Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp rechnet damit, dass UniCredit die EZB-Zustimmung zur Übernahme der Kontrolle über die Bank „in den nächsten Tagen oder Wochen“ erhalten könnte. Das berichtet Bloomberg heute. Für Anleger rückt damit ein möglicher Fortschritt im Genehmigungsprozess näher. Eine bereits erteilte Zustimmung oder eine vollzogene Übernahme beschreibt Orlopp damit nicht.
Genehmigungen könnten zeitlich auseinanderfallen
Weitere behördliche Genehmigungen erwartet Orlopp noch in diesem Jahr oder spätestens Anfang 2027. Ihre Aussagen unterscheiden damit zwischen der möglichen kurzfristigen Entscheidung der EZB und den übrigen Freigaben. Der erwartete Zeitrahmen für die Übernahmepläne reicht folglich über die nächste Behördenentscheidung hinaus.
Entscheidend ist der Vorbehalt in Orlopps Aussage: Die Zustimmung könnte bald kommen. Sie ist damit eine Erwartung der Vorstandschefin und kein bestätigter Abschluss des Verfahrens. Auch der genannte Zeitraum für weitere Genehmigungen bleibt eine Einschätzung.
Zur wettbewerbsrechtlichen Prüfung hat UniCredit die geplante Übernahme bei der Europäischen Kommission angemeldet, wie Reuters am Freitag berichtete. Die Entscheidungsfrist läuft bis zum 16. November 2026. Dieser Termin betrifft die Wettbewerbsprüfung und ist nicht mit der von Orlopp angesprochenen EZB-Zustimmung gleichzusetzen.
Bundesregierung stimmt ihre Haltung ab
Neben den behördlichen Prüfungen steht die politische Positionierung. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sagte laut Bloomberg am Donnerstag, er stimme die Haltung der Bundesregierung zu UniCredits Übernahmeplänen mit Hessen und Frankfurt ab.
Für die Einordnung der jüngsten Nachricht sind diese Ebenen auseinanderzuhalten. Orlopps Aussage betrifft den erwarteten Fortgang der Genehmigungen. Klingbeils Äußerung beschreibt dagegen die Abstimmung der politischen Haltung. Daraus lässt sich weder eine behördliche Freigabe noch ein Vollzug der Übernahme ableiten.
Quartalszahlen liefern den operativen Maßstab
Unabhängig vom Übernahmeprozess veröffentlicht die Commerzbank am 5. November 2026 ihre Ergebnisse für das dritte Quartal 2026. Für Anleger steht damit neben den Behördenentscheidungen ein angekündigter Termin zur Geschäftsentwicklung fest.
Mit Blick auf das dritte Quartal aktualisierte Analystin Anke Reingen gestern ihre Schätzungen. RBC Capital Markets erhöhte dabei das Kursziel von 40 auf 41 Euro und beließ die Einstufung auf „Sector Perform“.
Die Kernbotschaft für Anleger liegt jedoch im regulatorischen Zeitplan: Orlopp hält einen baldigen EZB-Bescheid für möglich. Für die übrigen Genehmigungen nennt sie einen längeren Erwartungshorizont. Ein möglicher Fortschritt bei einer Freigabe wäre deshalb noch nicht der Abschluss des gesamten Übernahmeprozesses.
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