Ein Rückgang um 10,6 Prozent klingt nach einer abrupten Trendwende für die deutsche Wirtschaft. Tatsächlich markieren die August-Zahlen für das verarbeitende Gewerbe keinen breiten Nachfragekollaps, sondern spiegeln vor allem das Ausbleiben einzelner Großprojekte wider. Bereinigt um diese unbeständigen Großbestellungen gaben die Bestellungen im Monatsvergleich lediglich um 0,1 Prozent nach.
Sondereffekte verzerren das Monatsbild
Zuvor hatte ein Auftragsplus von 3,2 Prozent im Juli die Messlatte hoch gelegt. Volkswirte rechneten im Schnitt mit einem leichten Dämpfer von einem Prozent für den Folgemonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stand für den August dennoch ein Zuwachs von 2,7 Prozent zu Buche.
Ausschlaggebend für den Monatsrückgang war der sonstige Fahrzeugbau. In dieser Sparte, zu der Flugzeuge, Schiffe, Züge und Rüstungsgüter zählen, sanken die Order nach kräftigen Vormonaten um 61,5 Prozent. Zeitgleich gab die Auslandsnachfrage um 5,4 Prozent nach, während die Inlandsbestellungen um 17,3 Prozent absackten.
Gerade das Minus bei den Heimatbestellungen zeigt, wie stark die Schwankungen bei militärischen und staatlichen Großaufträgen die Statistik beeinflussen. Nach den kräftigen Zuwächsen im Vormonat normalisierte sich das Volumen schlagartig. Eine breite Stornierungswelle lässt sich daraus nicht ableiten.
Auftragsbestand federt die Delle ab
Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich von Juni bis August legte der Auftragseingang um 1,3 Prozent zu. Allerdings offenbart auch dieser Zeitraum eine Spaltung: Ohne Großaufträge ergab sich ein Rückgang von 2,6 Prozent. Das unterstreicht die weiterhin verhaltene Grundnachfrage in der klassischen Industrie.
Trotz dieser Schwächephase verfügen die Betriebe weiterhin über solide gefüllte Auftragsbücher. Das vorhandene Polster reicht rechnerisch für etwa neun Monate Produktion. Volkswirte sehen den Sektor vor diesem Hintergrund stabilisiert, vermissen aber den Übergang zu einem echten Aufschwung.
Viele Betriebe arbeiten ihre Aufträge mit bestehenden Kapazitäten ab, anstatt Geld in neue Maschinen und Werkshallen zu stecken. Erst wenn die Unternehmen wieder den Mut finden, ihre Fertigungskapazitäten spürbar auszubauen, wird aus den abgearbeiteten Beständen ein tragfähiger Aufschwung entstehen.
