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Im Bild: Dieter Jaworski
Interviewmit Dieter Jaworski

Lyten: Eine Drohnenbatterie füllt keine Gigafactory

Analyst Dieter Jaworski sieht Patente als Lyten-Stärke, bewertet die Werke jedoch als Kapitalrisiko ohne qualifizierte Kundenzellen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kundenlieferungen frühestens Anfang 2027
  • Requalifizierung verschiebt den geplanten Start
  • Übernahme des Revolt-Recyclingstandorts vollzogen
  • Verteidigungsnachfrage trägt die Fabrik nicht allein

Im früheren Northvolt-Werk in Skellefteå laufen Testbetrieb und Rekrutierung. Ausgeliefert wird frühestens Anfang 2027, seit Lyten Mitte September die Kundenzellen wegen einer notwendigen Requalifizierung aus der zweiten Jahreshälfte 2026 herausgenommen hat.

Den Recyclingstandort Revolt hat das Unternehmen übernommen, das Gelände in Heide ist dagegen noch nicht unter Dach und Fach. Dieter Jaworski misst Hardware-Geschichten gern daran, was ein Kunde am Ende tatsächlich dafür bezahlt, und genau diese Frage stellt sich bei Lyten schärfer als bei den meisten.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Angenommen, die Requalifizierung läuft glatt und im ersten Quartal 2027 gehen die ersten Zellen aus Skellefteå an Kunden. Ist Lytens Wettbewerbsvorteil dann bewiesen?

Dieter Jaworski: Dann wäre ein Etappenziel erreicht. Mehr nicht. Eine requalifizierte Zelle beweist, dass das Werk funktioniert und Lyten eine Linie hochfahren kann, die vorher einem anderen gehört hat. Ein Burggraben ist etwas anderes, nämlich die Fähigkeit, Kunden zu halten und Preise durchzusetzen, auch wenn ein Wettbewerber billiger anbietet.

Davon sehe ich bislang nichts. Wechselkosten für Kunden sind in diesem frühen Stadium nicht erkennbar. Eine unabhängige Bestätigung der Zyklenlebensdauer im Produktionsmaßstab ist öffentlich nicht dokumentiert.

Einen Börsenkurs gibt es noch nicht. Die Annahme, die Investoren in Lyten hineinlegen, kann man trotzdem gut ablesen. Sie lautet, dass die Lithium-Schwefel-Zelle in der Fabrik hält, was sie im Labor verspricht. Die erste Kundenlieferung ist dafür eine notwendige Bedingung. Hinreichend ist sie nicht.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie unterschätzen das geistige Eigentum. Über 1.100 erteilte oder angemeldete Patente, eine der führenden Positionen außerhalb Chinas laut Fraunhofer ISI. Wo soll ein Nachahmer da durchkommen?

Dieter Jaworski: Wie viele Patente Lyten hält, beeindruckt mich weniger als die Frage, wer wegen dieser Patente mehr bezahlt. Die Position selbst erkenne ich an. Das sogenannte Sulfur Caging setzt an genau der Schwachstelle an, an der Lithium-Schwefel jahrzehntelang gescheitert ist.

Gemeint ist das Abwandern von Schwefelverbindungen innerhalb der Zelle, das die Lebensdauer frisst. Wenn das im Großmaßstab gelöst ist, hat Lyten tatsächlich etwas, das andere nicht haben. Ein Patent schützt allerdings eine Idee. Eine Marge schützt es erst, wenn der Kunde keine gleichwertige Alternative findet.

Im Batteriemarkt findet er die fast immer, nur eben mit einer anderen Chemie. Beim Rohstoffvorteil sehe ich es ähnlich. Schwefel ist ein billiges Nebenprodukt, und die Anoden und Kathoden kommen aus den USA. Das senkt Kosten und Lieferrisiko. Bei begrenzter Preissetzungsmacht wandert so ein Kostenvorteil aber gern zum Kunden weiter, statt in der eigenen Bilanz zu bleiben.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Northvolt ist mit genau diesen Werken gescheitert. Warum sollte es Lyten anders ergehen?

Dieter Jaworski: Ehrlich gesagt weiß das heute niemand, Lyten eingeschlossen. Günstig gekaufte Hallen machen aus einem schwierigen Hochlauf keinen leichten. Ein Werk, das schon einen Eigentümer überfordert hat, verdient beim zweiten erst einmal Misstrauen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Rund 16 Gigawattstunden sind in Schweden operativ, über 100 sind das Ziel. Was ist diese Kapazität wert, wenn die Nachfrage nach Elektroautos lahmt?

Dieter Jaworski: Für mich hängt das an der Kapitalrendite, also daran, wie viel Gewinn ein Unternehmen auf das Kapital erwirtschaftet, das in seinen Anlagen steckt. Hier liegt Lytens bester Punkt. Die Northvolt-Werke kamen zu einem Bruchteil der Neubaukosten ins Haus.

Eine niedrige Kapitalbasis macht es leichter, später eine ordentliche Rendite zu zeigen. Nur rentiert sich eine Halle ohne qualifizierte Kundenzellen überhaupt nicht. Seit dem Wegfall der US-Kaufprämie für Elektroautos Ende September 2025 ist die Massennachfrage, auf die eine Fabrik dieser Größe angewiesen ist, wackliger geworden.

Die Verteidigung wirkt robuster, mit Drohnen, Abwehrprogrammen und den NDAA-Vorgaben, die in den USA gefertigte Batterien ohne kritische Mineralien begünstigen. Eine Drohnenbatterie füllt aber keine Gigafactory.

Meine Bedingung ist deshalb schlicht. Die Kapazität zählt für mich erst dann, wenn die 16 Gigawattstunden mit qualifizierten Kundenzellen ausgelastet laufen und die Verteidigungsnische nicht der einzige nennenswerte Abnehmer ist. Bis dahin ist sie gebundenes Kapital mit Optionswert.

Kapitalmarktexperten Redaktion: „Eine Drohnenbatterie füllt keine Gigafactory“, sagen Sie. Genau die Verteidigung ist aber die Nachfrage, die nicht wegbricht, wenn der Autozyklus dreht. Werfen Sie damit nicht ausgerechnet Lytens stabilsten Pfeiler weg?

Dieter Jaworski: Da ist was dran. Wenn ich nach einem Geschäftsteil suche, der eine Rezession übersteht, dann ist es dieser. Militärische Beschaffer zahlen für Ausdauer und Herkunft, und mit den NDAA-Regeln entsteht hier so etwas wie ein Schutz, den ich im Autogeschäft vermisse.

Das Problem ist die Proportion. Lyten hat sich mit den Northvolt-Standorten eine Kostenbasis für den Massenmarkt ins Haus geholt. Ein stabiler, aber schmaler Kanal trägt die Fixkosten einer großen Fabrik nicht.

Wo ich falsch liegen könnte, kann ich ziemlich genau benennen. Sollte ein unabhängiger Prüfer Zyklenlebensdauer und Coulomb-Effizienz, also den Anteil der eingespeisten Ladung, den die Zelle wieder abgibt, im Produktionsmaßstab bestätigen, würde sich etwas verschieben.

Wenn daraufhin ein Industrie- oder Netzspeicherkunde mehrjährige Abnahmen zusagt, gebe ich meine Skepsis bei der Preissetzungsmacht auf. Dann hätte Lyten Wechselkosten geschaffen, und zwar über die Nische hinaus. Danach sieht es im Moment noch nicht aus.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie machen den Wert der Kapazität daran fest, dass die 16 Gigawattstunden mit qualifizierten Kundenzellen ausgelastet laufen und die Verteidigungsnische nicht der einzige Abnehmer bleibt. Was folgt daraus für Ihr Urteil über die Qualität dieses Geschäfts heute?

Dieter Jaworski: Heute kann ich Lyten keine Qualität im eigentlichen Sinn attestieren, weil keiner der Prüfsteine bestanden ist. Das Wertvollste im Haus sind die Patente. Das Riskanteste sind die Werke, und die wiegen bei mir schwerer, weil sie Kapital binden, ob die Chemie nun liefert oder nicht.

Die Rückenwinde aus China, Washington und dem Verteidigungsetat sind willkommen. Einen Burggraben bauen sie Lyten aber nicht, sie verlängern höchstens die Zeit, bis einer stehen muss. Ich sehe hier eine Technologiewette mit einer billig gekauften Fabrik daneben. Wer darin ein Qualitätsgeschäft sieht, nimmt das Ergebnis von 2027 schon vorweg.

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Diskussion zu Lyten

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.