Startseite » Aktien » Nel ASA Aktie: Warum der Auftragsbestand über die nächsten Monate entscheidet
Symbolbild, KI-generiert

Nel ASA Aktie: Warum der Auftragsbestand über die nächsten Monate entscheidet

Nel ASA verzeichnete im zweiten Quartal deutlich mehr Bestellungen, doch Umsatz und EBITDA sanken. Der Oktober-Bericht soll die Umsetzung zeigen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Auftragseingang stieg um 224 Prozent
  • Umsatz und EBITDA gingen zurück
  • CEO-Nachfolge bleibt weiterhin ungeklärt
  • Quartalsbericht am 21. Oktober erwartet

Ausgangslage

Nel ASA steckt in einer Phase, in der Anleger zwei offene Baustellen gleichzeitig im Blick behalten müssen: die Suche nach einem neuen Vorstandschef und die Frage, ob sich der zuletzt kräftig gestiegene Auftragseingang tatsächlich in Umsatz und Ergebnis übersetzt.

Håkon Volldal hatte im Juni angekündigt, sein Amt als CEO niederzulegen, um sich einer anderen beruflichen Aufgabe zu widmen. Er bleibt während einer sechsmonatigen Kündigungsfrist im Amt, während die Nachfolgersuche läuft. Ein konkretes Datum für die Berufung eines Nachfolgers liegt bislang nicht vor.

Parallel dazu zeigt der Aktienkurs Schwäche: Mit 0,1930 Euro notiert das Papier rund 47 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom 25. Mai und liegt sowohl unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,1995 Euro als auch deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,2132 Euro.

Das RSI von 42,9 signalisiert keine Überverkauft-Situation, sondern eine eher lustlose Seitwärtsbewegung. Warum das jetzt zählt: Der nächste Quartalsbericht am 21. Oktober wird zeigen müssen, ob der im zweiten Quartal gemeldete Auftragsschub Substanz hat oder ein Einmaleffekt war.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Kennwert, an dem sich die Investmentthese entscheidet, ist der Auftragsbestand. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Auftragseingang um 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 230 Millionen Norwegische Kronen, während der Auftragsbestand auf 1.213 Millionen Kronen kletterte – ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem ersten Quartal, aber noch 3 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Gleichzeitig sank der Umsatz aus Kundenverträgen um 12 Prozent, und das EBITDA rutschte auf minus 155 Millionen Kronen ab, teils belastet durch eine Einmalzahlung von 70 Millionen Kronen im Zusammenhang mit der Einigung im Rechtsstreit mit Iwatani.

Die entscheidende Frage lautet also: Kann Nel den Bestellschub aus dem PEM-Segment, das 96 Prozent des Auftragseingangs ausmachte, in den kommenden Quartalen tatsächlich abarbeiten und in Umsatz umwandeln, oder bleibt die Lücke zwischen Auftragseingang und tatsächlicher Fakturierung bestehen?

Bullisches Szenario

Sollte sich der Trend aus dem zweiten Quartal fortsetzen, hätte Nel eine solide Basis für eine Ergebniswende. Der Auftragsbestand nähert sich bereits wieder dem Vorjahresniveau an, und die im Mai kommerziell eingeführte nächste Generation der druckbeaufschlagten Alkali-Elektrolyseure könnte zusätzliche Bestellungen anziehen, sofern sich das ermutigende Prototyp-Feedback in feste Aufträge übersetzt.

Zudem entlastet die im Berichtsquartal erhaltene EU-Fördersumme von 118 Millionen Kronen die Liquidität, ohne dass frisches Fremdkapital nötig wäre. Die Einigung mit Iwatani über 7,5 Millionen US-Dollar beseitigt zudem ein juristisches Risiko, das zuvor als Belastung auf den Zahlen lag. Eine geordnete, zügige CEO-Nachfolge könnte zusätzlich als Vertrauenssignal wirken und die Bewertungsdiskussion neu beleben.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kluft zwischen Bestellungen und tatsächlichem Umsatz. Trotz des kräftigen Auftragswachstums schrumpfte der Konzernumsatz im zweiten Quartal weiter, und auch das Alkali-Segment verzeichnete einen Rückgang von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bleibt diese Diskrepanz bestehen, drohen weitere Quartale mit negativem EBITDA, was den Kurs zusätzlich unter Druck setzen dürfte – der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von aktuell 9,5 Prozent könnte sich dann noch ausweiten. Hinzu kommt die ungeklärte Führungsfrage: Solange kein Nachfolger für Volldal feststeht, bleibt Unsicherheit über die strategische Ausrichtung bestehen, was institutionelle Anleger vorsichtig stimmen kann.

Auch der Kauf von 100.000 Aktien durch Verwaltungsratsvorsitzenden Arvid Moss im April, damals zu einem deutlich höheren Kurs von umgerechnet rund 2,25 Kronen je Aktie, zeigt, wie stark das Papier seither unter Druck geraten ist.

Ausblick

Solange der Auftragsbestand weiter zulegt und sich dem Vorjahresniveau annähert, bleibt die Möglichkeit einer Trendwende im Ergebnis realistisch – vorausgesetzt, die Umsatzrealisierung zieht nach. Kippt diese Entwicklung jedoch, weil Kunden Aufträge verzögern oder stornieren, dürfte der Kurs seine Schwäche unterhalb der gleitenden Durchschnitte fortsetzen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der für den 21. Oktober angesetzte Quartalsbericht, der zeigen wird, ob sich der Auftragsschub in tatsächlichem Umsatzwachstum niederschlägt. Bis dahin bleibt auch offen, wann Nel einen Nachfolger für den scheidenden CEO präsentiert – eine Entscheidung, die parallel zur operativen Entwicklung als zweiter Katalysator wirken dürfte.

Anzeige

Nel ASA-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nel ASA-Analyse vom 4. September liefert die Antwort:

Die neusten Nel ASA-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nel ASA-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 4. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nel ASA: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Nel ASA

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.