Die britische Regierung prüft Medienberichten zufolge Sonderzölle auf chinesische Elektrofahrzeuge. Laut Berichten von The Times und The Guardian erwägt London, die bisherigen Importabgaben an das Niveau der Europäischen Union anzugleichen. Für BYD trifft diese Debatte eine zentrale europäische Absatzregion. Im heutigen Handel legte die Aktie dennoch um 1,4 Prozent auf 8,51 Euro zu.
Debatte über Angleichung an EU-Tarife
Im Zentrum der politischen Diskussion steht der britische Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds. Er wägt derzeit den Schutz der heimischen Automobilindustrie gegen die ambitionierten Klimaziele des Landes ab. Eine Angleichung an die EU-Tarife könnte die Importzölle von derzeit 10 Prozent auf bis zu 45 Prozent anheben. Offiziell hat die Regierung in London allerdings noch keine neuen Abgaben beschlossen.
Ein wesentlicher Treiber für Londons Überlegungen ist laut The Guardian der Zugang zu europäischen Industrieprojekten. Großbritannien will sich demnach die künftige Teilnahme am geplanten EU-Vorhaben „Made in Europe“ sichern. In Brüssel greifen bereits seit Oktober 2024 Zusatzzölle für in China gefertigte E-Autos, bei denen BYD mit einer Gesamtabgabe von 27 Prozent belegt ist.
Großbritannien als wichtigster Überseemarkt
Eine britische Zollanhebung würde BYD an einer empfindlichen Stelle treffen. Von Januar bis September 2026 registrierte der chinesische Hersteller rund 68.000 Neuzulassungen auf der Insel. Allein im September sicherte sich das Unternehmen dort einen Marktanteil von 5,75 Prozent und etablierte sich als zweitgrößte Marke hinter Volkswagen.
Der britische Markt spiegelt das rasante Überseewachstum wider. Wie Daten des Herstellerverbands ACEA zeigen, stiegen BYDs Neuzulassungen in der Europäischen Union, der EFTA und Großbritannien zwischen Januar und August 2026 um 144,1 Prozent auf 234.099 Einheiten. Der Marktanteil in der Gesamtregion erhöhte sich dadurch auf 2,5 Prozent.
Globale Expansion und lokale Produktion
Um künftigen Handelsbarrieren in westlichen Märkten zu entgehen, treibt das Unternehmen den Aufbau eigener Fabriken im Ausland voran. In Ungarn investiert BYD in eine lokale Fertigung, um EU-Zölle künftig zu umgehen. Auch in Südamerika schreitet der Ausbau voran: Für das brasilianische Werk Camaçari strebt der Hersteller langfristig eine Jahreskapazität von 600.000 Fahrzeugen an.
Parallel dazu weitet der Konzern seine Präsenz in alternativen Märkten aus. Gestern kündigte das Management an, den ursprünglich für Japan entwickelten Kleinstwagen Racco künftig auch in Sri Lanka und Macau anzubieten. Zudem eröffnete BYD am 30. September in Nordmazedonien seinen 38. europäischen Markt. Die handelspolitischen Unsicherheiten dämpfen jedoch das Anlegervertrauen: Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 20 Prozent.
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