Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
der KI-Boom hat viele Gewinner hervorgebracht. Nvidia steht für Chips, Microsoft für Cloud-Software, Amazon für Rechenkapazitäten. Doch wer baut eigentlich die physische Infrastruktur, auf der all diese Dienste laufen? Wer fertigt die Server, die Netzwerkkomponenten und Speichersysteme, die in riesigen Rechenzentren rund um die Uhr arbeiten? Genau hier kommt Celestica ins Spiel.
Das kanadische Unternehmen liefert hochkomplexe Hardware für Rechenzentren weltweit. Es fertigt Serversysteme, Speicherlösungen und Netzwerkkomponenten für die größten Hyperscaler der Welt. Hyperscaler sind Konzerne, die Cloud-Infrastruktur in einem gigantischen Maßstab betreiben, also Microsoft Azure, Amazon Web Services oder Google Cloud. Ohne Celesticas Produkte würden viele der modernen KI-Anwendungen schlicht nicht funktionieren. Das Unternehmen ist damit kein Profiteur des KI-Hypes, sondern ein stiller Nutznießer der KI-Infrastrukturausgaben.
Starke Zahlen, böse Überraschung am Markt
Das erste Quartal 2026 lief für Celestica ausgesprochen gut. Der Umsatz erreichte 4,05 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,16 Dollar und übertraf die Erwartungen um 0,08 Dollar. Der freie Cashflow wuchs um 47 Prozent auf 138 Millionen Dollar. Gleichzeitig hob das Unternehmen seine Jahresprognose erheblich an: Statt der bislang geplanten 17 Milliarden Dollar rechnet Celestica für 2026 nun mit einem Umsatz von 19 Milliarden Dollar.
Die Reaktion der Märkte war trotzdem ernüchternd. Nach Bekanntgabe der Zahlen fiel die Aktie um 14 Prozent. Marktbeobachter werten diesen Rückgang als klassisches „Sell the News“-Phänomen. Die Aktie hatte in den zwölf Monaten zuvor bereits rund 347 Prozent zugelegt. Viele Anleger nutzten die guten Nachrichten als Ausstiegsgelegenheit. Inzwischen hat sich der Kurs wieder erholt und notiert bei etwa 420 Dollar.
Das Cloud-Segment als Wachstumsmotor
Im Zentrum des Celestica-Geschäftsmodells steht das sogenannte CCS-Segment. CCS steht für Connectivity and Cloud Solutions. Dieser Bereich liefert Rechenzentrums-Hardware direkt an Hyperscaler und übernimmt dabei Design, Fertigung und das gesamte Lieferkettenmanagement für hochkomplexe Komponenten. Es geht also nicht um einfache Massenware, sondern um maßgefertigte Lösungen für anspruchsvolle KI-Infrastruktur.
Im ersten Quartal 2026 erzielte das CCS-Segment einen Umsatz von 3,2 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dieser Bereich macht mittlerweile 80 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das zweite Standbein, das ATS-Segment (Advanced Technology Solutions), trug 806 Millionen Dollar bei. Dort fertigt Celestica spezialisierte Hardware wie Kommunikationsgeräte, Navigationssysteme und optische Ausrichtungssysteme. Das Wachstum stagnierte in diesem Bereich jedoch bei null Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Unterschied zwischen den beiden Segmenten zeigt klar, wo die Zukunft von Celestica liegt: im Rechenzentrum.
KI-Investitionen auf Rekordhoch
Warum ist die Nachfrage nach CCS-Produkten so stark? Die Antwort liegt in den Investitionsplänen der großen Technologiekonzerne. Nach Schätzungen von Mitsubishi UFJ werden die fünf größten Hyperscaler ihre Kapitalausgaben im Jahr 2026 um 36 Prozent auf über 600 Milliarden Dollar steigern. Kapitalausgaben, auf Englisch „Capital Expenditures“ oder kurz CapEx, bezeichnen Investitionen in langlebige Vermögensgüter wie Rechenzentren, Server oder Netzwerkinfrastruktur. Die Hälfte dieser Summe entfällt auf Oracle, Meta, Microsoft, Alphabet und Amazon.
Diese Milliarden fließen in neue Rechenzentren, Serveranlagen und Netzwerkinfrastruktur. Celestica ist direkt in dieser Lieferkette positioniert. Je mehr die Hyperscaler ausgeben, desto mehr Aufträge landen bei Celestica. Das Geschäftsmodell funktioniert als Hebel auf den Infrastrukturaufschwung: nicht so volatil wie Chip-Hersteller, aber deutlich direkter am Wachstum beteiligt als Softwareunternehmen.
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Für 2026 plant Celestica selbst Investitionen von 1,0 Milliarden Dollar in die eigene Kapazitätserweiterung. Das zeigt, dass das Management von der Nachhaltigkeit des Wachstums überzeugt ist und entsprechend handelt.
Bewertung und Kurspotenzial
Celestica notiert aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 28 auf Basis der für 2026 erwarteten Gewinne. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beschreibt, wie oft der aktuelle Jahresgewinn im Börsenwert des Unternehmens enthalten ist. Ein KGV von 28 bedeutet, dass Anleger bereit sind, das 28-fache des Jahresgewinns zu zahlen. Historisch lag das KGV von Celestica bei etwa 12. Der deutlich höhere aktuelle Wert spiegelt die veränderte Wachstumsdynamik wider.
Für ein Unternehmen mit 76-prozentigem Segmentwachstum und steigendem freiem Cashflow erscheint ein KGV von 28 vertretbar. Für 2027 wird ein Gewinn je Aktie von etwa 15,02 Dollar erwartet. Legt man ein KGV von 30 bis 32 zugrunde, ergibt sich ein fairer Wert von 451 bis 480 Dollar je Aktie. Gegenüber dem aktuellen Kurs von rund 420 Dollar entspräche das einem Aufwärtspotenzial von bis zu 14 Prozent.
Die Risiken im Blick
Ein Investment in Celestica ist kein risikofreies Unterfangen. Das Unternehmen ist in hohem Maße von der Investitionsbereitschaft der Hyperscaler abhängig. Sollte die Nachfrage nach KI-Diensten hinter den Erwartungen zurückbleiben, würden die CapEx-Ausgaben der Kunden sinken. Das würde Celestica unmittelbar treffen.
Hinzu kommt die Konzentration auf ein einziges Segment. 80 Prozent des Umsatzes stammen aus dem CCS-Bereich. Wenn dieses Geschäft unter Druck gerät, gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten. Das ATS-Segment wächst derzeit nicht und bietet keinen Ausgleich. Zudem hängt die aktuelle Bewertung stark an der Erwartung, dass der KI-Investitionszyklus weiter anhält. Sollte sich diese Überzeugung ändern, wäre eine schnelle Neubewertung der Aktie möglich.
Was das Paradox erklärt
Der Kurseinbruch nach guten Zahlen ist kein Zeichen von Schwäche. Er ist ein typisches Marktphänomen bei Aktien, die in kurzer Zeit sehr stark gestiegen sind. Anleger, die bereits seit einem Jahr dabei sind und 347 Prozent im Plus liegen, nehmen bei positiven Ereignissen gerne Gewinne mit. Das treibt den Kurs kurzfristig nach unten, sagt aber nichts über die fundamentale Qualität des Unternehmens aus.
Fundamental hat sich an der Geschichte von Celestica nichts geändert. Umsatz, Gewinn und Cashflow wachsen. Die Prognose wurde angehoben. Die Investitionen der Kunden nehmen zu. Der Kurs hat sich bereits wieder erholt. Das eigentliche Signal liegt nicht im Kurseinbruch, sondern in der schnellen Erholung. Der Markt hat das Unternehmen innerhalb kurzer Zeit wieder auf den Ausgangskurs zurückgebracht.
Infrastruktur schlägt Hype
Celestica ist kein Hype-Unternehmen. Es ist ein profitabler Zulieferer, der konkrete Hardware für den Aufbau der KI-Infrastruktur liefert. Das Geschäftsmodell ist kapitalintensiv, die Margen sind nicht spektakulär. Dafür ist die Nachfrage strukturell verankert und nicht von kurzfristigen Stimmungen abhängig. Solange die großen Technologiekonzerne weiter in Rechenzentren investieren, wächst Celestica mit.
Wer in den KI-Boom investieren möchte, muss nicht zwingend die teuersten Namen kaufen. Ein Unternehmen wie Celestica, das im Hintergrund die eigentliche Arbeit erledigt, kann langfristig mindestens ebenso attraktiv sein wie der vordergründige KI-Gewinner.
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