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ASML: Der Monopolist zieht die Zukunft vor

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

an den Halbleitermärkten gilt ein niederländisches Unternehmen als das wichtigste Nadelöhr der gesamten KI-Revolution. Ohne die Maschinen von ASML entsteht kein moderner Hochleistungschip. Diese Woche legte der Konzern Zahlen vor, die selbst optimistische Marktbeobachter überraschten. Die Prognose für das laufende Jahr wurde zum zweiten Mal binnen weniger Monate angehoben. Wer wissen will, wie robust der aktuelle Investitionszyklus wirklich ist, findet bei ASML die klarste Antwort.

ASML hebt die Prognose zum zweiten Mal an

Im zweiten Quartal erzielte ASML einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro. Der Nettogewinn lag bei 2,9 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie erreichte 7,59 Euro. Die Bruttomarge kletterte auf 54 Prozent. Damit ist der Anteil des Umsatzes gemeint, der nach den reinen Herstellkosten übrig bleibt. Alle drei Kennzahlen lagen über der eigenen Vorgabe des Unternehmens.

Wichtiger als das Quartal selbst war jedoch der Ausblick. ASML erwartet für 2026 nun einen Umsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro. Zu Jahresbeginn hatte die Spanne noch bei 34 bis 39 Milliarden Euro gelegen. Nach dem ersten Quartal folgte eine erste Anhebung auf 36 bis 40 Milliarden Euro. Nun kam die zweite. Der Umsatzboden ist damit binnen sechs Monaten um rund neun Milliarden Euro gestiegen. Auch die erwartete Bruttomarge wurde auf 54 bis 56 Prozent angehoben.

Zur Einordnung dient das Vorjahr. 2025 setzte ASML 32,7 Milliarden Euro um. Die neue Prognose bedeutet also ein Wachstum von rund einem Drittel. Für das dritte Quartal stellt der Konzern einen Umsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro in Aussicht. Das erste Halbjahr brachte bereits rund 18 Milliarden Euro, ein Plus von etwa 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Antrieb kommt eindeutig aus einer Richtung. Die Investitionen in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz treiben die Nachfrage nach fortschrittlichen Logik- und Speicherchips.

Warum ASML für die Chipindustrie unersetzlich bleibt

Der Konzern hält ein faktisches Monopol auf die sogenannte EUV-Lithografie. Diese Technik nutzt extrem ultraviolettes Licht, um feinste Strukturen auf Siliziumscheiben zu belichten. Jeder moderne Spitzenchip durchläuft diesen Schritt. Eine einzelne Maschine kann mehr als 400 Millionen Dollar kosten. Daneben liefert ASML auch die etwas ältere DUV-Technik, die auf tiefem ultraviolettem Licht beruht. Beide Systeme werden gebraucht, um Kapazitäten für Logik- und Speicherchips auszubauen.

Diese Doppelrolle senkt das Risiko für Anleger. Der Konzern verdient sowohl an den neuesten Technologiesprüngen als auch an der Erweiterung bestehender Fertigung. Im zweiten Quartal verteilten sich die Systemumsätze fast zu gleichen Teilen auf Logik und Speicher. Regional führte Südkorea mit 43 Prozent der Auslieferungen, gefolgt von Taiwan. Der Bedarf verteilt sich also breit über die wichtigsten Chiphersteller der Welt.

KI-Superzyklus

Der Grund für die Zuversicht liegt außerhalb der eigenen Bilanz. Die großen Betreiber von Rechenzentren investieren derzeit Rekordsummen in KI-Infrastruktur. Diese Nachfrage reicht bis zu den Chipfabriken in Taiwan, Südkorea und den USA. Auch die Hersteller von Speicherchips weiten ihre Kapazitäten kräftig aus. Beide Entwicklungen münden am Ende in Aufträge für ASML. Die Führung des Konzerns berichtete zuletzt von einer sehr starken Ordertätigkeit im ersten Halbjahr. Kunden hätten ihre mittelfristigen Kapazitätspläne spürbar nach oben angepasst. Die gesamte Halbleiterbranche soll nach verbreiteter Einschätzung bis 2030 die Marke von einer Billion Dollar Umsatz überschreiten. In diesem Bild ist ASML der Zulieferer, an dem kaum ein Weg vorbeiführt.

Das Servicegeschäft als zweites Standbein

Eine der größten Überraschungen lieferte das Geschäft mit der installierten Basis. Dahinter verbergen sich Wartung, Ersatzteile und Software-Aufrüstungen für bereits verkaufte Maschinen. ASML nennt diesen Bereich Installed Base Management. Er erzielte im zweiten Quartal rund 2,8 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr wuchs das Segment um mehr als 28 Prozent.

Für Anleger ist dieser Teil besonders wertvoll. Er liefert stetige Einnahmen, die weniger stark schwanken als der Verkauf einzelner Großmaschinen. Je größer die weltweit installierte Flotte wird, desto verlässlicher fließen diese Erträge. Kunden suchen zunehmend nach höherer Produktivität ihrer bestehenden Anlagen. Genau das treibt die Aufrüstungen und stützt die Marge.

High NA: ASML erreicht einen wichtigen Meilenstein

Auch bei der nächsten Technologiegeneration gab es Fortschritt. Die sogenannte High-NA-EUV-Technik erhöht die numerische Apertur, vereinfacht gesagt die Lichtstärke des Systems. Sie erlaubt noch feinere Strukturen auf dem Chip. Im Quartal setzte der Chiphersteller Intel als erstes Unternehmen weltweit einen kommerziellen Logikchip aus dieser Technik in der Serienproduktion ein. Das belegt, dass die teure Plattform den Sprung aus dem Labor in die Fertigung schafft.

Gleichzeitig baut ASML seine Kapazitäten deutlich aus. Für die kommenden zwei Jahre plant der Konzern eine jährliche Ausweitung um jeweils rund 30 Prozent bei beiden Produktlinien. Solche Zusagen trifft ein Unternehmen selten leichtfertig. Marktteilnehmer werten den Schritt als Zeichen, dass die Auftragslage bis weit in die Jahre 2027 und 2028 reicht. Zum Jahresende 2025 lag der Auftragsbestand bereits bei knapp 39 Milliarden Euro.

Die Risiken: China und Bewertung

Bei aller Stärke bleiben Gefahren bestehen. ASML darf seine modernsten Anlagen nicht nach China ausführen. Der Konzern erwartet, dass China rund 20 Prozent des Jahresumsatzes ausmacht. Eine ähnliche Schätzung gab es bereits für 2025, am Ende stammte jedoch etwa ein Drittel der Erlöse aus China. Die Größe des Marktes lässt sich also nur grob absehen. Verschärfte Exportkontrollen könnten sowohl die Systemverkäufe als auch das lukrative Servicegeschäft in betroffenen Märkten treffen.

Hinzu kommt die Bewertung. Nach dem starken Kursanstieg in diesem Jahr ist die Aktie ambitioniert bewertet. Das erhöht die Fallhöhe. Schon eine normale Lieferverschiebung oder ein schwächeres Auftragsquartal könnte Zweifel wecken. Auch der Kapazitätsausbau vor der eigentlichen Nachfrage birgt ein Risiko. Sollten Kunden ihre Pläne später strecken, könnte das auf die Margen drücken.

Wer die Aussicht dennoch schätzt, findet Halt in der Kapitalrückführung. 2025 flossen 8,5 Milliarden Euro über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Eigentümer. Ein Rückkaufprogramm von bis zu 12 Milliarden Euro läuft bis Ende 2028. Solche Summen unterstreichen das Vertrauen der Führung in die eigene Ertragskraft.

Der Kern der jüngsten Zahlen lässt sich in einem Satz fassen. ASML zieht seine Ertragsgeschichte zeitlich nach vorne. Was viele erst für 2027 erwartet hatten, zeigt sich schon jetzt in Umsatz, Marge und Kapazitätsplanung. Aus einem Versprechen auf künftige Nachfrage wird gelieferte Realität. Für Anleger verschiebt sich damit die entscheidende Frage. Es geht weniger darum, ob die KI-Welle ASML erreicht. Es geht darum, wie lange sie trägt und zu welchem Preis man einsteigt.

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Diskussion zu Asml

Carsten Müller

Senior Kapitalmarktanalyst & Finanzpublizist

Expertise: Fundamentalanalyse globaler Kapitalmärkte | Zukunftstechnologien | Strategische Asset-Allokation

Profil

Mit drei Jahrzehnten Kapitalmarkterfahrung gehört Carsten Müller zu den führenden Finanzanalysten im deutschsprachigen Raum. Der Berliner Kapitalmarktexperte verfügt über fundierte Kenntnisse in der Bewertung internationaler Aktien- und Anleihemärkte und hat sich insbesondere auf die Identifikation langfristiger Megatrends spezialisiert.

Seine Analysemethodik basiert auf einem bewährten Zweisäulenmodell: Fundamentale Unternehmensanalyse kombiniert mit präzisen Timing-Strategien. Dieser integrative Ansatz ermöglicht es ihm, strukturelle Wachstumschancen frühzeitig zu identifizieren und optimal zu nutzen.

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Nach seinem Einstieg in die Finanzbranche bei der n-tv Telebörse prägte er maßgeblich die redaktionelle Ausrichtung führender Börsenpublikationen. Als Chefredakteur und Herausgeber verantwortet er heute mehrere Fachpublikationen, darunter den renommierten Börsendienst "Future Money", der sich auf disruptive Technologien und deren Kapitalmarktpotenzial fokussiert.

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  • Zinsentwicklung und Anleihestrategie
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  • KI, Cybersecurity und digitale Transformation

Publikationsformate

Neben seiner analytischen Tätigkeit vermittelt Carsten Müller Kapitalmarktwissen in verschiedenen Formaten. Sein Podcast "Papa, erklär mal Börse" überbrückt generationenübergreifend die Kluft zwischen komplexer Finanztheorie und praktischer Anwendung. Diese Kombination aus tiefgreifender Expertise und verständlicher Kommunikation macht ihn zu einem gefragten Experten für institutionelle und private Anleger.