Microsoft baut seine eigene KI-Technologie aus und dreht dabei an einer wichtigen Kostenschraube. Der Softwarekonzern verlagert einen Großteil seiner KI-Anfragen von externen Partnern wie OpenAI und Anthropic auf hauseigene Modelle. Das Ziel: Kosten sparen, und zwar deutlich.
Projekt Orchard: Die interne Wende
Microsoft verschiebt zehntausende wöchentliche KI-Anfragen in Excel und Outlook auf seine eigenen „MAI“-Modelle. Intern läuft das Vorhaben unter dem Namen Project Orchard. Der Konzern will damit die Betriebskosten für KI um 40 Prozent senken.
Erst kürzlich stellte Microsoft sieben neue MAI-Modelle vor, darunter MAI-Thinking-1 mit 35 Milliarden Parametern und einem 256K-Kontextfenster. Die Rechnung dahinter ist einfach: Allein die Zusammenarbeit mit Anthropic kostete Microsoft im Januar 2026 schätzungsweise 500 Millionen Dollar pro Jahr. Die Partnerschaft mit OpenAI läuft zwar vertraglich bis 2032 weiter. Für die tägliche Produktivarbeit in Office-Anwendungen setzt Microsoft aber zunehmend auf eigene Technik.
KI soll Windows sicherer machen
Parallel zur Modellstrategie rüstet Microsoft auch seine Sicherheitsarchitektur auf. Ein neues System namens MDASH durchsucht kritische Windows-Binärdateien mit mehreren KI-Modellen gleichzeitig. Die Software soll Sicherheitslücken finden, bevor sie zum Problem werden.
Die Kehrseite: Nutzer müssen sich auf mehr Patches einstellen. Das Management rechnet mit einem höheren Volumen an Sicherheitsupdates während der monatlichen Patch-Tuesday-Zyklen. Um die Störungen im Alltag gering zu halten, setzt Microsoft verstärkt auf Windows Autopatch und sogenanntes Hotpatching.
Secure Boot sorgt für Ärger
Nicht alles läuft rund. Ein Update der Secure-Boot-Zertifikate hat bei sauberen Windows-11-Installationen Probleme ausgelöst. Betroffene Systeme hängen in Boot-Schleifen fest oder landen ungewollt im UEFI-Bildschirm. Als Übergangslösung empfiehlt Microsoft, Secure Boot während der Ersteinrichtung vorübergehend zu deaktivieren.
Hinzu kommt juristischer Druck. Eine Sammelklage wirft Microsoft vor, zwischen Mai 2025 und Januar 2026 irreführende Aussagen zur Copilot-Akzeptanz und zu den technischen Fähigkeiten der KI-Infrastruktur gemacht zu haben. Konkret geht es um die schleppende Umwandlung von Microsoft-365-Nutzern in zahlende Copilot-Abonnenten, die Anfang 2026 bei rund 15 Millionen lag. Betroffene Anleger können sich bis zum 11. August 2026 als Lead Plaintiff melden.
Kurs unter Druck, Analysten bleiben vorsichtig optimistisch
An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit deutlich wider. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 336,35 Euro, das sind fast 30 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro aus dem Oktober 2025. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 16,66 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sind es sogar 21,56 Prozent.
Der RSI von 48,3 signalisiert derzeit weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale. Trotzdem bleibt der Kurs mit 11,37 Prozent Abstand deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 379,50 Euro. Bei einer Marktkapitalisierung von 2.531,69 Milliarden Euro wiegt jeder Prozentpunkt Kursbewegung entsprechend schwer.
BMO Capital senkte sein Kursziel jüngst von 515 auf 500 Dollar, bestätigte aber die „Outperform“-Einstufung. Im Fokus der Analysten steht vor allem, wie sich die jährlichen Investitionsausgaben von schätzungsweise 190 Milliarden Dollar auf die Marge auswirken – und ob das Wachstum bei Azure diese Summe rechtfertigt.
Am 29. Juli 2026 legt Microsoft die Zahlen zum vierten Fiskalquartal vor. Dann zeigt sich, ob die Verlagerung auf eigene KI-Modelle bereits messbare Kosteneffekte bringt oder ob die Sammelklage und die technischen Pannen bei Windows das Bild überschatten.
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