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Alphabet: Aktie steigt und wird trotzdem immer günstiger

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

an den Finanzmärkten gibt es eine Paradoxie, die selbst erfahrene Anleger immer wieder überrascht: Eine Aktie steigt um mehrere Prozent, und dennoch ist sie anschließend günstiger bewertet als zuvor. Genau das ist Alphabet nach den Q1-Ergebnissen für 2026 passiert. Der Kurs schoss nach den Quartalszahlen nach oben. Gleichzeitig verbesserten sich die fundamentalen Kennzahlen so deutlich, dass die Bewertung auf Basis der revidierten Gewinnschätzungen sogar gesunken ist. Wer das versteht, begreift, warum diese Quartalszahlen für Alphabet-Aktionäre weit mehr bedeuten als ein kurzfristiger Kursimpuls.

Ein Quartalsbericht, der Erwartungen übertrifft

Alphabet meldete für das erste Quartal 2026 einen Gesamtumsatz, der sowohl beim Ergebnis je Aktie als auch beim Umsatz über den Analystenerwartungen lag. Dieses sogenannte Double-Beat-Ergebnis war in seiner Stärke bemerkenswert. Besonders das Kernsegment Google Search & Other überzeugte. Der Umsatz belief sich auf 60,4 Milliarden US-Dollar, ein Wachstum von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren hatte Alphabet im Suchgeschäft typischerweise Wachstumsraten im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich erzielt. Ein Sprung auf 19 Prozent stellt daher eine erhebliche Beschleunigung dar.

Sundar Pichai, der Vorstandsvorsitzende von Alphabet, erläuterte, dass sogenannte KI-Erlebnisse die Nutzung und die Suchanfragen auf ein Allzeithoch getrieben haben. Das ist eine zentrale Aussage. Denn der meistdiskutierte Risikofaktor für Alphabet war in den vergangenen Jahren die These, dass große Sprachmodelle das klassische Suchgeschäft kannibalisieren könnten. Diese Befürchtung verliert angesichts der aktuellen Zahlen erheblich an Gewicht. Statt einer Disruption zeigen die Daten das Gegenteil: KI stärkt das Suchgeschäft, anstatt es zu untergraben.

Google Cloud: Wachstum auf einem neuen Niveau

Noch beeindruckender als das Suchgeschäft entwickelte sich Google Cloud. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 63 Prozent. Wichtiger als die aktuelle Wachstumsrate ist jedoch der Auftragsbestand, der sogenannte Backlog. Dieser hat sich gegenüber dem Vorquartal mehr als verdoppelt und liegt nun bei über 460 Milliarden US-Dollar. Das ist keine abstrakte Zahl. Dieser Backlog entspricht vertraglich gesichertem, zukünftigem Umsatz. Er zeigt, dass Unternehmen weltweit langfristige Verpflichtungen gegenüber der Google-Cloud-Infrastruktur eingehen.

Gleichzeitig hat Google Cloud die Gewinnschwelle nicht nur erreicht, sondern ist dabei, sich zu einem profitablen Wachstumstreiber zu entwickeln. Im ersten Quartal erzielte das Segment ein operatives Ergebnis von mehr als 6,5 Milliarden US-Dollar bei einem Quartalsumsatz von über 20 Milliarden Dollar. Die operative Marge des Gesamtkonzerns lag bei 36 Prozent. Das zeigt, dass das massive Investitionsprogramm in KI-Infrastruktur nicht auf Kosten der Rentabilität geht, sondern parallel zu ihr wächst.

Ein weiterer Indikator für die KI-Stärke des Unternehmens: Die Anzahl der verarbeiteten Token pro Minute überstieg die Marke von 16 Milliarden, ein Plus von 60 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Alphabet ist damit nicht nur ein Anbieter von Cloud-Rechenleistung, sondern ein ernstzunehmender Akteur im KI-Rennen.

Das Ökosystem: Mehr als Suche und Cloud

Was Alphabet langfristig von vielen Technologiekonzernen unterscheidet, ist die Breite des Geschäftsmodells. Das Unternehmen verfügt über mehrere voneinander unabhängige, aber miteinander verknüpfte Ertragssäulen. Das Werbegeschäft umfasst Google Search, Google Maps und YouTube Ads. Im Abonnementbereich finden sich YouTube Premium, Google One, Gemini AI-Pläne sowie Google Play. Hinzu kommt Android als Betriebssystembasis für Milliarden von Geräten weltweit.

Im ersten Quartal wuchsen die Abonnementumsätze ebenfalls um 19 Prozent im Jahresvergleich. YouTube Ads legten um 11 Prozent zu. Lediglich das Netzwerksegment zeigte mit einem Rückgang von rund 4 Prozent Schwäche, was jedoch seit Längerem bekannt und in den Erwartungen eingepreist war.

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Besondere Aufmerksamkeit verdient Waymo, Alphabets autonomes Fahrzeug-Tochterunternehmen. Waymo erreichte im ersten Quartal 500.000 autonome Fahrten pro Woche. Dieses Geschäftsfeld wird von Analysten und Investoren bislang kaum in der Bewertung von Alphabet berücksichtigt. Das autonome Fahren adressiert langfristig einen der größten Märkte überhaupt. Waymo befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und hat den reinen Pilotbetrieb hinter sich gelassen.

Darüber hinaus hält Alphabet Beteiligungen an Unternehmen wie SpaceX und Anthropic. Diese Positionen wurden im ersten Quartal durch Bewertungsgewinne sichtbar: Der Posten „Gain on equity securities“ belief sich auf 36,9 Milliarden US-Dollar. Auch wenn diese Gewinne einmaliger Natur sind und nicht zum operativen Kerngeschäft zählen, unterstreichen sie die Qualität des Portfolios, das Alphabet im Laufe der Jahre aufgebaut hat.

Warum die Aktie nach dem Kurssprung günstiger ist

An dieser Stelle wird das eingangs erwähnte Paradoxon verständlich. Nach den Quartalszahlen haben Marktteilnehmer ihre Prognosen für Alphabets künftige Ergebnisse nach oben revidiert. Für das Suchgeschäft wurden die Wachstumserwartungen angehoben. Für Google Cloud wurden die Schätzungen aufgrund des beschleunigten Wachstums und des enormen Backlogs noch deutlicher nach oben korrigiert. Die operative Marge wird künftig ebenfalls höher eingeschätzt.

Das Ergebnis dieser Revisionen: Die Bewertungsrelationen auf Basis der neuen Schätzungen sind trotz des gestiegenen Aktienkurses günstiger als zuvor. Für 2027 ergibt sich auf Basis der revidierten Schätzungen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 25. Das Kurs-Betriebsgewinn-Verhältnis für 2027 liegt bei etwa 23, für 2030 bei rund 15,5. Zum Vergleich: Vor den Quartalsergebnissen waren diese Multiples trotz eines damals niedrigeren Börsenwerts höher, weil die Gewinne weniger stark erwartet wurden.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 liegt mit knapp 29 über dem historischen Fünfjahresdurchschnitt von rund 23. Eine gewisse Bewertungsprämie ist damit vorhanden. Diese erscheint jedoch gerechtfertigt, wenn man die Wachstumsbeschleunigung in den zwei größten Segmenten, die Margenausweitung und die nicht eingepreisten Optionalitäten wie Waymo in die Betrachtung einbezieht.

Was die Zahlen für Anleger bedeuten

Alphabet hat mit dem Q1-Bericht für 2026 gezeigt, dass das Kerngeschäft wächst, das Zukunftsgeschäft profitabel wird und die KI-Strategie Früchte trägt. Die These, dass Sprachmodelle das Suchgeschäft gefährden, hat durch diese Ergebnisse einen erheblichen Rückschlag erlitten. Stattdessen zeigt sich: Google nutzt KI als Wachstumsbeschleuniger im eigenen Ökosystem.

Der Cloud-Backlog von 460 Milliarden Dollar ist kein Versprechen, sondern ein vertraglich gesicherter Ausblick. Die Marge von 36 Prozent auf Konzernebene zeigt, dass das Unternehmen trotz massiver Investitionen in KI-Infrastruktur effizient wirtschaftet. Und Waymo liefert eine langfristige Optionalität, die im aktuellen Kurs weitgehend unberücksichtigt bleibt.

Für Anleger, die Alphabet bereits im Depot halten, liefern die Quartalszahlen eine fundierte Bestätigung der Investitionsthese. Für diejenigen, die die Aktie bislang gemieden haben, zeigt der Bericht, warum das Unternehmen trotz einer Marktkapitalisierung von rund vier Billionen Dollar weiterhin als strukturelles Wachstumsunternehmen einzustufen ist.

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Carsten Müller

Senior Kapitalmarktanalyst & Finanzpublizist

Expertise: Fundamentalanalyse globaler Kapitalmärkte | Zukunftstechnologien | Strategische Asset-Allokation

Profil

Mit drei Jahrzehnten Kapitalmarkterfahrung gehört Carsten Müller zu den führenden Finanzanalysten im deutschsprachigen Raum. Der Berliner Kapitalmarktexperte verfügt über fundierte Kenntnisse in der Bewertung internationaler Aktien- und Anleihemärkte und hat sich insbesondere auf die Identifikation langfristiger Megatrends spezialisiert.

Seine Analysemethodik basiert auf einem bewährten Zweisäulenmodell: Fundamentale Unternehmensanalyse kombiniert mit präzisen Timing-Strategien. Dieser integrative Ansatz ermöglicht es ihm, strukturelle Wachstumschancen frühzeitig zu identifizieren und optimal zu nutzen.

Berufliche Stationen

Nach seinem Einstieg in die Finanzbranche bei der n-tv Telebörse prägte er maßgeblich die redaktionelle Ausrichtung führender Börsenpublikationen. Als Chefredakteur und Herausgeber verantwortet er heute mehrere Fachpublikationen, darunter den renommierten Börsendienst "Future Money", der sich auf disruptive Technologien und deren Kapitalmarktpotenzial fokussiert.

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  • Strukturelle Wachstumstrends und Megatrends
  • Technologieaktien und Innovationsführer
  • Zinsentwicklung und Anleihestrategie
  • Portfoliooptimierung für langfristigen Vermögensaufbau
  • KI, Cybersecurity und digitale Transformation

Publikationsformate

Neben seiner analytischen Tätigkeit vermittelt Carsten Müller Kapitalmarktwissen in verschiedenen Formaten. Sein Podcast "Papa, erklär mal Börse" überbrückt generationenübergreifend die Kluft zwischen komplexer Finanztheorie und praktischer Anwendung. Diese Kombination aus tiefgreifender Expertise und verständlicher Kommunikation macht ihn zu einem gefragten Experten für institutionelle und private Anleger.