Bayer verbindet Fortschritte in der Medikamentenentwicklung mit Forderungen nach einem schnelleren Zugang zu Agrartechnologien. Bayer-Manager Matthias Berninger verlangte am 16. Oktober eine innovationsfreundlichere EU.
Für Anleger ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Neue Entwicklungsschritte stehen neben politischen Forderungen und verhaltenen Ergebniserwartungen. Eine unmittelbar stärkere Geschäftsentwicklung lässt sich daraus nicht ableiten.
Unterschiedliche Wege zu neuen Anwendungen
Berninger warnte Medienberichten zufolge davor, dass neue Technologien zu langsam verfügbar seien. Seine Forderung richtet sich damit auf die Rahmenbedingungen für Innovationen in Europa. Sie ist keine Ankündigung eines neuen Bayer-Produkts oder einer bereits beschlossenen regulatorischen Änderung.
Dazu passt eine von Bayer beauftragte Studie von vor gut einer Woche. Sie sieht die Gefahr, dass EU und Vereinigtes Königreich im globalen Agrarwettbewerb weiter zurückfallen. Als entscheidenden Punkt nennt sie einen schnelleren Zugang der Landwirte zu Innovationen.
Im Pharmabereich meldete Bayer dagegen einen konkreten Verfahrensfortschritt. Am 8. Oktober nahm die US-Arzneimittelbehörde FDA den ergänzenden Zulassungsantrag für Finerenon zur Behandlung chronischer Nierenerkrankung ohne Diabetes an. Der Antrag stützt sich auf die Phase-III-Studie FIND-CKD.
Die Annahme des Antrags ist dabei von einer Zulassung zu unterscheiden. Für die Einordnung zählt der erreichte Verfahrensschritt, nicht eine bereits gesicherte zusätzliche Anwendung.
Klinische Entwicklung bleibt ein eigener Zeithorizont
Auch die Bayer-Tochter Vividion meldete einen Fortschritt. Nach ihrer Mitteilung vom 15. Oktober wurde der erste Patient einer globalen Phase-II-Studie mit VVD-214 plus Pembrolizumab behandelt.
Untersucht wird die Kombination als Erstlinientherapie bei fortgeschrittenem MSI-H- oder dMMR-Kolorektalkarzinom. Damit erweitert Vividion das Entwicklungsprogramm in die Erstlinie. Die Behandlung des ersten Patienten markiert den Studienfortschritt; Wirksamkeitsergebnisse wurden mit dieser Meldung nicht bekanntgegeben.
Analystenerwartungen setzen einen anderen Maßstab
Für die kurzfristige Ergebniseinordnung sind dagegen die Geschäftserwartungen maßgeblich. JPMorgan beließ Bayer am 16. Oktober auf „Overweight“. Das Haus erwartete den Umsatz 2 Prozent über dem Konsens und das EBITDA 6 Prozent darunter.
Die Analysten rechneten zugleich mit einer Bestätigung des Jahresausblicks. Ihre positive Anlageeinschätzung ging somit nicht mit der Erwartung einer besseren operativen Ergebniszahl gegenüber dem Konsens einher.
Bayers Entwicklungsfortschritte und die Forderung nach besseren Innovationsbedingungen betreffen damit andere Zeithorizonte als die nächste Ergebnisvorlage. Für Anleger sind sie relevante Perspektiven, aber kein Ersatz für belastbare Geschäftszahlen.
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