Alibaba treibt seine technologische Neuausrichtung mit Nachdruck voran, sieht sich an den Finanzmärkten jedoch wachsenden Bedenken bezüglich der Kapitaldisziplin gegenüber. Am Freitag ging die Aktie bei 94,00 Euro aus dem Handel, was einem Tagesverlust von 1,6 Prozent entsprach. Damit notiert das Papier 17 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt.
Die Zurückhaltung der Anleger fällt in eine Phase weitreichender strategischer Ankündigungen. Der Konzern versucht, sich im weltweiten Wettbewerb um Zukunftstechnologien an vorderster Front zu behaupten, fordert damit aber die Geduld des Marktes heraus.
Rechenleistung und weltweite Kapazitäten
Auf der Apsara-Konferenz am 22. September stellte CEO Eddie Wu den neuen Beschleuniger Zhenwu V900 für KI-Anwendungen vor. Das System liefert nach Unternehmensangaben die dreifache Leistung im Vergleich zum Vorgängermodell. Wu umriss zudem Pläne für ein Qwen-Modell mit 5 bis 10 Billionen Parametern.
Flankiert wird die Modellentwicklung von einem massiven Ausbau der physischen Infrastruktur. Bis zum Jahr 2032 strebt der Konzern eine weltweite Rechenzentrumskapazität von mehr als 20 Gigawatt an. Zudem plant Alibaba Cloud laut Medienberichten, innerhalb der kommenden zwölf Monate neue Rechenzentrumsregionen in der Türkei, in Finnland und den Niederlanden in Betrieb zu nehmen.
Hohe Investitionen belasten freien Mittelzufluss
Dieser forcierte Ausbau hinterlässt Spuren in der Finanzplanung. Das Analysehaus Daiwa bestätigte am Dienstag seine Einstufung mit „Buy“ und beließ das Kursziel bei 180 HK$. Die Experten betonten nach dem Besuch der Yunqi-Konferenz, dass sich die Zuversicht hinsichtlich der künftigen Cloud-Erlöse gefestigt habe. Gleichzeitig merkten sie an, dass die aggressiveren Pläne für die Recheninfrastruktur Finanzierungsunsicherheiten schaffen.
Tatsächlich belasten die hohen Aufwendungen für KI-Hardware Medienberichten zufolge den freien Cashflow. Auf der Hauptversammlung am 22. September billigten die Anteilseigner daher ein Mandat, das dem Management die Ausgabe oder den Weiterverkauf von Stammaktien im Umfang von bis zu 10 Prozent des Kapitals erlaubt.
Für Bestandsaktionäre birgt ein solcher Schritt das Risiko einer Verwässerung, wenngleich zeitgleich ein Rahmen für Aktienrückkäufe von ebenfalls bis zu 10 Prozent genehmigt wurde.
Juristische Risiken und Auslandspartnerschaft
Erschwert wird das Marktumfeld durch juristische Auseinandersetzungen in den USA. Im Rahmen einer Wertpapier-Sammelklage endet am 5. Oktober die Frist zur Beantragung der Führungsrolle für geschädigte Investoren. Die Vorwürfe betreffen angebliche Verbindungen zum chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnik, Risiken bezüglich einer US-Einstufung als chinesisches Militärunternehmen sowie Fragen zur Modellentwicklung.
Ungeachtet dieser Herausforderungen sucht der Konzern internationale Sichtbarkeit für seine Plattformen. Am 28. September vereinbarte Alibaba eine mehrjährige Partnerschaft mit Brooklyn Sports & Entertainment. Als offizieller Technologie- und Cloud-Partner der Brooklyn Nets soll die Technologie des Konzerns unter anderem 360-Grad-Wiederholungen in Echtzeit im Barclays Center ermöglichen.
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