Der deutsche Leitindex tritt am Dienstag vorsichtig optimistisch auf. Im frühen Handel legt der DAX um 0,4 Prozent auf 25.480 Punkte zu, getragen von einer kräftigen Erholung der Technologiewerte, die tags zuvor noch geschwächelt hatten. Der Antrieb kommt diesmal nicht aus Frankfurt, sondern aus Übersee.
Auslöser ist der Börsenprospekt von Anthropic, der bei Investoren offenbar Zuversicht statt Zweifel weckt. Die dort skizzierten Ausgabepläne für KI-Infrastruktur, die sich auf bis zu 518 Milliarden Dollar belaufen sollen, wirken auf den ersten Blick paradox angesichts eines Unternehmens mit gut vier Milliarden Dollar Umsatz.
Für die Anleger zählt an diesem Morgen aber vor allem, dass die Rally bei Nvidia am Vorabend die Stimmung für die gesamte Chip- und Techbranche aufhellt.
Infineon und Halbleiterwerte führen
Im DAX profitiert vor allem Infineon, das mit einem Plus von 2,2 Prozent die Spitzengruppe anführt. Im MDax ziehen Siltronic, Jenoptik, Aixtron und Süss Microtec zwischen 3 und 4 Prozent an — ein deutliches Signal, dass der Halbleitersektor als Ganzes von der US-Rally mitgezogen wird.
Nicht alle Werte können sich dem Trend anschließen. Fresenius Medical Care fällt um 1,9 Prozent ans Indexende, nachdem die Privatbank Berenberg das Kursziel von 60 auf 42 Euro gesenkt und die Kaufempfehlung gestrichen hat.
RWE gibt um ein Prozent nach — Berichten zufolge haben die Essener zusammen mit dem Finanzinvestor KKR ein unverbindliches Gebot für den Gaskonzern Uniper abgegeben. Händler werten den Schritt skeptisch, da er zulasten künftiger Aktienrückkäufe gehen könnte und RWE-Chef Markus Krebber ein solches Engagement zuvor öffentlich verneint hatte.
Öl und Zinsen bleiben Belastungsfaktoren
Trotz der freundlichen Tech-Stimmung bleiben die grundlegenden Sorgen bestehen. Der Brentölpreis notiert über 106 Dollar, während die festgefahrenen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über die Straße von Hormus keine schnelle Entspannung versprechen. Parallel dazu drückt der weltweite Anstieg der Anleiherenditen auf die Bewertungen — festverzinsliche Anlagen werden für Investoren zunehmend attraktiver im Vergleich zu Aktien.
Konjunkturdaten liefern am Dienstag wenig Orientierung. Aus den USA kommen später die Jolts-Arbeitsmarktdaten und das Verbrauchervertrauen, das bei Anzeichen einer Konsumschwäche durch steigende Benzinpreise für Bewegung sorgen könnte. Bis dahin bestimmt der Wechsel zwischen Öl-, Zins- und Tech-Nachrichten das Tempo an der Frankfurter Börse.
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