Nebius Group gerät in Independence, Missouri, unter politischen Druck. Die Wähler des ersten Bezirks der Stadt haben am Dienstag mit 68 Prozent der Stimmen den Stadtrat John Perkins abgewählt – eine direkte Reaktion auf sein Votum für Steuervergünstigungen zugunsten des rund 150 Milliarden Dollar teuren Nebius-Rechenzentrumsprojekts. Perkins ist bereits der dritte von fünf Befürwortern der Steueranreize, der sein Amt verliert.
Steuerbefreiung sorgt für Unmut
Der Stadtrat hatte im März für eine 90-prozentige Steuerbefreiung für das geplante Rechenzentrum gestimmt. Eine Petition mit 190 Seiten Unterschriften brachte die Abberufungswahl ins Rollen. Die Abwahl wird nach der offiziellen Zertifizierung wirksam; da die nächste regulär angesetzte Wahl erst im April 2028 stattfindet, muss eine Sonderwahl den Sitz neu besetzen.
Für Nebius bedeutet die Entwicklung, dass die kommunale Rückendeckung für eines seiner größten US-Investitionsprojekte politisch fragiler wird, als es die ursprüngliche Abstimmung vermuten ließ.
Finanzierung und Aktienkurs unter Beobachtung
Der politische Widerstand trifft Nebius zu einem Zeitpunkt, in dem das Unternehmen frisches Kapital für seinen Expansionskurs mobilisiert. Am Mittwoch vergangener Woche schloss der Konzern die Platzierung von wandelbaren Senior Notes über insgesamt 5,75 Milliarden Dollar in zwei Tranchen ab – seither hat die Aktie rund 6,9 Prozent verloren. Die Kapitalaufnahme soll den weiteren Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten finanzieren, zu denen auch das Projekt in Missouri zählt.
Am heutigen Mittwoch notiert die Nebius-Aktie bei 168,14 Euro und verliert damit 2,4 Prozent. Der Titel liegt inzwischen rund 36 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro, das Ende Juni markiert wurde. Der Rücksetzer relativiert sich allerdings vor dem Hintergrund der Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate, in denen sich das Papier nahezu verdreifacht hat.
Wachstum bleibt Treiber, Risiken nehmen zu
Operativ liefert Nebius weiterhin starke Zahlen: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 454 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 582,3 Millionen Dollar. Diese Wachstumsdynamik ist der Grund, warum Analysten dem Unternehmen trotz der jüngsten Kursverluste überwiegend positiv gegenüberstehen – die Einschätzungen bewegen sich mehrheitlich im Bereich einer moderaten Kaufempfehlung.
Der Fall Independence zeigt jedoch, dass der rasante Ausbau von KI-Rechenzentren nicht überall auf ungeteilte Zustimmung stößt. Kommunen, die milliardenschweren Infrastrukturprojekten großzügige Steuervorteile einräumen, geraten zunehmend unter Druck lokaler Wählerschaften.
Für Investoren in Nebius wird damit ein neuer Risikofaktor sichtbar: Die Verlässlichkeit kommunaler Standortzusagen für Rechenzentrumsprojekte in den USA ist nicht mehr selbstverständlich, selbst wenn die zugrundeliegenden Wachstumszahlen des Unternehmens weiterhin überzeugen.
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