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BASF Aktie: Evonik-Poker geht weiter?

BASF verteidigt das Interesse an Evonik; die SPD fordert eine Landesbeteiligung, während die RAG-Stiftung einem Ausbau skeptisch gegenübersteht.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • BASF bot rund zehn Milliarden Euro
  • Evonik wies die Offerte zurück
  • NRW-SPD verlangt Prüfung einer Landesbeteiligung
  • RAG-Stiftung bevorzugt einen kleineren Anteil

Heute hat BASF-Vorstandschef Markus Kamieth auf dem Deutschland-Gipfel in Berlin die strategische Logik hinter den Übernahmebestrebungen in der Spezialchemie verteidigt. Angesichts einer bevorstehenden Fusions- und Übernahmewelle in der Branche wolle der Ludwigshafener Konzern als Marktführer Chancen aktiv nutzen.

Eine Kombination von BASF mit einem starken Spezialchemieanbieter ergebe „sehr viel Sinn“. Dabei könne der Konzern vor allem seine bestehende Stärke in der Basischemie einbringen.

Der Vorstoß zielt auf den Essener Spezialchemiekonzern Evonik. Vor wenigen Wochen hatte BASF dem Konkurrenten eine unverbindliche Kaufofferte von rund 10 Milliarden Euro unterbreitet. Der Vorstand von Evonik wies den Vorstoß jedoch als unzureichend zurück.

Nach Angaben von Evonik finden derzeit keine Gespräche statt, während BASF den Ausgang der Sondierungen weiterhin als offen bezeichnet. Im heutigen Handel legt die BASF-Aktie um 1,2 Prozent auf 51,36 Euro zu.

Politischer Widerstand in Nordrhein-Westfalen

Parallel zu den Äußerungen aus Ludwigshafen formiert sich in Nordrhein-Westfalen politischer Widerstand gegen eine Fusionslösung. Die oppositionelle NRW-SPD forderte Ministerpräsident Hendrik Wüst heute auf, eine Landesbeteiligung an Evonik prüfen zu lassen.

Nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten sollen das Land und die RAG-Stiftung gemeinsam eine Kontrollmehrheit von über 50 Prozent sichern. Nach Schätzung der SPD-Fraktion um Jochen Ott könnte ein solcher Anteilskauf rund 800 Millionen Euro kosten, möglicherweise finanziert über die landeseigene NRW-Bank.

Die Landespolitik will mit diesem Vorstoß die Eigenständigkeit des Unternehmens, die Essener Konzernzentrale sowie wichtige Entscheidungsfunktionen in Nordrhein-Westfalen absichern. Zudem verlangt die SPD verbindliche Schutzvereinbarungen für Standorte wie Marl und Wesseling.

Betriebsbedingte Kündigungen und Verlagerungen wesentlicher Unternehmensbereiche müssten für einen belastbaren Zeitraum ausgeschlossen werden. Die Düsseldorfer Staatskanzlei betonte ebenfalls die Bedeutung des Erhalts der Unabhängigkeit, nannte bislang jedoch keine konkreten Schritte. Kommende Woche berät der NRW-Landtag über den Antrag.

Entscheidend für den weiteren Verlauf ist die Haltung des größten Evonik-Aktionärs. Die RAG-Stiftung hält derzeit rund 43 Prozent der Anteile. Ministerpräsident Hendrik Wüst sitzt qua Amt im Kuratorium der Stiftung.

Stiftungschef Bernd Tönjes zeigte sich gegenüber einem Ausbau der Beteiligung jedoch skeptisch. Er favorisierte stattdessen eine schrittweise Senkung des Stiftungsanteils auf 25,1 Prozent. Ohne die Zustimmung der Stiftung ist ein Zusammenschluss kaum denkbar.

Strategischer Druck auf die Chemiebranche

Für BASF spiegelt das Interesse an Evonik den wachsenden Druck auf die gesamte Branche wider. Der Ludwigshafener Konzern sucht nach Wegen, seine traditionelle Basischemie durch renditestärkere Spezialitäten abzusichern. Großübernahmen gelten im aktuellen Branchenumfeld als Hebel, um Skalenvorteile zu realisieren und gegen internationalen Wettbewerbsdruck zu bestehen.

Die Aktionäre blicken mit verhaltener Zuversicht auf die Expansionspläne. Seit Jahresanfang verzeichnet die BASF-Aktie einen Wertzuwachs von 16 Prozent. Ob Konzernchef Kamieth die Sondierungen vertiefen kann, hängt nun maßgeblich davon ab, ob BASF die Bedenken der Stiftung und der Politik entkräften kann.

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