Erst der Kampfjet, jetzt womöglich der Kampfpanzer: Beim deutsch-französischen Projekt MGCS, dem geplanten Leopard-Nachfolger, wachsen die Zweifel. Für Rheinmetall kommt die Unsicherheit zur Unzeit. Die Aktie notiert nahe ihrem Jahrestief.
MGCS: Streit um den Ausstieg
Frankreichs Generalstabschef hatte von einem Ausstieg Berlins gesprochen. Verteidigungsminister Boris Pistorius und seine Pariser Amtskollegin widersprechen. Offen bleibt, ob beide Länder künftig tatsächlich gemeinsam einen Kampfpanzer bauen. Die Debatte erinnert an das Kampfjet-Projekt FCAS, das schon im Sommer ins Stocken geraten war.
Berenberg streicht die Kaufempfehlung
Zusätzlich belastet eine Abstufung. Berenberg senkte Rheinmetall von „Buy“ auf „Hold“ und das Kursziel von 1.600 auf 1.020 Euro. Analyst George McWhirter verweist auf Unsicherheiten bei den mittelfristigen Wachstumsperspektiven. Es brauche deutlich mehr Aufträge, damit das Geschäft auch über 2030 hinaus wachse.
Die Bank rechnet für 2030 mit einem Konzernumsatz von 37,6 Milliarden Euro. Der Marktkonsens liegt bei 41,0 Milliarden. Besonders die Sparte Waffen und Munition steht im Blick: Für ihren Umsatz 2030 ist bislang nur ein Bruchteil vertraglich gesichert, die Nachfrage nach Artilleriemunition danach ist unklar. Immerhin räumt Berenberg ein, dass der Kursrückgang seit Jahresbeginn manches davon schon eingepreist haben könnte.
Die Aktie gab am Freitag zeitweise rund 1 Prozent nach und fiel auf bis zu 920,80 Euro. Das Jahrestief liegt bei 900,20 Euro. Vom Rekordhoch im Oktober 2025 bei rund 2.000 Euro hat der Titel mehr als die Hälfte eingebüßt.
Gegenstimmen aus dem Analystenlager
Das Bild ist nicht einheitlich. Bernstein bleibt bei „Outperform“ und einem Kursziel von 1.200 Euro. Die Deutsche Bank hält an ihrer Kaufempfehlung fest und sieht den Wert bei 1.800 Euro. Operativ läuft es: Der Umsatz wuchs im ersten Halbjahr 2026 um 39 Prozent, der Auftragsbestand ist hoch. Der Kurs spiegelt dennoch die Sorge, ob die Wachstumsgeschichte nach 2030 trägt.
Der nächste konkrete Prüfstein sind die Quartalszahlen am 5. November. Bestätigt der Konzern dort seine Jahresziele, dürfte das den Skeptikern zumindest kurzfristig Argumente nehmen.
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