Während das Unternehmen massives Kapital für den Ausbau seiner technologischen Infrastruktur einsammelt, reagiert die Führungsebene mit drastischen persönlichen Konsequenzen auf die aktuelle Marktsituation. Inmitten einer Phase hoher Volatilität und strategischer Neuausrichtung versucht das Management, das Vertrauen der Anleger durch ungewöhnliche Schritte zurückzugewinnen.
Drastische Signale aus der Führungsetage
Angesichts der jüngsten Herausforderungen hat CEO Yan Junjie ein deutliches Zeichen gesetzt. Wie das Medium 36Kr berichtet, verzichtet der Unternehmenschef ab sofort auf sein gesamtes Gehalt. Diese Maßnahme soll so lange Bestand haben, bis das ambitionierte Ziel der „Artificial General Intelligence“ (AGI) erreicht ist. Parallel zu diesem persönlichen Verzicht überträgt Yan Junjie 4 % seiner persönlichen Anteile am Unternehmen in einen Pool für Mitarbeiter-Incentives, um die Bindung wichtiger Talente in der Forschungsabteilung zu stärken.
Dieser Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie massiv an Wert verloren hat. Am heutigen Freitag notiert das Papier bei 24,50 € und verzeichnet damit ein Minus von 13,12 %. Damit rückt der Kurs gefährlich nah an das 52-Wochen-Tief heran, das erst am heutigen 17. Juli 2026 bei 23,70 € markiert wurde. Die psychologisch wichtige Marke des CEO-Gehaltsverzichts verdeutlicht den Ernst der Lage, in der sich der KI-Entwickler nach Ablauf wichtiger Haltefristen befindet.
Milliardenfinanzierung und massive Verwässerung
Um den enormen Kapitalbedarf für die Forschung und den Ausbau der Rechenkapazitäten zu decken, hat MiniMax eine umfangreiche Finanzierungsrunde abgeschlossen. Medienberichten zufolge flossen dem Unternehmen rund 2,0 Milliarden USD (etwa 16 Milliarden HKD) zu. Diese Summe setzt sich aus einer direkten Aktienplatzierung und der Ausgabe von Nullkupon-Wandelanleihen zusammen. Doch damit nicht genug: MiniMax plant laut SiliconANGLE die Emission weiterer Wandelanleihen im Volumen von 6,5 Milliarden HKD mit einer Laufzeit bis 2027. Diese Maßnahmen könnten dazu führen, dass weitere 19,4 Millionen Aktien ausgegeben werden, was die bestehenden Anteile der Altaktionäre erheblich verwässern dürfte.
Diese Kapitalmaßnahmen fallen zeitlich mit dem Ende der ersten Post-IPO-Lock-up-Frist zusammen. Zwischen dem 9. und 10. Juli wurden rund 153 Millionen Aktien – was etwa 50 % des gesamten Kapitals entspricht – für den Handel freigegeben. Medienberichten zufolge führte dies unmittelbar zu einem Kursrutsch von rund 24 %. Zwar halten strategische Großaktionäre wie Alibaba und miHoYo laut Marktberichten weiterhin an ihren Beteiligungen fest und planen die Fortsetzung ihrer Kooperationen im Cloud-Bereich, doch der Verkaufsdruck durch andere Investoren bleibt hoch.
Strategiewechsel beim Modell M3 sorgt für Skepsis
Zusätzlich zur finanziellen Verwässerung sorgt eine Änderung des Geschäftsmodells für Verunsicherung bei Analysten. Das Analysehaus JPMorgan hat am 13. Juli das Kursziel für MiniMax deutlich gesenkt. Laut Bloomberg begründen die Experten diesen Schritt mit der kontroversen Umstellung des Abrechnungsmodells für das neue Flaggschiff-Modell „M3“.
Statt auf planbare Abonnements setzt MiniMax nun auf eine Token-basierte Nutzung. Während das Unternehmen mit dieser „Sparse Attention“-Technologie deutlich höhere Verarbeitungsgeschwindigkeiten verspricht, fürchten Analysten eine geringere Vorhersehbarkeit der Umsatzerlöse. Parallel dazu gibt es Berichte über die Entwicklung eines neuen Giganten-Modells mit 2,7 Billionen Parametern, das als weltweit größtes Open-Weight-System positioniert werden soll. Ob diese technologische Offensive ausreicht, um den Kurs nachhaltig zu stabilisieren, bleibt vor dem Hintergrund der laufenden Zeichnungsfrist für die jüngste Kapitalmaßnahme, die am 31. Juli endet, abzuwarten.
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