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Oracle Aktie: Gasleitung verschiebt sich bis Februar 2027

Die verschobene Fertigstellung der Gasleitung bremst das Energieprojekt für Oracles KI-Rechenzentrum. Zusätzlich senkt JPMorgan das Kursziel und es drohen Stellenstreichungen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kursverlust von 2,5 Prozent
  • Gasleitung erst im Februar 2027
  • JPMorgan senkt Oracle-Kursziel
  • Cloud-Partnerschaften mit AWS und Quantinuum

Oracle-Aktionäre mussten am Montag einen Kursrückgang von 2,5 Prozent verkraften. Auslöser war eine Verzögerung beim Energieprojekt, das den Rechenzentrums-Komplex „Project Jupiter“ in New Mexico mit Strom versorgen soll. Laut einer Regulierungsmitteilung der Transwestern Pipeline, einer Tochter von Energy Transfer, verschiebt sich die Fertigstellung der Gasleitung „Green Chile Project“ um sechs Monate vom 15. August auf den 1. Februar 2027.

Infrastruktur als Nadelöhr für die KI-Wette

Die Verzögerung trifft einen wunden Punkt: Oracle hat seine Zukunft eng an den Ausbau von KI-Rechenzentren geknüpft, und Project Jupiter gilt als eines der zentralen Vorhaben in diesem Bereich. Bleibt die Energieversorgung aus, verzögert sich auch die Inbetriebnahme der Anlage – ein Risiko, das Investoren angesichts der ohnehin hohen Investitionslast des Konzerns genau beobachten.

Zusätzlichen Gegenwind lieferte eine Kürzung des Kursziels durch JPMorgan. Analyst Samik Chatterjee senkte das Kursziel am Montag von 210 auf 200 Dollar, beließ die Einstufung jedoch bei Overweight. Die Anpassung fällt zeitlich mit der Pipeline-Meldung zusammen und dürfte die Kursreaktion mit verstärkt haben.

Parallel dazu berichten Medien von einer neuen Runde an Stellenkürzungen, die Oracle offenbar noch im August plant. Einzelne Teams sollen zweistellige prozentuale Einschnitte hinnehmen, Führungskräfte seien bereits angewiesen worden, betroffene Mitarbeiter vor Beginn des zweiten Geschäftsquartals am 1. September zu benennen. Das Unternehmen selbst hat sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert.

Positive Nachrichten aus dem Cloud-Geschäft

Dem stehen mehrere operative Fortschritte gegenüber, die Oracle in den vergangenen Tagen selbst verkündet hat. Am Donnerstag gab der Konzern die allgemeine Verfügbarkeit des Oracle Exadata Database Service auf der Exascale-Infrastruktur im Rahmen von Oracle AI Database@AWS bekannt und erweiterte die strategische Zusammenarbeit mit Amazon Web Services, um Kunden den Umstieg zu erleichtern. Der Dienst steht mittlerweile in 22 AWS-Regionen zur Verfügung.

Zudem verkündete Oracle eine mehrjährige Partnerschaft mit dem Quantencomputing-Anbieter Quantinuum, um Quantentechnologie in die Oracle Cloud Infrastructure zu integrieren. Auch bei generativer KI bleibt der Konzern vorn dabei: OCI Enterprise AI bietet seit Kurzem als einer der ersten Cloud-Anbieter das Modell Nemotron 3.5 Lightning von Nvidia an.

Diese Fortschritte ändern jedoch nichts an der grundsätzlichen Frage, ob Oracle sein aggressives Investitionstempo aufrechterhalten kann, ohne bei der physischen Infrastruktur ins Straucheln zu geraten. Der Konzern hatte zuletzt für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 eine Auftragsreserve (RPO) von 638 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 85 Milliarden Dollar.

Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres stellte Oracle ein Umsatzwachstum von 27 bis 29 Prozent sowie ein Cloud-Wachstum von 58 bis 64 Prozent in Aussicht – Zahlen, die die Erwartungen an eine reibungslose Infrastrukturhochfahrt entsprechend hoch ansetzen.

Kurs unter dem 50-Tage-Durchschnitt

Der Kursrückgang vom Montag drückte die Aktie mit einem Schlusskurs von 126,68 Euro leicht unter ihren 50-Tage-Durchschnitt von 129,60 Euro. Das Papier bewegt sich damit weiterhin in einer Zone, in der jede negative Infrastruktur- oder Analystenmeldung unmittelbar auf den Kurs durchschlägt.

Ob die Verzögerung bei der Gaspipeline nur eine kurzfristige Störung bleibt oder den Zeitplan für Project Jupiter grundlegend verschiebt, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.