und Paneele auf neuere IQ9-Mikrowechselrichter umgerüstet wurden.
Dazu zählt die Modernisierung eines Campus-Arrays an der Furman University sowie eine Anlage beim US-Betrieb Peirce Welding, bei der 561 Einheiten des Modells IQ9N-3P installiert wurden. Gesteuert werden die Systeme über das Steuerungssystem IQ Gateway Commercial Pro, das bis zu 300 Wechselrichter pro Standort überwachen kann. Für das zugehörige Batteriesystem IQ Battery C80 nimmt das Unternehmen bereits Vorbestellungen entgegen.
Hoher Bewertungsabschlag vor den Zahlen
Anleger blicken nun auf die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal, die für den 27. Oktober angekündigt sind. Im vorangegangenen Jahresviertel hatte Enphase einen Umsatz von 291,85 Millionen US-Dollar erzielt, was einem Rückgang von 19,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entsprach.
Der anhaltende Gegenwind in der Solarbranche hat den Titel in den vergangenen Monaten stark belastet. Mit dem jüngsten Kursrückgang liegt die Notierung mittlerweile 58 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Ob die Expansion in das gewerbliche Modernisierungsgeschäft die wegfallenden Subventionen im US-Heimmarkt rasch ausgleichen kann, muss sich in den kommenden Quartalen zeigen.
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