Am Mittwochabend legt Microsoft seine Quartalszahlen vor, und starke Umsätze allein dürften diesmal nicht reichen. Die Börse will wissen, wann sich die gewaltigen KI-Investitionen auszahlen. Die Aktie notierte zuletzt leicht im Plus.
Rendite der KI-Milliarden im Fokus
Die Stimmung gegenüber Tech-Werten hat gedreht. Der Index der sieben größten US-Techkonzerne liegt seit Januar nur rund 6,5 Prozent im Plus, der breite S&P 500 kommt auf 11 Prozent. Anleger schichten in substanzstärkere Titel um, und die Gewinnmitnahmen im KI-Sektor haben zuletzt zugenommen.
Marktbeobachter beschreiben den Wandel so: Die Anleger zweifeln nicht mehr grundsätzlich am Potenzial künstlicher Intelligenz, sondern fragen lauter nach der Rendite der Infrastrukturinvestitionen. Das sagt Andreas Lipkow von CMC Markets. Die Ausblicke auf die künftigen Investitionsausgaben dürften nach seiner Einschätzung darüber entscheiden, ob die Gewinnmitnahmen anhalten oder das Vertrauen in die hohen Bewertungen zurückkehrt.
Entsprechend genau schauen Investoren auf drei Punkte: das Wachstum im Cloud-Geschäft, die Belastungen durch den Ausbau der Rechenzentren und die Frage, wie viel für Aktionäre nach den Investitionen übrig bleibt. Allein die Hyperscaler geben nach groben Schätzungen rund 800 Milliarden Dollar pro Jahr für Investitionen aus. Microsoft, Alphabet und Amazon werden innerhalb weniger Stunden daran gemessen.
Zinswoche als Kulisse
Parallel dazu tagen diese Woche Fed, Europäische Zentralbank und Bank of Japan. Die US-Notenbank dürfte ihren Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. An den Terminmärkten gilt jedoch eine Anhebung um einen Viertelpunkt im Dezember als wahrscheinlich, die Quote liegt bei rund 80 Prozent.
Steigende Zinsen belasten Wachstumswerte, weil sie weit entfernte Zahlungsströme stärker abwerten. Der Nasdaq 100 verlor im Oktober gut fünf Prozent, während Energiewerte kräftig zulegten. Hinzu kommen hohe Ölpreise durch die Spannungen im Nahen Osten. Am Montag gaben sie nach diplomatischen Vorstößen etwas nach, und die europäischen Börsen zogen moderat an.
Skeptiker positionieren sich
Auch einzelne Marktteilnehmer setzen auf Enttäuschung. Ein Börsenbrief wettet mit Short-Positionen auf Microsoft und Amazon. Die These: Selbst gute Zahlen könnten weitere Gewinnmitnahmen auslösen und eine neue Abwärtsbewegung begünstigen.
Am Mittwoch nach US-Börsenschluss zeigt sich, welche Seite recht behält. Amazon folgt am Donnerstag, am selben Tag stehen US-Wachstumsdaten und die Inflationskennzahl PCE an. Für Microsoft zählt dann vor allem, wie der Konzern seine Investitionspläne begründet.
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