Der stärkste Börsenmonat seit fast vier Jahrzehnten — und die Bewertung hält trotzdem mit. Micron hat im Mai rund 80 Prozent zugelegt, einen Wert, den die Aktie zuletzt im Dezember 1987 erreichte. Das Allzeithoch liegt bei 956,16 Dollar. Was das von reiner Euphorie unterscheidet, ist eine handfeste fundamentale Geschichte.
Günstig trotz Rekordhoch
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen für die nächsten zwölf Monate liegt trotz der Rally im einstelligen Bereich. NVIDIA kommt auf das 21-Fache, der PHLX Semiconductor Index sogar auf das 26-Fache. Analysten wie David Miller vom Catalyst Funds sehen Micron weiterhin als fair bewertet — nicht als überhitzt.
Mizuho hat das Kursziel auf 1.150 Dollar angehoben, UBS sogar auf 1.625 Dollar. Barclays liegt bei 1.175 Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Mizuho einen Umsatzanstieg von 70 Prozent und ein Gewinnwachstum je Aktie von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr — getrieben von DRAM- und NAND-Nachfrage.
Strukturwandel als eigentlicher Treiber
Hinter der Rally steckt mehr als KI-Hype. Langfristige Abnahmeverträge ersetzen zunehmend kurzfristige Spotgeschäfte — das dämpft die für Speicherchipanbieter typische Preisvolatilität. Hochbandbreitenspeicher wird eng mit NVIDIA für dessen neueste Beschleuniger entwickelt und ist damit kaum substituierbar. Analysten gehen davon aus, dass DRAM bis mindestens ins zweite Quartal 2028 und NAND bis ins vierte Quartal 2027 knapp bleiben könnten. Mizuho prognostiziert allein für HBM Preisanstiege von 70 bis 100 Prozent im Kalenderjahr 2027.
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Hinzu kommt: Wichtige Nicht-KI-Kunden sollen noch immer 30 bis 50 Prozent unterversorgt sein — ein Puffer, falls die KI-Nachfrage einmal schwächelt.
Das Risiko kommt 2028
Morningstar-Analyst William Kerwin sieht die Lage nüchterner. KI sei ein echter Rückenwind, aber der Zykluscharakter des Speichermarkts existiert weiterhin. Zwischen Ende 2027 und 2028 sollen erhebliche neue Produktionskapazitäten in den Markt kommen — das könnte die Preisthese früher als erwartet unter Druck setzen.
Das dürfte die nächsten Quartalszahlen zu einem besonders aufschlussreichen Termin machen. Auftragsbuch und Margenentwicklung werden zeigen, ob das im Kurs eingepreiste Wachstum bereits greifbare Konturen annimmt — oder ob die Erwartungen dem Geschäft zu weit vorausgeeilt sind.
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