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Symbolbild, KI-generiert

Sensorik statt Stahl, Software statt Hardware: Wohin das Geld jetzt wandert

Telekom beziffert KI-Einsparungen, Hensoldt erhält ein Jefferies-Kaufvotum, während Schneider Electric PTC übernimmt und Bayer US-Ausbaupläne nennt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Telekom plant 2,5 Milliarden Euro Einsparungen
  • Jefferies stuft Hensoldt auf Kaufen hoch
  • Schneider Electric übernimmt PTC für 22,6 Milliarden Dollar
  • Bayer kündigt US-Investition von 2,2 Milliarden Dollar an

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Notenbanken haben den Börsen vorerst nichts Neues mehr zu erzählen. Die Fed-Zinserhöhung im Oktober ist nach dem schwachen US-Jobbericht vom Freitag praktisch vom Tisch.

Die Musik spielte stattdessen auf der Unternehmensseite. Die Deutsche Telekom bezifferte am Montag erstmals konkret, wie viel Künstliche Intelligenz an Kosten sparen soll. Jefferies kürte Hensoldt zum neuen Favoriten der deutschen Rüstungsbranche.

Schneider Electric legte 22,6 Milliarden Dollar für den Softwareanbieter PTC auf den Tisch, und Bayer verlagert für 2,2 Milliarden Dollar Pharmaproduktion in die USA. Meine These: Bei den Notenbanken ist das meiste eingepreist, über die Kurse entscheiden jetzt wieder Investitionspläne, Übernahmen und Prognoseanhebungen.

Deutsche Telekom: 2,5 Milliarden Euro KI-Ersparnis, und der Markt zuckt kaum

Die Telekom liefert harte KI-Zahlen, die Aktie bleibt trotzdem liegen. Beim KI-Investorentag in Bonn nannte Konzernchef Timotheus Höttges am Montag erstmals konkrete Ziele. Die indirekten Kosten im Konzern sollen bis 2030 um rund 2,5 Milliarden Euro gegenüber 2023 sinken.

Für 2027 ist bereits eine Bruttoeinsparung von 1,1 Milliarden Euro eingeplant, rund 300 Millionen mehr als zuvor angekündigt. Parallel soll der KI-Umsatz mit Unternehmenskunden außerhalb der USA von etwa 250 Millionen Euro in diesem Jahr auf 800 Millionen Euro bis 2030 mehr als verdreifacht werden.

Der operative Beleg ist handfest: In den USA sind die Kundenservice-Anrufe um 55 Prozent gesunken, 40 Prozent der Kontakte laufen bereits über KI-Agenten. Der Chatbot „Frag Magenta“ übernahm im ersten Halbjahr 2,6 Millionen Anrufe.

Die Analysten reagierten wohlwollend, aber ohne Euphorie. Goldman Sachs bestätigte „Buy“, senkte das Kursziel aber von 40 auf 38 Euro und lobte die höheren Sparziele. Berenberg bleibt bei Kaufen mit 35,20 Euro und hält die KI-Sorgen rund um Telekom-Werte für übertrieben.

Bernstein verharrt bei „Market-Perform“ mit 28,10 Euro. Die Telekom-Aktie notiert am Dienstagmorgen bei 26,87 Euro, praktisch unverändert zum Montagsschluss, und damit weit unter dem Februar-Hoch von 34,35 Euro.

Jahres- und Mittelfristprognose wurden bestätigt. Die eigentliche Botschaft für Anleger lautet anders: Die Telekom definiert sich als KI-Anwender, nicht als KI-Opfer.

Dass Teile der Einsparungen in den deutschen Glasfaserausbau fließen und EU-Staaten laut Reuters auf mehr Zeit beim Austausch chinesischer Netztechnik von Huawei und ZTE drängen, verschiebt den Investitionsdruck zusätzlich nach hinten. Für einen Wert, der seit Jahresbeginn gut 3 Prozent im Minus liegt, ist das Rückenwind ohne Kurssprung.

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Rüstung: Hensoldt löst Rheinmetall als Analystenliebling ab

Die Kursdivergenz im deutschen Rüstungssektor hat am Montag einen neuen Höhepunkt erreicht. Jefferies stufte Hensoldt von „Hold“ auf „Buy“ hoch und bestätigte das Kursziel von 98 Euro.

Analyst Ben Brown argumentiert, Hensoldt übertreffe die für 2026 implizierten Prognosewerte bereits und biete einen stabileren mittelfristigen Ausblick als die Konkurrenz. Er erwartet ein EBIT-Wachstum von über 20 Prozent über 2030 hinaus und eine Prognoseanhebung. Zuvor hatten bereits Bank of America (Ziel 94 Euro) und Kepler Cheuvreux (90 Euro) zum Kauf geraten.

Das Fundament trägt. Im ersten Halbjahr hat sich der Auftragseingang auf 2,81 Milliarden Euro verdoppelt, der Umsatz legte um 23,6 Prozent zu. Dazu kam am Montag die politische Komponente: Kanzler Merz reiste mit einer Milliarde Euro Militärhilfe nach Kiew. In der Wirtschaftsdelegation saß Hensoldt, nicht Rheinmetall und nicht Renk. Kiew schloss mit dem Sensorikspezialisten einen Vertrag über Satellitentechnik.

Die Hensoldt-Aktie notiert am Dienstagmorgen bei 84,62 Euro und liegt seit Jahresbeginn rund 15 Prozent vorn. Rheinmetall (992,40 Euro) hat im selben Zeitraum 36 Prozent verloren, Renk (37,63 Euro) 30 Prozent. Renk markierte erst am Donnerstag ein 52-Wochen-Tief bei 36,20 Euro.

Bemerkenswert sind die Insiderkäufe bei Rheinmetall. Eine dem Aufsichtsrat Andreas Georgi zugeordnete Stiftung kaufte am Freitag Aktien für knapp 239.000 Euro zu durchschnittlich 954,83 Euro. Der Rheinmetall-Vorstandschef investierte um die 950 Euro rund eine halbe Million.

Der Haken bei Hensoldt ist der Preis. Mit einem geschätzten KGV von 52,6 für 2026 ist die Aktie deutlich teurer als Rheinmetall mit rund 21 auf Zwölfmonatssicht. Wer jetzt umschichtet, zahlt für Stabilität einen hohen Aufschlag. Der strukturelle Hintergrund spricht allerdings dafür, dass die Divergenz zwischen Sensorik und klassischer Panzertechnik anhält.

Die Wertschöpfung wandert von Hardware zu Software, Sensorik und Datenanalyse, wie das Wachstum der Digitalsparten bei Palantir, Thales und Leonardo zeigt und wie der 1,8-Milliarden-Dollar-Auftrag der US-Armee an Anduril vom Montag unterstreicht. Den nächsten Anlass zur Neubewertung liefert Hensoldts Kapitalmarkttag im November.

Schneider und Bayer: Zwei Konzerne kaufen sich Zukunft, die Börse winkt ab

Die größte Übernahme des Zeitraums kam am Montag aus Frankreich. Schneider Electric übernimmt den US-Softwareanbieter PTC in bar für 22,6 Milliarden Dollar. PTC sprang darauf um 34 Prozent auf 172 Euro, während Schneider am Montag kräftig unter Druck geriet.

Am Dienstagmorgen notiert die Schneider-Aktie bei 275,85 Euro und damit rund 12 Prozent unter ihrem August-Hoch von 313,15 Euro. Pikant: Deutsche Bank Research hatte am selben Tag das Kursziel von 320 auf 325 Euro angehoben und die Aussagen aus einer Telefonrunde vor den Quartalszahlen als „ermutigend“ bezeichnet.

Der Markt hält den Deal also zunächst für teuer, die klassische Reaktion auf einen Hardware-Konzern, der sich Software kauft. Für Anleger im Elektrotechnik- und Automatisierungssektor ist die Transaktion gleichwohl ein Signal, dass die Konsolidierung in der Industriesoftware beginnt.

Ein zweiter Deal am Montag passt ins Bild der wiederbelebten Übernahmefantasie: Der Logistiker C.H. Robinson übernimmt den Transportbroker RXO für 5,8 Milliarden Dollar.

Auch Bayer bindet Kapital für die lange Frist. Am Freitagabend kündigte der Leverkusener Konzern an, 2,2 Milliarden Dollar (rund 1,95 Milliarden Euro) in einen neuen Pharmastandort in New Albany, Ohio, zu investieren.

Geplant sind rund 600 feste Arbeitsplätze, der Produktionsstart für Wirkstoffe 2031 und für Fertigarzneimittel 2034. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Ende September traten US-Zölle auf importierte Medikamente in Kraft, dazu kommt der Preisdruck der Trump-Regierung. Bayer reagiert mit Lokalisierung.

Der US-Anteil am weltweiten Pharmaumsatz von Bayer ist seit 2018 von 20 auf 35 Prozent gestiegen. Bis Ende des Jahrzehnts will der Konzern den US-Umsatz mit verschreibungspflichtigen Arzneien mindestens verdoppeln, getragen von Kerendia, Nubeqa und Asundexian. In den vergangenen fünf Jahren flossen laut Konzernchef Bill Anderson bereits über 7 Milliarden Dollar in US-Forschung und -Produktion.

Die Bayer-Aktie notiert am Dienstagmorgen bei 44,31 Euro. Nach einem Zwölfmonatsplus von 56 Prozent hat sie in den vergangenen 30 Tagen rund 9 Prozent abgegeben und liegt klar unter dem Juli-Hoch von 53,86 Euro. Die Investition ist Kapitalbindung mit Rendite erst im nächsten Jahrzehnt. Kurzfristig treibt sie den Kurs nicht, aber sie sichert den wichtigsten Pharmamarkt gegen handelspolitische Risiken ab, was der Markt bislang nicht honoriert.

New York feiert die Investitionswelle, Paris drückt den Euro

Diesseits und jenseits des Atlantiks setzen gerade zwei völlig verschiedene Kräfte die Preise. An der Wall Street ist es die Berichtssaison. Die Nasdaq schloss am Montag zum 23. Mal in diesem Jahr auf Rekordniveau, der Nasdaq 100 markierte bei 31.076 Punkten ein Allzeithoch.

Der S&P 500 liegt nur noch knapp unter seiner Bestmarke vom August. Analysten erwarten für die S&P-500-Unternehmen im dritten Quartal einen Gewinnsprung von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nvidia stieg um 2,1 Prozent auf einen Rekord und nähert sich mit 5,76 Billionen Dollar Börsenwert der Sechs-Billionen-Marke. Morgan Stanley bestätigte Nvidia als Top-Pick mit Kursziel 300 Dollar, nachdem der Konzern Ende September ein Aktienrückkaufprogramm über 150 Milliarden Dollar beschlossen hatte.

Microsoft erreichte ebenfalls ein Allzeithoch, Melius Research stufte auf „Buy“ hoch mit Ziel 665 Dollar. Die These: Sicherheits- und Datenschutzbedenken rund um KI machen Microsoft zum sicheren Hafen für Unternehmens-KI. SpaceX legte am Montag fast 8 Prozent zu, nachdem Morgan Stanley die Aktie mit Ziel 300 Dollar als „cheap“ eingestuft hatte.

Die Zahl, die den Zyklus trägt, kommt von Wells Fargo. Die acht größten Cloud-Konzerne dürften 2027 rund 1,3 Billionen Dollar investieren, etwa 3,7 Prozent des prognostizierten US-BIP. Solange diese Investitionswelle läuft, sind Zehnjahresrenditen von über 5 Prozent für den Markt offenbar verkraftbar.

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Der Risikohinweis für diese Woche: Samsung und SK Hynix gaben am Dienstag vor ihren vorläufigen Quartalszahlen nach. Die ersten echten Q3-Daten aus der Lieferkette entscheiden, ob der Konsens von 30 Prozent Gewinnwachstum hält.

In Europa dagegen regiert die Politik. Der Euro fiel am Montag unter 1,12 Dollar auf den tiefsten Stand seit Mai 2025, über fünf Cent unter dem Niveau von Mitte August. Dass die Euro-Inflation im September auf 3,8 Prozent und damit ein Dreijahreshoch gestiegen ist, half der Gemeinschaftswährung nicht.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane signalisierte am Montag eine maßvolle Reaktion, die Inflation ohne Energie liegt bei 2,3 Prozent. Zweitrundeneffekte sieht auch Bundesbankchef Nagel nicht. Der Markt rechnet mit einer Zinspause Ende Oktober und einem Schritt auf 2,75 Prozent im Dezember. Die LBBW erwartet den Einlagensatz-Peak bei 3,00 Prozent Ende des ersten Quartals 2027.

Die eigentliche Belastung ist fiskalisch-politisch. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen kletterte am Montag auf fast 4,92 Prozent, der Abstand zu Bundesanleihen weitete sich auf rund 146 Basispunkte. Frankreichs Schuldenquote liegt nahe 120 Prozent, der Budgetentwurf 2027 verspricht nur eine Defizitsenkung von 5,4 auf 5,0 Prozent des BIP.

Dazu kommen Neuwahlen in Spanien am 29. November. Die Helaba sieht beim Euro Abwärtspotenzial bis 1,10 Dollar. Für Anleger mit Peripherie-Anleihen oder französischen Bankaktien ist das Spread-Risiko wieder real, für Exporteure im DAX ist es ein stiller Rückenwind, der in den Q3-Zahlen noch kaum sichtbar sein wird.

MDAX vor der Berichtssaison: MLP hebt an, Kion enttäuscht in der Vorschau

Zwei deutsche Nebenwerte lieferten am Montag Vorzeichen für die Berichtssaison. MLP erhöhte die EBIT-Prognose für 2026 von 100–110 auf 110–120 Millionen Euro. Treiber sind Erfolgsvergütungen der Tochter FERI, die im dritten Quartal auf rund 21 Millionen Euro sprangen, nach 2,8 Millionen im Vorjahresquartal.

NuWays hob die eigene Schätzung auf 123 Millionen Euro und bestätigte „Buy“ mit Ziel 14 Euro. Die MLP-Aktie markierte am Dienstag bei 10,72 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch und liegt seit Jahresbeginn 55 Prozent vorn.

Das Gegenbild liefert Kion. Deutsche Bank Research senkte das Ziel von 63 auf 60 Euro und nannte die Aussagen aus der Telefonrunde vor Quartalsschluss „enttäuschend“, mwb research kürzte von 55 auf 51 Euro.

Erwartet wird für Q3 ein bereinigtes EBIT-Plus von 10 Prozent auf rund 209 Millionen Euro bei einem um 20 bis 25 Prozent sinkenden Nettogewinn. Das Automatisierungsgeschäft (IAS) trägt, die Flurförderzeuge (ITS) drücken die Marge. Beide Häuser bleiben dennoch bei „Buy“.

Mit einem KGV von 8 für 2027 und einer Free-Cashflow-Rendite von rund 13 Prozent ist die Kion-Aktie bei 35,60 Euro tief bewertet, die Auftragsdynamik bleibt aber gedämpft. Für Sixt bestätigte die Deutsche Bank vor den Q3-Zahlen „Buy“ mit Ziel 89 Euro und erwartet eine starke Mittelmeer-Hochsaison.

Das große Bild

Die Trennlinie verläuft quer durch die Sektoren, nicht zwischen ihnen. Wer KI anwendet (Telekom), Sensorik statt Stahl liefert (Hensoldt) oder Software zukauft (Schneider), bekommt die Aufmerksamkeit der Analysten.

Wer in zyklischer Hardware steckt (Kion, Rheinmetall, Renk), muss sich über die Bewertung verkaufen. Möglich wird diese Sortierung, weil die Notenbanken als Kursfaktor vorerst ausfallen: Fed-Pause im Oktober, EZB-Pause Ende Oktober, beide Schritte im Dezember sind eingepreist.

Heute stehen die ADP-Beschäftigungsdaten und Fed-Gouverneurin Bowman an. Im Wochenverlauf folgen die vorläufigen Zahlen von Samsung, der erste harte Test für den 30-Prozent-Gewinnkonsens, bevor die Berichtssaison richtig beginnt.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.