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Symbolbild, KI-generiert

EZB auf 2,50 Prozent: Banken jubeln, SAP und Vonovia zahlen den Preis

Der höhere EZB-Einlagensatz stärkt Deutsche Bank und Commerzbank, belastet jedoch SAP und Vonovia. Ölpreise erhöhen den Inflationsdruck.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • EZB hebt Einlagensatz auf 2,50 Prozent
  • Deutsche Bank und Commerzbank profitieren
  • SAP verliert im Zinsumfeld weiter
  • Vonovia markiert neues 52-Wochen-Tief

Sehr geehrte Damen und Herren,

2,50 Prozent: Das ist der neue EZB-Einlagensatz, angehoben am Donnerstag zum zweiten Mal in diesem Jahr um 25 Basispunkte. An den Börsen fiel die Reaktion denkbar unterschiedlich aus. Bankaktien wie Deutsche Bank und Commerzbank profitieren von steigenden Zinsmargen, während zinssensible Wachstumswerte wie SAP und hochverschuldete Immobilienkonzerne wie Vonovia unter Druck geraten. Dazu kommt ein zweiter Belastungsfaktor: Der eskalierende Nahost-Konflikt trieb die Ölpreise in dieser Woche auf Mehrmonatshochs und verschärft die Inflationssorgen zusätzlich.

EZB erhöht Leitzins auf 2,5 Prozent: Bundrendite markiert Mehrjahreshoch

Die EZB hob am Donnerstag den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent an, den Hauptrefinanzierungssatz auf 2,65 Prozent. Präsidentin Christine Lagarde nannte den Schritt einen „No-Brainer“ angesichts einer Euroraum-Inflation von 3,3 Prozent im August. Die Notenbank revidierte zugleich ihre Inflationsprognose für 2027 von 2,3 auf 2,5 Prozent nach oben – Terminmärkte preisen bis Juni 2027 bereits drei weitere Zinsschritte ein. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte auf rund 3,5 Prozent, ein Mehrjahreshoch, das in Kombination mit dem Ölpreisschock den Bund-Future belastete. Der DAX reagierte spürbar: Er fiel am Donnerstag auf ein Sechs-Wochen-Tief von 25.361 Punkten, nachdem er bereits am Mittwoch deutlich nachgegeben hatte. Auf Wochensicht steht ein Minus von 2,4 Prozent zu Buche, auch wenn sich der Index am Freitagmorgen mit einer leichten Erholung zu stabilisieren versuchte. Wer auf sinkende Finanzierungskosten gehofft hatte, muss sich nun auf mindestens drei weitere Zinsschritte bis Mitte 2027 einstellen.

Deutsche Bank und Commerzbank: die operativen Profiteure der Zinswende

Von höheren Zinsen profitieren strukturell die Banken – und genau hier setzte JPMorgan bereits am Dienstag ein Signal: Analyst Kian Abouhossein bestätigte die Deutsche Bank auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 41 Euro und erhöhte die Gewinnschätzungen für Deutsche Bank und Commerzbank für die kommenden zwei Jahre, begründet mit steigenden Zinsüberschuss-Annahmen im Euroraum. Die Deutsche-Bank-Aktie notiert aktuell bei knapp 34,90 Euro, nachdem sie erst am Dienstag ein 52-Wochen-Hoch von 35,84 Euro markiert hatte; auf Jahressicht steht ein Plus von 11 Prozent, zum JPMorgan-Kursziel bleibt also noch Luft nach oben. Commerzbank erhielt im selben Analysten-Reigen ein angehobenes Kursziel von 39 Euro (zuvor 38 Euro) – die Aktie selbst notiert mit rund 42 Euro und einem 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro allerdings längst darüber. Der Markt preist damit bereits mehr ein, als die Analysten für gerechtfertigt halten, ein Indiz dafür, wie stark die Zinsfantasie das Kursverhalten inzwischen dominiert. Mit einem Plus von 28 Prozent auf Jahressicht bleibt Commerzbank der klare Outperformer unter den großen deutschen Finanzwerten.

SAP im Zins-Gegenwind: Oracles Zahlen erhöhen den Druck

Die Kehrseite höherer Zinsen trifft die Bewertung von Wachstumswerten, und SAP steht dafür exemplarisch. Nach der EZB-Entscheidung gab die Aktie am Donnerstag rund 2,6 bis 2,8 Prozent nach, auch Nemetschek und TeamViewer gerieten unter Druck. SAP notiert aktuell bei rund 178 Euro, weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch von 242 Euro; auf Jahressicht bedeutet das ein Minus von 19 Prozent, seit Jahresbeginn ein Rückgang von 15 Prozent. UBS bestätigte kürzlich die Einstufung „Neutral“ mit Kursziel 201 Euro und begründete dies mit zu langsamen Fortschritten bei KI-Agenten im Cloud-Kerngeschäft. Hausintern kommt Unruhe hinzu: Das Vertrauen der Belegschaft in den Vorstand ist laut interner Mitarbeiterumfrage auf 54 Prozent gesunken, von 80 Prozent bei dessen Amtsantritt. SAP lockert nun den Cloud-Zwang für Großkunden, nachdem etwa Zeiss seine Cloud-Umstellung nach einer Investition von 200 Millionen Euro gestoppt hatte. Der Vorstand selbst räumt ein, dass in den kommenden Monaten ein sichtbarer KI-Durchbruch nötig sei; geplant sind 50 KI-Assistenten und über 400 autonome Agenten im zweiten Halbjahr. Wie groß der Erwartungsdruck ist, zeigte sich in der Nacht auf Freitag: Oracle legte nachbörslich einen deutlichen Gewinn- und Umsatzsprung vor, bereinigter Gewinn je Aktie von 1,92 Dollar, Umsatz plus rund 30 Prozent auf 19,4 Milliarden Dollar, Cloud-Erlöse plus 62 Prozent auf 11,6 Milliarden Dollar, und hob zudem die Jahresprognose an. Für SAP-Investoren steckt darin eine unbequeme Botschaft: Cloud- und KI-Nachfrage wächst weiterhin kräftig, nur eben bislang deutlicher bei der Konkurrenz als im eigenen Zahlenwerk.

Vonovia: die Zinsfalle ohne erkennbaren Ausweg

Kaum ein DAX-Wert bildet die Zinssensitivität so unmittelbar ab wie Vonovia. Die Aktie hielt sich am Donnerstag zunächst, gab im späten Handel dann aber nach und markierte mit 17,93 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 26 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 32 Prozent. Die Dividendenrendite von 6,7 Prozent mag verlockend wirken, tatsächlich signalisiert sie vor allem, wie stark der Markt die Bewertung angesichts steigender Finanzierungskosten und einer Bundrendite auf Mehrjahreshoch bereits nach unten korrigiert hat. Wer hier auf eine baldige Zinswende als Kurstreiber setzt, sollte die EZB-Signale ernst nehmen: Mindestens drei weitere Zinsschritte bis Mitte 2027 verlangen Geduld.

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Die Zinswende macht sich nicht nur bei Immobilienwerten wie Vonovia bemerkbar, sondern auch im eigenen Depot, wenn klassische Zinsprodukte real an Wert verlieren. Ein kostenloser Report zeigt, wie Dividendentitel in einem Umfeld steigender Anleiherenditen als Ersatz für klassische Zinserträge dienen können und mit welchen Strategien sich Anleger gegen Inflation und Anleihekrise wappnen. Strategien gegen die Zinsillusion abrufen

Ölpreis als zweite Front für die Inflationsdebatte

Parallel zur Zinsdebatte trieb der eskalierende Nahost-Konflikt die Ölpreise auf Mehrmonatshochs: Brent testete am Freitagmorgen die Marke von 110 Dollar. Für die EZB verschärft das die Inflationsgefahr zusätzlich und dürfte die ohnehin schon straffe Tonlage weiter stützen – ein Ölpreis nahe der 110-Dollar-Marke lässt sich in keiner Inflationsprognose einfach wegrechnen.

Das Risikobarometer vor den US-Verbraucherpreisen

Wie angespannt die Lage vor der heutigen US-Verbraucherpreisstatistik ist, zeigt die Reaktion auf den überraschend heißen Erzeugerpreisindex vom Donnerstag: Die US-Produzentenpreise legten im Jahresvergleich um 5,4 Prozent zu, deutlich mehr als erwartet, und ließen die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung bei der Sitzung am 15./16. September auf rund 70 Prozent steigen. Bitcoin reagierte empfindlich: Die Kryptowährung fiel im Wochenverlauf um rund 3 Prozent auf etwa 77.300 Dollar und beendete damit eine dreiwöchige Erholungsserie. Auch der Goldpreis rutschte von Ständen um 4.430 Dollar auf rund 4.300 Dollar ab, bevor er sich am Freitagmorgen etwas stabilisierte; auf Wochensicht droht dennoch der dritte Rückgang in Folge. Die heute Nachmittag anstehenden US-Verbraucherpreise (Konsens: 3,4 Prozent im Jahresvergleich, Kernrate 2,4 Prozent) dürften angesichts dieser Nervosität weit über die übliche Marktreaktion hinaus Gewicht bekommen.

Das große Bild

Die kommenden Tage entscheiden, ob sich die Rotation zwischen Bankgewinnern und Bewertungsverlierern bei Software und Immobilien verfestigt. Mit den US-Verbraucherpreisen am Nachmittag und der Fed-Sitzung am 15./16. September stehen zwei Termine an, die die Zinserwartungen diesseits und jenseits des Atlantiks neu justieren könnten, während der Ölpreis mit seiner Nähe zur 110-Dollar-Marke die Inflationsrechnung zusätzlich verkompliziert. Wer in dieser Gemengelage nach Substanz sucht, findet sie derzeit eher in Bilanzen mit Zinsrückenwind, siehe Deutsche Bank und Commerzbank, als in Bewertungsstorys, die auf künftiges Wachstum setzen, siehe SAP und Vonovia.

Die US-Inflationszahlen laufen Ihnen heute Nachmittag mitten ins Wochenende – vielleicht lohnt sich ein Blick aufs Depot, bevor der Grill angezündet wird.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.