Der DAX startet ruhig in die Woche, doch unter der Oberfläche arbeitet ein Gefälle: Während die Nasdaq am Freitag ein Rekordhoch markierte, hängt der deutsche Leitindex gut fünf Prozent unter seinem Allzeithoch. Ursache sind vor allem hohe Anleiherenditen und teures Öl.
Ruhiger Auftakt über 25.000 Punkten
Der Index eröffnete leicht im Plus bei rund 25.280 Punkten und hält sich damit über der runden Marke von 25.000. Größere Ausschläge blieben zunächst aus. Timo Emden von CapTrader hält die Marke für zentral: Je länger der DAX darum pendle, desto wichtiger werde sie für Anleger.
Zuletzt war der Index am Donnerstag bis auf 24.831 Punkte gefallen, den tiefsten Stand seit Ende Juli. Am Freitag half ein schwächer als erwarteter US-Arbeitsmarktbericht, der Inflations- und Zinssorgen etwas milderte. Das Rekordhoch von 26.618 Punkten stammt von Ende August.
Warum die Nasdaq enteilt
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zuletzt bis auf 5,34 Prozent, so hoch wie seit 2002 nicht mehr. Die Nasdaq 100 steckte das weg und liegt seit Jahresbeginn rund 22 Prozent im Plus. Der Grund: Für den Technologiesektor wird im dritten Quartal ein Gewinnwachstum je Aktie von über 65 Prozent erwartet. Solange die Gewinne schneller wachsen als der Zins, bleibt die Bewertung tragbar.
Dem DAX fehlt dieser Puffer. Die Bundesanleihe rentiert bei 3,42 Prozent, der Index steht seit Jahresbeginn aber nur rund drei Prozent im Plus. Dieselbe Zinslast, jedoch ohne das Gewicht großer KI-Konzerne.
LBBW-Stratege Uwe Streich verweist auf ein Muster: Steigende Renditen belasten Aktien nicht automatisch, da sie oft eine bessere Konjunktur spiegeln. Der S&P 500 habe sich aber nur bei Renditen unter fünf Prozent überdurchschnittlich entwickelt. Dieses Niveau ist nun überschritten.
Europa bleibt Sorgenkind
Hinzu kommen europäische Belastungen. Andreas Lipkow von CMC Markets nennt die hohen Renditen französischer Staatsanleihen, die Misstrauen gegenüber der Fiskalpolitik und der Staatsverschuldung ausdrücken. Hohe Energiepreise halten die Inflationssorgen am Leben und drücken über Benzinpreise auf den privaten Konsum. Dem europäischen Markt fehle damit weiterhin die entscheidende Entlastung, so Lipkow.
Impulse könnten von der KI-Seite kommen. Anthropic will Medienberichten zufolge ab dem 9. November formell für seine Aktien werben. Ein Handelsstart wäre damit noch vor Thanksgiving am 26. November möglich.
Zuvor stehen Termine wie der Marvell-Investorentag am Dienstag, TSMC-Umsatzzahlen am Donnerstag und der Porsche-Kapitalmarkttag am Mittwoch an. Für den DAX bleibt die Marke von 25.000 Punkten der erste Prüfstein, das Tief vom Donnerstag bei 24.831 Punkten die nächste Auffanglinie.
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