Die Hängepartie um die Zukunft der Commerzbank hinterlässt zunehmend Spuren bei der Bewertung des Frankfurter Geldhauses. Während die italienische Großbank UniCredit ihre Optionen auslotet und die Bundespolitik klare Garantien fordert, wächst am Kapitalmarkt die Zurückhaltung. Die Aussicht auf einen langwierigen Übernahmekampf und strategische Fragezeichen belasten die Einschätzung der weiteren Kursentwicklung.
Zurückhaltendere Töne aus den Analysehäusern
Die veränderte Gemengelage schlägt sich direkt in den Urteilen der Marktbeobachter nieder. Am Freitag stufte RBC die Commerzbank von „Outperform“ auf „Sector Perform“ ab. Die Analystin des Hauses, Anke Reingen, reduzierte das Kursziel gleichzeitig von 43 auf 40 Euro und verwies zur Begründung auf gestiegene Eigenkapitalkosten.
Bereits am Mittwoch hatte Deutsche Bank Research das Papier von „Buy“ auf „Hold“ zurückgenommen. Das Analysehaus beließ das Kursziel zwar bei 42 Euro, begründete die vorsichtigere Haltung jedoch mit der Unsicherheit über die künftige Ausrichtung des Instituts. Anleger preisen damit vermehrt das Risiko ein, dass die Eigenständigkeit und die operative Planung durch die Avancen aus Mailand blockiert werden könnten.
Forderungen aus Berlin und Druck aus Mailand
Hinter den Abstufungen steht ein sich zuspitzender Machtkampf um die Führung und Struktur der Commerzbank. Laut Reuters drängt die Bundesregierung nach Angaben aus Regierungskreisen auf zügige und verbindliche Zusagen von UniCredit.
Im Fokus stehen dabei der Erhalt von Arbeitsplätzen, der Verbleib des Hauptsitzes in Frankfurt, die Fortführung der Börsennotierung sowie die gesicherte Finanzierung des deutschen Mittelstands. UniCredit erklärte dazu, den Dialog zu begrüßen und dessen Ausgang optimistisch zu sehen.
Gleichzeitig kursieren Berichte über weitreichende Pläne der Italiener. Einem Bericht der Financial Times zufolge strebt UniCredit nach dem Vorliegen ausstehender behördlicher Genehmigungen eine außerordentliche Hauptversammlung an. Ziel sei es demnach, alle zehn Vertreter der Anteilseigner im 20-köpfigen Aufsichtsrat zu ersetzen. Auch über eine mögliche Ablösung von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp wurde berichtet.
Kapitalmaßnahmen laufen weiter
Die Commerzbank setzt unterdessen ihre beschlossenen Maßnahmen am Kapitalmarkt fort. Im Rahmen des laufenden Aktienrückkaufprogramms erwarb das Institut vom 21. bis einschließlich 25. September 2.037.832 eigene Anteile.
Am Markt behauptet sich das Papier trotz der jüngsten Belastungen auf Jahressicht im positiven Terrain. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 39,08 Euro, was seit Jahresanfang einem Zuwachs von 8,2 Prozent entspricht. Ob sich dieser Trend fortsetzen lässt, hängt nun maßgeblich davon ab, wie schnell Klarheit über die Eigentümerstruktur entsteht.
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