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Im Bild: Dieter Jaworski
Interviewmit Dieter Jaworski

Novo Nordisk Aktie: Analyst Jaworski sieht unterschätzte Chance in der Auslastung

Dieter Jaworski hält eine stabilere Ertragskraft für möglich, sofern mehr Behandlungen die Auslastung verbessern und niedrigere Preise ausgleichen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • CagriSema-Daten belegen keinen Mehrgewinn
  • Medicare-Preis gilt ab 2027
  • Mehr Behandlungen könnten Anlagen besser auslasten
  • Bruttomarge sank 2025 auf 81 Prozent

Die Analystenziele für Novo Nordisk liegen weit auseinander; zusätzliche CagriSema-Daten treffen auf niedrigere vereinbarte US-Preise und einen erweiterten Zugang zur Behandlung. Vor den Quartalszahlen am 4. November fragt die Redaktion Dieter Jaworski, wie viel Gewinn aus diesem größeren Patientenkreis entstehen kann und welche Rolle dabei die neuen Produktionskapazitäten spielen.

Novo Nordisk (DK0062498333) — Schlusskurse 29.04.2026 bis 26.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 26.10.2026.

Novo Nordisk (DK0062498333) — Schlusskurse 29.04.2026 bis 26.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 26.10.2026.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihre Zurückhaltung wirkt überzogen: CagriSema erreicht bei Frauen durchschnittlich 25 Prozent Gewichtsverlust. Unterschätzen Sie, was ein solches Medikament wirtschaftlich leisten kann?

Dieter Jaworski: Die Ergebnisse stärken das medizinische Potenzial, das erkenne ich an. Den Sprung von diesem Befund zu zusätzlichem Gewinn mache ich allerdings nicht mit. Die am 20. Oktober veröffentlichten Ergebnisse stammen aus nachträglichen Auswertungen einer bestehenden Studie; sie sind ausdrücklich explorativ. Eine Überlegenheit gegenüber Konkurrenzprodukten ist damit ebenfalls nicht belegt.

Der Konsens schaut zu Recht auf die Wirksamkeit. Für die Bewertung gewichte ich stärker, welcher Ertrag nach Preiszugeständnissen und Produktionskosten übrig bleibt. Ein größeres Behandlungsangebot kann die Nachfrage erhöhen und zugleich das bestehende Geschäft unter Preisdruck setzen. Die neuen Daten beantworten diese wirtschaftliche Frage noch nicht. CagriSema war bei Veröffentlichung in den USA auch noch nicht zugelassen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Welche Erwartung steckt für Sie dann in der Bewertung, wenn selbst ein medizinischer Fortschritt noch keinen höheren Unternehmenswert rechtfertigt?

Dieter Jaworski: Die Bewertung verlangt aus meiner Sicht keine Rückkehr zu den früheren Wachstumserwartungen. Sie setzt aber voraus, dass sich die Ertragskraft stabilisiert. Auch der Analysten-Konsens erwartet für das kommende Jahr nur wenig Gewinnwachstum. Mit dieser Größenordnung kann ich mehr anfangen als mit einer neuen Euphorie um die gesamte Produktentwicklung.

Der entscheidende Prüfstein ist der veröffentlichte Medicare-Preis von 274 Dollar für eine Versorgung über 30 Tage, der ab 2027 für die Produktgruppe gelten soll. Das ist kein einheitlicher Erlös für sämtliche US-Behandlungen; er zeigt dennoch die Richtung des Preisdrucks.

Mehr Zugang muss sich in besser ausgelasteten Anlagen auszahlen. Darin liegt für mich die unterschätzte Möglichkeit: Zusätzliche Mengen könnten helfen, die hohen Kosten des Kapazitätsaufbaus zu tragen. Wer nur Patientenzahlen hochrechnet, übersieht diese Kostenfrage. Wer nur auf niedrigere Preise schaut, übersieht den möglichen Nutzen höherer Auslastung.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Mehr Zugang muss sich in besser ausgelasteten Anlagen auszahlen.“ Wird daraus nicht eine bequeme Ausrede, mit der sich immer neue Investitionen rechtfertigen lassen, obwohl die Preise sinken?

Dieter Jaworski: Ja, wenn man Auslastung allein schon als Erfolg verbucht. Eine volle Anlage kann wirtschaftlich enttäuschen. Entscheidend ist, ob nach den Herstellungskosten genug übrig bleibt und der zusätzliche Absatz den Kapitaleinsatz rechtfertigt.

Die Bruttomarge, also der Umsatzanteil nach Abzug der Herstellungskosten, lag 2025 bei 81 Prozent. Das ist ein hoher Wert, allerdings bereits unter dem Vorjahresniveau. Kapazitätsaufbau und niedrigere realisierte Preise haben daran mitgewirkt. Den nächsten Ergebnisnachweis erwarte ich deshalb aus dem Geschäft, nicht aus einer weiteren Zulassungsmeldung.

Auch das Rückkaufprogramm ersetzt diesen Nachweis nicht. Bis zu 15 Milliarden Kronen für eigene Aktien sind eine Kapitalentscheidung. Ob die neuen Anlagen ihr Geld verdienen, beantwortet der Rückkauf nicht; sein Umfang ist ausdrücklich flexibel.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Nach dem veröffentlichten Verzeichnis über medizinisches Fachpersonal verlangen Ärzte- und Pflegeverbände Antworten. Wie schwer wiegt ein möglicher Vertrauensverlust gerade bei diesen Ansprechpartnern?

Dieter Jaworski: Vertrauen bei Ärzten lässt sich schwer zurückgewinnen, wenn es beschädigt ist. Deshalb gehört der Vorgang sauber aufgeklärt. Für ein Urteil über die Folgen für das Geschäft fehlen mir bislang belastbare Anhaltspunkte.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Welcher konkrete Geschäftsverlauf würde Ihre zurückhaltende Einschätzung widerlegen?

Dieter Jaworski: Wenn der erweiterte Zugang trotz niedrigerer Preise zu einer stabileren Ertragskraft führt, wäre ich zu vorsichtig gewesen. Besonders überzeugend wäre, wenn mehr Absatz die vorhandenen Anlagen besser auslastet, ohne dass ständig entsprechend mehr Geld in zusätzliche Kapazitäten fließen muss.

Meine tragende Voraussetzung ist, dass Novo seinen Marken- und Produktionsvorteil noch wirtschaftlich nutzen kann. Der weiterhin hohe globale Volumenanteil bei wöchentlichen GLP-1-Injektionen spricht dafür; er garantiert keine auskömmlichen Preise.

Fällt diese Voraussetzung weg, bleibt ein medizinisch starkes Geschäft mit teurer Infrastruktur und schwächerer Preismacht. Dafür wäre selbst eine zurückgenommene Gewinnerwartung womöglich noch zu freundlich. Neue Patente oder zusätzliche Anwendungsgebiete würden mich über eine solche Entwicklung nicht hinwegtrösten.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Beim Medicare-Preis von 274 Dollar muss der größere Zugang also die Ertragskraft stützen. Ist die geringe Gewinnerwartung des Analysten-Konsenses dafür vorsichtig genug, und wie lautet Ihr Gesamturteil?

Dieter Jaworski: Für mich ist sie vertretbar, mit wenig Spielraum für weitere Enttäuschungen. Novo besitzt genug medizinische und industrielle Substanz, um die Ertragskraft zu stabilisieren; einen großzügigen Bewertungsaufschlag würde ich dafür heute nicht ansetzen.

Ich bin vorsichtig zuversichtlich, gewichte den Ertrag aus den Anlagen aber deutlich höher als die jüngste CagriSema-Auswertung. Mehr Patienten allein verdienen noch keinen höheren Unternehmenswert.

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Diskussion zu Novo Nordisk

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.