Geopolitische Spannungen und regulatorische Eingriffe stellen die weltweite Wachstumsstrategie von BYD auf eine harte Probe. Executive Vice President Stella Li bezeichnete die Geopolitik gegenüber Reuters als die größte Expansionsherausforderung des Konzerns.
Wegen der anhaltenden Unsicherheiten hält sich der chinesische Fahrzeughersteller beim Verkauf von Personenwagen auf dem US-Markt vorerst zurück. Gleichzeitig geraten die Margen im Überseegeschäft unter Druck. An der Börse macht sich Skepsis bemerkbar: Im heutigen Handel gibt die BYD-Aktie um 1,4 Prozent auf 8,38 Euro nach, womit sich das Minus seit Jahresanfang auf 22 Prozent summiert.
Regulierungen belasten die Exportperspektiven
Die internationalen Vertriebskanäle sehen sich veränderten Rahmenbedingungen gegenüber. Eine Übergangsvereinbarung zwischen der Europäischen Union und China begrenzt die Einfuhr von in China hergestellten Hybridfahrzeugen, einschließlich Plug-in-Hybriden, auf 350.000 Einheiten pro Jahr bei einem jährlichen Zuwachs von sechs Prozent. Nach Berechnungen von Jefferies stehen BYD, SAIC und Chery zusammen für mehr als 90 Prozent des Absatzvolumens chinesischer Hybride im EU-Raum.
Zusätzliche Belastungen zeichnen sich auf der Kostenseite ab. Das chinesische Finanzministerium und die staatliche Steuerverwaltung kündigten an, dass der Mehrwertsteuer-Erstattungssatz für Ausfuhren von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben zum 1. April 2027 von 13 auf 9 Prozent sinkt. Die Analysten der Deutschen Bank schätzen, dass dieser Schritt den Nettogewinn von BYD um rund 5.000 Yuan je exportiertem Fahrzeug mindern könnte.
Werk in Frankreich und Neunmonatszahlen
Als Antwort auf bestehende und drohende Handelsschranken prüft das Management operative Anpassungen im Ausland. Wie Stella Li gestern mitteilte, evaluiert das Unternehmen die Errichtung einer eigenen Fabrik in Frankreich. Eine lokale Fertigung innerhalb der Europäischen Union könnte regulatorische Beschränkungen abfedern, erfordert jedoch entsprechende Kapitalaufwendungen und Vorlaufzeit.
Im laufenden operativen Geschäft bleibt das Bild gemischt. Im September lieferte BYD laut ungeprüften Pflichtmitteilungen 463.561 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben aus, während die Exporte in diesem Segment 180.700 Einheiten erreichten.
Auf Sicht der ersten neun Monate des Jahres verbuchte das Unternehmen jedoch ein Minus von 3,94 Prozent im Vorjahresvergleich. Klarheit über die finanzielle Tragfähigkeit des aktuellen Kurses erwarten die Marktteilnehmer am 30. Oktober mit der Vorlage des Berichts zum dritten Quartal.
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