Der enorme Investitionsbedarf für den Ausbau moderner Rechenzentren treibt neue Finanzierungsmodelle im Technologiesektor voran. Wie die Financial Times und Reuters berichteten, verhandelt Amazon über eine Strukturierung von Spezialprozessoren im Umfang von rund 8 Milliarden US-Dollar.
Die Hardware des Herstellers Nvidia soll dabei in eine Zweckgesellschaft eingebracht und von der Cloud-Tochter AWS im Rahmen eines Mietmodells weitergenutzt werden.
Externe Finanzierung für Rechenzentren
Die betroffenen Grace-Blackwell-Halbleiter befinden sich nach den Berichten in mehr als einem Dutzend Rechenzentren. Diese verteilen sich auf fünf US-Bundesstaaten, zu denen Virginia und Nevada gehören. Externe Investoren könnten bis zu 10 Prozent der Anteile an der Finanzierungsgesellschaft übernehmen, während der Rest über Schuldtitel finanziert werden soll.
Weder Amazon noch Nvidia haben die Transaktion bislang offiziell bestätigt. Die Überlegungen spiegeln jedoch den wachsenden Druck auf die Bilanzen der großen Hyperscaler wider. Für das Gesamtjahr 2026 werden Amazons Investitionsausgaben (CapEx) auf rund 220 Milliarden US-Dollar veranschlagt, wobei der Großteil auf den Ausbau der Cloud- und Rechenkapazitäten entfällt.
Durch das Mietmodell bliebe die Hardware physisch an ihren Standorten im AWS-Verbund, während die Finanzierungslasten anteilig außerhalb der Konzernbilanz abgebildet werden könnten. Parallel dazu reagiert der Konzern auf steigende Betriebskosten mit Anpassungen im Angebot für Unternehmenskunden.
Regulierung und anstehende Quartalszahlen
Neben den massiven Investitionen in künftige Rechenleistung belasten juristische Altlasten die Liquidität. Am 1. Oktober starteten automatische Auszahlungen im Rahmen eines 2,5 Milliarden US-Dollar schweren FTC-Vergleichs. Diese Vereinbarung umfasst 1,5 Milliarden US-Dollar an Verbrauchererstattungen sowie eine Zivilstrafe von 1 Milliarde US-Dollar, wobei Amazon ein Fehlverhalten weiterhin bestreitet.
Für die strategische Ausrichtung von AWS spielt zudem das Verhältnis zu den Kommunen an den Rechenzentrumsstandorten eine wachsende Rolle. AWS-Chef Matt Garman erklärte am Samstag, das Unternehmen verzichte bei neuen Projekten mit Behörden auf Geheimhaltungsvereinbarungen, um Bedenken bezüglich Transparenz und Ressourcenverbrauch zu begegnen.
Klarheit über die tatsächliche Belastung der Ertragskraft erwarten Marktteilnehmer von den anstehenden Geschäftszahlen. Amazon wird seine Ergebnisse für das dritte Quartal voraussichtlich um den 29. Oktober vorlegen. Anleger achten dabei besonders auf das Zusammenspiel zwischen den Investitionsausgaben und der operativen Marge der Cloud-Sparte.
An der Börse ging die Amazon-Aktie am Freitag mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 223,40 Euro aus dem Handel. Das Papier notiert damit rund 10 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 249,00 Euro. Der weitere Kursverlauf dürfte maßgeblich davon abhängen, ob das Cloud-Wachstum die hohen Infrastrukturkosten rechtfertigt.
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