Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
ein Kurssturz von 24 Prozent an einem einzigen Handelstag. Eine gestrichene Dividende. Gewinnwarnungen und milliardenschwere Abschreibungen. Auf den ersten Blick präsentiert sich Stellantis als Paradebeispiel für ein Investment, das Anleger tunlichst meiden sollten. Doch genau hier offenbart sich eine der spannendsten Gelegenheiten des Jahres 2026.
Die Reaktion der Börse auf das Management-Update vom 6. Februar war brutal. Stellantis-Aktien verloren innerhalb weniger Stunden ein Viertel ihres Wertes. Was nach einem klassischen Warnsignal aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als lehrbuchmäßige Überreaktion. Die Erwartungen wurden auf ein Minimum heruntergeschraubt. Von dieser niedrigen Basis aus wird selbst moderate operative Verbesserung zu signifikanten Kursbewegungen führen.
Die Fallhöhe macht die Chance
Der Chrysler-Mutterkonzern steht zweifellos vor enormen Herausforderungen. Das Zahlenwerk vom Februar offenbarte Einmalbelastungen von 22 Milliarden Euro. Diese Summe setzt sich zusammen aus Abschreibungen auf Elektrofahrzeug-Assets und garantiebezogenen Rückstellungen. Zusätzlich kündigte das Unternehmen an, dass der operative Gewinn für das zweite Halbjahr 2025 unterhalb der Prognosen liegen wird.
Die Dividende für 2026 entfällt vollständig. Zur Stärkung der Bilanz emittierte Stellantis Wandelanleihen im Volumen von fünf Milliarden Euro. Diese Nachrichtenlawine löste Panik an den Märkten aus. Anleger befürchten eine klassische Wertvernichtungsfalle – ein Unternehmen in einem permanenten Cash-Burn-Zyklus.
Doch diese Sichtweise übersieht fundamentale Zusammenhänge der Automobilindustrie. Das Geschäftsmodell eines Fahrzeugherstellers ist kein Mysterium. Wer die richtigen Produkte zur richtigen Zeit an die Händler liefert, erwirtschaftet Gewinne. Stellantis beherrscht dieses Handwerk grundsätzlich. Die jüngsten Probleme resultieren aus operativen Fehlentscheidungen, nicht aus strukturellen Defiziten.
Vom Höhenflug zum Sturzflug
Die Historie zeigt das Potenzial deutlich. Stellantis entstand 2021 aus der Fusion von Fiat Chrysler und PSA Groupe. Der damalige CEO Carlos Tavares galt als Genie der Automobilbranche. Er schuf einen globalen Top-5-Hersteller mit Marken wie Jeep, Ram, Citroën, Peugeot und Maserati.
Die Zahlen der Anfangsjahre beeindruckten die Investorenwelt. 2022 und 2023 erwirtschaftete Stellantis jeweils rund 25 Milliarden Dollar operativen Gewinn. Die operative Marge erreichte 13 Prozent. Zum Vergleich: General Motors kam im gleichen Zeitraum nur auf acht Prozent.
Unter der glänzenden Oberfläche braute sich jedoch ein Sturm zusammen. Händler ärgerten sich über Produktentscheidungen und überfüllte Lager. Die Profitabilität brach 2024 auf unter zehn Milliarden Dollar ein. 2025 erodierten die Gewinne nahezu vollständig. Tavares verließ das Unternehmen im Dezember 2024.
Rückkehr zu den Wurzeln
Die Aufgabe des neuen CEO Antonio Filosa gleicht der legendären Mission von Lee Iacocca. Der Chrysler-Chef der 1980er Jahre rettete den Konzern mit einer einfachen Formel: „Im Automobilgeschäft kommt das Produkt zuerst. Das Produkt hat Chrysler zurück zum Wohlstand gebracht.“
Filosa folgt exakt dieser Philosophie. Ende 2025 kündigte er Investitionen von 13 Milliarden Dollar in den US-Markt an. Fünf neue Fahrzeugmodelle sollen die Wende einleiten. Diese Strategie adressiert den Kern der aktuellen Probleme: veraltete Produktpalette und mangelnde Marktrelevanz.
Nordamerika generiert rund 40 Prozent des Stellantis-Umsatzes. Europa folgt knapp dahinter. Südamerika steuert etwa zehn Prozent bei. Der US-Markt bleibt das Herzstück der Profitabilität. Hier liegt der Schlüssel zum Turnaround.
Dividendenkürzungen als Kaufsignal
Die gestrichene Ausschüttung schockierte konservative Aktionäre. Historische Daten zeichnen jedoch ein anderes Bild. Unternehmen, die ihre Dividende streichen, entwickeln sich in den folgenden ein bis zwei Jahren überdurchschnittlich. Die Logik dahinter ist simpel: Die Messlatte liegt am Boden. Jede Verbesserung übertrifft die Erwartungen.
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Das Management nutzte die Gelegenheit für einen kompletten Neustart. Alle denkbaren negativen Faktoren wurden in das Februar-Update gepackt. Dieser Ansatz schafft Luft für positive Überraschungen in den kommenden Quartalen. Die Gewinnprognosen für 2026 und 2027 dürften sequenzielle Verbesserungen zeigen.
Neue Produkte werden den US-Marktanteil stabilisieren. Die operative Hebelwirkung steigt mit jedem zusätzlich verkauften Fahrzeug. Die vollständigen Zahlen für 2025 erscheinen am 26. Februar. Das erste Quartal 2026 folgt im April. Der Investorentag im Mai wird die mittelfristige Strategie konkretisieren.
Bewertung auf Krisenniveau
Stellantis notiert derzeit zum 0,15-fachen des Jahresumsatzes. Ford Motor handelt zum 0,3-fachen, General Motors zum 0,4-fachen. Diese Diskrepanz ist historisch beispiellos. Üblicherweise bewegt sich Stellantis bei 85 Prozent der durchschnittlichen Bewertung von Ford und GM. Aktuell sind es gerade einmal 44 Prozent – der tiefste Stand der vergangenen fünf Jahre.
Eine Normalisierung auf nur 50 Prozent des historischen Durchschnitts würde einen Aktienkurs von 14 Dollar bedeuten. Das entspricht einer Verdoppelung vom aktuellen Niveau bei 7,62 Dollar. Analysten sehen kurzfristigere Kursziele bei 10,70 Dollar – ein Potenzial von 40 Prozent.
Diese Szenarien erfordern keine operative Meisterleistung. Basale Geschäftsausführung genügt. Die extremen Bewertungsabschläge reflektieren eine Krisensituation, die möglicherweise bereits ihren Höhepunkt erreicht hat.
Risikofaktoren im Blick behalten
Natürlich existieren substanzielle Risiken. Die Konsumausgaben amerikanischer Verbraucher schwanken zyklisch. 2025 wurden in den USA 16,7 Millionen Fahrzeuge verkauft – das beste Jahr seit 2019. Europäer kauften 13,3 Millionen Autos, ein Plus von drei Prozent. Prognosen erwarten für 2026 stabile Volumina auf beiden Kontinenten.
Die größte Bedrohung kommt aus China. Chinesische Hersteller drängen aggressiv nach Europa. BYD überholte Tesla 2025 erstmals als weltgrößter Produzent batterieelektrischer Fahrzeuge. In Europa verkaufte BYD 188.000 Einheiten – ein Anstieg von 269 Prozent. Der Marktanteil wuchs von 0,4 auf 1,4 Prozent.
Diese Expansion wird weitergehen. Allerdings bleibt Nordamerika vorerst von chinesischer Konkurrenz verschont. Genau dort erzielt Stellantis traditionell den Großteil seiner Profite. Das Unternehmen hat Zeit, die Wende zu schaffen.
Die Ausgangslage für den Neustart
Das neue Management steht unter enormem Druck. Die Erwartungen könnten kaum niedriger sein. Diese Konstellation schafft paradoxerweise ideale Voraussetzungen. Jede positive Entwicklung wird überproportional honoriert. Die technische Verfassung der Aktie deutet auf eine Bodenbildung hin. Das erhöhte Handelsvolumen während des Crashs spricht dafür, dass schwache Hände ausgestiegen sind.
Stellantis handelt 48 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Die Risiko-Rendite-Relation erscheint attraktiv. Ein Rückgang unter 6,75 Dollar würde die These invalidieren. Das Potenzial für eine Erholung in Richtung zehn Dollar in der zweiten Jahreshälfte bleibt intakt.
Diese Situation erinnert an klassische Turnaround-Kandidaten der Vergangenheit. Unternehmen mit soliden Assets, temporären Problemen und extremen Bewertungsabschlägen bieten überdurchschnittliche Renditemöglichkeiten. Die Automobilindustrie mag zyklisch sein. Doch etablierte Hersteller mit globaler Reichweite verschwinden selten.
Fazit: Mut wird belohnt
Die Stellantis-Aktie bietet eine klassische contrarian-Gelegenheit. Der Markt hat überreagiert. Die Bewertung reflektiert ein Worst-Case-Szenario. Das Management hat die Erwartungen auf ein Minimum gesenkt. Von dieser Basis aus können selbst bescheidene Fortschritte zu signifikanten Kursbewegungen führen.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Turnaround Traktion gewinnt. Die fundamentalen Voraussetzungen stimmen. Die Bewertung bietet erheblichen Sicherheitspuffer. Anleger, die Volatilität ertragen können, finden hier eine der spannendsten Wetten auf operative Verbesserung.
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