BioNTech zieht sich gleich an zwei Fronten zurück: Eine große klinische Studie in den USA wird gestoppt, ein Produktionswerk in Singapur schließt. Beide Entscheidungen fallen in dieselbe Woche und folgen derselben Logik — das Unternehmen räumt seine COVID-19-Vergangenheit auf, um Ressourcen für die Onkologie freizumachen.
Studie ohne ausreichende Teilnehmer
Die gemeinsam mit Pfizer durchgeführte Post-Marketing-Studie zum aktualisierten COVID-19-Impfstoff wird eingestellt. Das Ziel war ehrgeizig: 25.000 bis 30.000 gesunde Erwachsene zwischen 50 und 64 Jahren sollten rekrutiert werden, um die Wirksamkeit des Impfstoffs zu belegen.
Das Vorhaben scheiterte an der Realität. Strenge Gesundheitskriterien — Personen mit Diabetes oder Bluthochdruck waren ausgeschlossen — führten zu hohen Ausschlussraten. Hinzu kam eine schwache Infektionssaison, die die Rekrutierung weiter verlangsamte. Sicherheitsbedenken nennen die Unternehmen ausdrücklich nicht als Grund. Für die vollständige FDA-Zulassung in dieser Altersgruppe fehlen nun jedoch die erforderlichen Daten.
Singapur-Werk wird bis 2027 abgewickelt
Parallel dazu schließt BioNTech sein mRNA-Produktionswerk im Tuas Biomedical Park in Singapur. Das Gelände war Ende 2022 von Novartis übernommen worden — ursprünglich mit dem Plan, mehrere hundert Millionen Impfstoffdosen jährlich für die Asien-Pazifik-Region herzustellen. Rund 85 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen, die bis Anfang 2027 abgeschlossen sein soll.
Das Unternehmen begründet den Schritt damit, die globalen Produktionskapazitäten an das aktuelle klinische Portfolio anzupassen. Konkret bedeutet das: weniger Impfstoffproduktion, mehr Fokus auf Krebstherapien.
Umbau unter neuer Führung
Der operative Rückbau spiegelt den tiefgreifenden Wandel wider, den BioNTech gerade durchläuft. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen Umsätze zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro — ein deutlicher Rückgang gegenüber den Hochzeiten der Pandemie.
Gleichzeitig bereitet sich BioNTech auf einen Führungswechsel vor. Die Mitgründer Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das Unternehmen bis Ende 2026, um ein neues unabhängiges Biotechunternehmen zu gründen. BioNTech behält eine Minderheitsbeteiligung an dem neuen Venture.
Intern konzentriert sich das Unternehmen auf 15 laufende Phase-3-Studien in der Onkologie, die bis Ende 2026 erwartet werden. Auf der Hauptversammlung am 15. Mai 2026 sollen zudem zwei neue Aufsichtsratsmitglieder mit Spezialisierung in Onkologie und klinischer Entwicklung gewählt sowie ein genehmigtes Kapital von bis zu rund 129,5 Millionen Euro — entsprechend 50 Prozent des aktuellen Grundkapitals — beschlossen werden.
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