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SAP stürzt ab: Das Ende der Software-Giganten?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

ein Minus von 16 Prozent an einem einzigen Handelstag. Für SAP war der 29. Januar 2026 der schwärzeste Börsentag seit über fünf Jahren. Was auf den ersten Blick wie eine Überreaktion nervöser Anleger aussieht, offenbart bei genauerer Betrachtung eine fundamentale Verunsicherung. Die Frage, die derzeit die Märkte umtreibt, lautet nicht mehr nur, wie schnell SAP seine Cloud-Transformation vorantreibt. Sie lautet vielmehr: Kann das Geschäftsmodell traditioneller Enterprise-Software-Anbieter im Zeitalter künstlicher Intelligenz überhaupt noch Bestand haben?

Der verfehlte Meilenstein und seine Folgen

Die Zahlen zum vierten Quartal 2025 waren eigentlich solide. Der Umsatz lag bei 9,68 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 1,62 Euro. Beide Werte übertrafen die Analystenerwartungen. Doch an der Börse zählen nicht nur absolute Zahlen, sondern vor allem die Signale, die sie für die Zukunft senden. Und hier liegt das Problem.

Der sogenannte Current Cloud Backlog, der die in den kommenden zwölf Monaten zu verbuchenden Cloud-Umsätze abbildet, wuchs im vierten Quartal lediglich um 16 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro. Rechnet man Währungseffekte heraus, waren es 25 Prozent. Das klingt nach solidem Wachstum, doch CEO Christian Klein hatte im Oktober noch eine klare Marke gesetzt. 26 Prozent Wachstum wären ein großartiges Ergebnis gewesen. 25 Prozent bezeichnete er als Enttäuschung. Mit anderen Worten: SAP hat nach eigener Maßgabe enttäuscht.

Für Anleger war diese Verfehlung des selbst gesteckten Ziels ein Alarmsignal. In einem Marktumfeld, in dem die Bewertungen von Software-Aktien ohnehin unter Druck stehen, genügte diese Schwäche, um massive Gewinnmitnahmen auszulösen. Der Aktienkurs fiel zeitweise auf 164,86 Euro, nachdem er erst im vergangenen Jahr ein Allzeithoch erreicht hatte.

Die KI-Angst geht um

Hinter dem Kurseinbruch steht mehr als nur eine verfehlte Quartalszahl. Die gesamte Enterprise-Software-Branche kämpft derzeit mit einer grundlegenden Verunsicherung. Das Aufkommen generativer künstlicher Intelligenz und KI-gestützter Programmiertools hat eine Debatte entfacht, die an den Grundfesten der Branche rüttelt. Wenn KI-Systeme in der Lage sind, maßgeschneiderte Softwarelösungen zu entwickeln, brauchen Unternehmen dann überhaupt noch die teuren Standardlösungen von SAP?

Analysten sehen in den jüngsten Entwicklungen eine Bestätigung ihrer Sorgen. Die Befürchtung, dass KI alternative Anwendungen schaffen könnte, die etablierte Enterprise-Software verdrängen, dominiert die Diskussion. In diesem nervösen Umfeld hätte SAP einen deutlichen Beat bei den Cloud-Zahlen gebraucht, um die Skepsis zu zerstreuen. Stattdessen lieferte das Unternehmen genau die Munition, die Zweifler benötigten.

CEO Christian Klein versuchte auf der Analystenkonferenz gegenzusteuern. Seine Botschaft war eindeutig: SAP gewinne Deals wegen KI, verliere keine wegen KI. Large Language Models allein könnten für viele Anwendungsfälle nicht zuverlässig eingesetzt werden. Der entscheidende Vorteil von SAP liege im Zugang zu den zugrunde liegenden Geschäftsdaten der Kunden. Theoretisch schlüssig, praktisch jedoch nur bedingt überzeugend für einen Markt, der konkrete Beweise sehen will.

Geopolitik bremst das Geschäft

Ein weiterer Faktor, der die Ergebnisse belastete, liegt außerhalb des direkten Einflussbereichs von SAP. Die geopolitischen Spannungen der vergangenen Monate haben sich spürbar auf das Geschäft ausgewirkt. Verhandlungen mit potenziellen Kunden dauern länger. Unternehmen fragen vermehrt nach möglichen Sanktionen, Exportbeschränkungen und neuen Regulierungen, bevor sie Verträge unterzeichnen.

CFO Dominik Asam bestätigte, dass sich einige Deals im vierten Quartal verzögert haben. Diese Verschiebungen seien eine Reflexion der weltweiten Unsicherheit, keine Frage mangelnder Nachfrage, betonte Klein. Für Anleger ist diese Erklärung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet sie eine plausible externe Begründung für die Schwäche. Andererseits wirft sie die Frage auf, wie lange diese Unsicherheit anhalten wird und ob SAP seine Wachstumsziele unter diesen Bedingungen überhaupt erreichen kann.

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Der Ausblick und seine Tücken

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 prognostiziert SAP Cloud-Umsätze zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro zu konstanten Wechselkursen. Das entspricht einem Wachstum von mindestens 23 Prozent. Auf den ersten Blick ambitioniert, im Detail jedoch enttäuschend. Der Mittelpunkt der Spanne liegt nur knapp über den Analystenerwartungen von 26 Milliarden Euro.

Noch problematischer ist die implizite Verlangsamung. Der Ausblick für den Current Cloud Backlog deutet auf eine leichte Abschwächung gegenüber dem vierten Quartal hin. Analysten interpretieren dies als Signal, dass die Erwartungen für diese wichtige Kennzahl weiter sinken könnten. In einem Umfeld, in dem Wachstumsbeschleunigung die Währung ist, mit der Software-Aktien bewertet werden, ist Verlangsamung Gift.

Die Cloud-Transformation und ihre Herausforderungen

SAP befindet sich seit 2020 in einem tiefgreifenden Wandel. Unter der Führung von Christian Klein hat das Unternehmen den Schwenk von lokalen Softwarelizenzen zu Cloud-Abonnements vollzogen. Diese Strategie wurde von Investoren lange Zeit bejubelt. Cloud-Verträge generieren wiederkehrende Umsätze, höhere Margen und engere Kundenbindungen. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Kunde steigen, wenn Unternehmen von On-Premise-Servern in die Cloud migrieren.

Doch die Transformation hat ihren Preis. SAP hat angekündigt, die meiste Unterstützung für seine Hauptproduktlinie im On-Premise-Bereich Ende 2027 einzustellen. Eine erweiterte Wartungsoption endet 2030. Die Umsätze aus Software-Support werden schneller zurückgehen, je mehr Kunden in die Cloud wechseln. Dieser Übergangsprozess schafft temporäre Belastungen, die durch das Cloud-Wachstum kompensiert werden müssen.

Aktienrückkäufe als Vertrauenssignal

Parallel zu den Quartalszahlen kündigte SAP ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 10 Milliarden Euro an. Das Programm läuft von Februar 2026 bis Ende 2027. Für Anleger ist dies ein klares Signal des Managements: Wir halten unsere Aktie für unterbewertet und vertrauen in die langfristige Entwicklung des Unternehmens.

Aktienrückkäufe können kurzfristig stützend wirken und die Bewertungskennzahlen durch die Verringerung der ausstehenden Aktien verbessern. Sie sind jedoch kein Ersatz für organisches Wachstum. In der aktuellen Situation wirkt das Rückkaufprogramm eher wie ein Versuch, Vertrauen zu signalisieren, als eine fundamentale Lösung für die strategischen Herausforderungen.

Was Anleger jetzt wissen müssen

Der Kurseinbruch bei SAP ist mehr als nur eine Reaktion auf verfehlte Quartalsziele. Er spiegelt eine fundamentale Unsicherheit wider, wie sich die Enterprise-Software-Branche in der Ära der künstlichen Intelligenz entwickeln wird. SAP steht exemplarisch für die Frage, ob etablierte Geschäftsmodelle robust genug sind, um den technologischen Umbruch zu überstehen.

Die nächsten Quartale werden zeigen müssen, ob Klein mit seiner Einschätzung richtig liegt, dass SAP von KI profitiert statt bedroht zu werden. Die geopolitischen Unsicherheiten dürften mittelfristig ein Belastungsfaktor bleiben. Die Verlangsamung beim Cloud Backlog muss gestoppt werden, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.

Europas wertvollstes Software-Unternehmen steht an einem Scheideweg. Die Cloud-Transformation ist noch nicht abgeschlossen, die KI-Revolution stellt neue Fragen, und die Weltpolitik schafft zusätzliche Hürden. Wie SAP diese Herausforderungen meistert, wird nicht nur über den Aktienkurs entscheiden, sondern möglicherweise über die Zukunft der gesamten Branche. Ein vermeintlich solider Quartalsbericht kann eben einen Kursrutsch von 16 Prozent auslösen, wenn tieferliegende Kräfte die Märkte umtreiben.

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