Der DAX hat sich zuletzt deutlich über 26.000 Punkte geschoben. Eine Wellenanalyse sieht darin erst den Anfang: Das Hoch von bisher 26.619 Punkten gilt in dieser Lesart als Zwischenstation, nicht als Endpunkt. Ob das trägt, hängt auch von Öl und Zinsen ab.
Elliott-Zählung mit offenem Ende
Die Analyse ordnet den Index in einen langfristigen Aufwärtsimpuls ein. Die laufende Welle begann nach dem Tief bei 11.807 Punkten und läuft laut Zählung noch. Zwei Varianten stehen zur Wahl.
Die erste, gedämpfte Variante rechnet mit einer abschließenden Aufwärtsbewegung. Das Maximalziel von 25.851 Punkten für eine kurze Schlusswelle ist bereits überschritten. Für eine gedehnte Variante liegt das Mindestziel oberhalb von 28.906 Punkten.
Die zweite Variante, ein sogenannter Power-Impuls, ist deutlich offensiver. Sie nennt Ziele bei 28.317 und 32.308 Punkten und kennt nach Darstellung der Analyse keine Obergrenze. In beiden Fällen fehlen noch mehrere markante Hochs sowie Rücksetzer, die üblicherweise ein Ende der Bewegung ankündigen. Das spricht aus Sicht dieser Methodik gegen ein baldiges Ende des Anstiegs.
Wellenzählungen sind allerdings Interpretationssache. Die Autoren räumen selbst ein, dass sich die aktuelle Welle mehrdeutig lesen lässt.
Öl und Anleiherenditen als Gegenwind
Das Marktumfeld ist weniger eindeutig. Gestern rutschte der DAX zeitweise unter die Marke von 25.000 Punkten, belastet von hohen Ölpreisen und steigenden Zinsen. Mitte der Woche sprang die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,35 Prozent. Danach beruhigte eine erfolgreiche Auktion die Lage, und die Rendite fiel am Freitag auf 5,24 Prozent. Das stützte auch die Aktienmärkte.
Zusätzliche Bewegung kommt aus der Energiepolitik. US-Präsident Donald Trump verkündete nach einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin eine Vereinbarung über russische Diesellieferungen. Washington hebt dafür vorübergehend Sanktionen auf, die Genehmigung gilt bis zum 7. April 2027. Mehr als 300.000 Tonnen sollen zeitnah auf den Markt kommen. Das ist rechnerisch allerdings nur gut ein halber Tagesverbrauch der USA.
Die Ukraine kritisierte den Schritt scharf. Für die Börsen zählt vor allem die Signalwirkung: Mehr Diesel könnte den Preisdruck mindern, der Zinsen und Inflationserwartungen antreibt.
Was die Charttechniker jetzt beobachten
Entscheidend ist für den DAX, ob die Renditen ihr Hoch bei 5,35 Prozent halten oder weiter zurückkommen. Fällt die Rendite, hätte der Index Spielraum für einen Vorstoß in Richtung der genannten Ziele zwischen 28.317 und 28.906 Punkten. Ein erneuter Rutsch unter 25.000 Punkte würde die Jahresendrallye-These zumindest vorerst in Frage stellen.
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