Ein Jahr nach dem größten Liquidationsereignis der Kryptogeschichte steht Bitcoin bei rund 83.000 Dollar. Das sind etwa 34 Prozent unter dem Rekord von 126.080 Dollar vom 6. Oktober 2025. Die Hebelrisiken von damals sind laut Marktbeobachtern nicht verschwunden.
Die Narbe von 2025
Am 10. Oktober 2025 rutschte Bitcoin nach Donald Trumps Zollankündigung gegen chinesische Importe von etwa 122.000 auf 105.000 Dollar. Über 19 Milliarden Dollar an Positionen wurden liquidiert, rund 1,6 Millionen Handelskonten waren betroffen.
Mark Connors von Risk Dimensions sagt, Derivate-Positionierungen steuerten die kurzfristigen Kursbewegungen weiterhin, trotz besserer Transparenz. Perpetual Futures und hohe Hebel prägen den Markt nach wie vor.
In dieser Woche fiel der Kurs zeitweise auf 80.308 Dollar, bevor er sich wieder Richtung 83.000 Dollar erholte.
Short-Squeeze-Potenzial und schwache ETFs
Nach Positionierungsdaten könnten Short-Positionen im Volumen von etwa 3,3 Milliarden Dollar liquidiert werden, falls der Kurs Richtung 85.000 Dollar steigt. Das würde eine Erholung beschleunigen. Ähnliches war schon im August zu sehen: Damals sprang Bitcoin binnen weniger Tage um mehr als 20 Prozent und überschritt zeitweise 80.000 Dollar. Am 21. September folgte mit über 85.000 Dollar ein Neun-Monats-Hoch.
Die institutionelle Nachfrage stützt derzeit allerdings nicht. US-Spot-ETFs verzeichneten diese Woche Abflüsse von mehr als 700 Millionen Dollar. Corporate Adoption gibt es dennoch: Robinhood soll Bitcoin für 25 Millionen Dollar in die Bilanz genommen haben. Strategy kaufte Ende September weitere 1.665 Bitcoin und hält nun 847.666 Stück. Ferner bewegten US-Regierungswallets rund eine Milliarde Dollar in Bitcoin. Der Zweck ist unklar.
Politik als Randfaktor
Der Clarity Act, der die Zuständigkeiten von SEC und CFTC klären soll, scheiterte am 15. September im Verfahren zur weiteren Beratung. Bitcoin gab kurz nach, erholte sich aber rasch. Das Netzwerk arbeitet unabhängig von der US-Gesetzgebung.
Für den Kurs zählen eher Liquidität, Zinsen, ETF-Zuflüsse und Risikobereitschaft. Eine Verabschiedung vor den Zwischenwahlen wird schwieriger, ein neuer Anlauf hinge von den Mehrheiten im neuen Kongress ab, der im Januar zusammentritt.
Kurzfristig gilt die Marke von 85.000 Dollar als Test. Darüber könnte der Short-Squeeze Fahrt aufnehmen, darunter bleibt die Unterstützung bei gut 80.000 Dollar im Blick.
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