Die Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan dürften ihre Leitzinsen in dieser Woche allesamt unverändert lassen. Allerdings trügt die scheinbare Ruhe an den Zinsmärkten. Anhaltender Preisdruck durch teure Energie hält die Tür für neue Straffungen bereits im Dezember weit offen.
Fed und EZB halten vorerst still
Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank. Ihr Leitzins liegt aktuell in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für ein Aussetzen weiterer Schritte auf über 90 Prozent taxiert. Eine sofortige Anhebung gilt damit als klare Außenseiterwette.
Die Aufmerksamkeit richtet sich daher auf das Auftreten von Fed-Chef Kevin Warsh. Marktteilnehmer suchen nach Signalen, wie die Notenbank die Risiken einer hartnäckigen Inflation bewertet. Wegen der anstehenden Zwischenwahlen in den USA besitzt die geldpolitische Kommunikation zusätzliche Brisanz.
Am Donnerstag folgt die EZB. Ihr Einlagensatz steht bei 2,50 Prozent, während der Hauptrefinanzierungssatz 2,65 Prozent beträgt. Eine Zinspause gilt mit einer Markterwartung von rund 97 Prozent als so gut wie sicher.
Entwarnung bedeutet das in Frankfurt nicht. Steigende Energiepreise drohen den Inflationsdruck erneut zu verstärken. Parallel dazu treiben fiskalpolitische Spannungen in Frankreich die Renditen am Anleihemarkt nach oben und verteuern die Finanzierungsbedingungen eigenständig. An den Terminmärkten wird deshalb bereits für die Dezembersitzung mit einer spürbar höheren Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung gerechnet.
Carry-Trades rücken in Tokio in den Fokus
Am Freitag schließt die Bank of Japan die Sitzungswoche ab. Nach einer vorangegangenen Anhebung liegt der japanische Leitzins bei rund 1,25 Prozent. Marktbeobachter rechnen auch in Tokio mehrheitlich mit einer Pause, die Notenbank könnte im anstehenden Ausblicksbericht allerdings ihre Inflationsprognosen anheben.
Konkrete Hinweise auf Zinsschritte im Winter oder Frühjahr hätten Folgen weit über Japan hinaus. Höhere Zinsen in Tokio verteuern Yen-Kredite und schmälern die Rendite von Carry-Trades, bei denen günstig geliehene Yen in höher verzinsten Währungen wie dem US-Dollar angelegt sind. Signalisiert die Bank of Japan eine rasche Fortsetzung der Zinswende, droht die Auflösung dieser Positionen neue Schwankungen an den weltweiten Aktienmärkten auszulösen.
