Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
in dieser Woche stand ein neuer Mann auf der Apple-Bühne in Cupertino. John Ternus, seit dem 1. September Vorstandschef von Apple, präsentierte das erste faltbare iPhone des Konzerns. Es heißt iPhone Duo, kostet mindestens 1.999 Dollar und reicht in der Topversion mit 2 Terabyte Speicher bis 3.199 Dollar. Für Anleger ist der Preis das eigentliche Signal. Denn Apple räumt damit ganz oben ein Preissegment auf, das es bislang nicht bespielt hat. Die Frage ist nicht, ob sich das Gerät gut verkauft. Die Frage ist, was dieser Schritt über die Richtung des Konzerns verrät.
Das teuerste iPhone verändert den Durchschnittspreis
Etwa die Hälfte des Apple-Umsatzes stammt aus dem iPhone. Wer wissen will, wohin sich der Konzern bewegt, muss also beim iPhone anfangen. Und dort passiert Bemerkenswertes. Das iPhone 18 Pro startet bei 1.199 Dollar, das Pro Max bei 1.299 Dollar. Beide kosten 100 Dollar mehr als ihre Vorgänger. Ein reguläres Basismodell des iPhone 18 hat Apple auf der Bühne gar nicht gezeigt. Es soll erst im Frühjahr kommen, zusammen mit einem günstigeren 18e und dem schlanken iPhone Air 2.
Für das Weihnachtsgeschäft bleiben Käufern damit nur die teuren Varianten. Wer jetzt ein neues iPhone will, greift zur Pro-Reihe oder zum Duo. Das ist keine zufällige Terminplanung. Apple lenkt die Kundschaft gezielt in die höheren Preisklassen. Der Durchschnittspreis pro verkauftem Gerät steigt dadurch, selbst wenn die Stückzahlen stagnieren oder leicht sinken. Genau darauf zielt die Strategie. Mehr Gewinn pro Gerät statt mehr Geräte.
Warum der Zeitpunkt kein Zufall ist
Der Vorstoß in die Premiumklasse fällt in eine Phase steigender Kosten. Speicherchips sind teuer geworden. RAM und NAND-Flash, also die Bausteine für Arbeits- und Datenspeicher, haben sich seit dem Vorjahr deutlich verteuert. Das Wall Street Journal zitiert Schätzungen, wonach sich die Chipkosten bei manchen Konfigurationen des iPhone 18 Pro verdrei- bis vervierfacht haben könnten. Für jedes normale Geschäftsmodell wäre das ein ernstes Problem.
Apple hat zwei Hebel. Der Konzern kann die Mehrkosten selbst schlucken und die Marge sinken lassen. Oder er reicht sie an die Kunden weiter. Die Preiserhöhung von 100 Dollar bei den Pro-Modellen zeigt, wofür sich Apple entschieden hat. Interessant wird die Rechnung im Detail. Steigen die Speicherkosten um einige Dutzend Dollar, der Verkaufspreis aber um rund zehn Prozent, dann behält Apple den Großteil der Differenz. Unter Umständen verbessert sich sogar der Gewinn pro Gerät in Dollar. Ob die Bruttomarge das komplett auffängt, bleibt die offene Frage der kommenden Quartale.
Das Duo als Wildcard
Faltbare Smartphones sind nichts Neues. Samsung brachte 2019 das erste Galaxy Fold, andere Hersteller experimentieren mit zwei Scharnieren. Nach vielversprechendem Start schwächelte der Markt zuletzt. Die Auslieferungen fielen im ersten Halbjahr laut Marktforscher IDC um 15 Prozent. Trotzdem gilt Apples Einstieg als Schub für das gesamte Segment. Apple bringt eine Kundenbasis mit, die zahlungskräftig ist und Neuheiten aus dem eigenen Haus lange treu bleibt.
Wie schnell Kunden ein iPhone für über 2.000 Dollar annehmen, weiß niemand. Deshalb lohnt der Blick in Szenarien statt in Prognosen. Im Basisfall wären fünf bis sieben Millionen verkaufte Duos pro Jahr denkbar. Das entspräche grob 14 bis 18 Milliarden Dollar Umsatz, also etwa drei Prozent des Konzernumsatzes. Bleibt es bei zwei bis drei Millionen Geräten, wäre das immer noch ein solider Start für ein völlig neues Produkt, ohne die Bilanz spürbar zu bewegen. Der Vergleich mit dem gefloppten Vision Pro liegt manchen nahe. Läuft es dagegen sehr gut und Apple verkauft neun bis elf Millionen Duos, käme der Konzern auf 25 bis 30 Milliarden Dollar. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. Als Ergänzung zur bestehenden Palette taugt das Gerät allemal.
Der andere Teil der Geschichte
Neben Hardware und Preisen läuft ein zweiter Motor, der weniger Schlagzeilen macht. Das Services-Geschäft mit Abos, App-Store und Cloud wirft Margen von über 70 Prozent ab und bindet Nutzer ans Ökosystem. Auch die neuen AirPods und Apple Watches zahlen darauf ein. Sie steigern nicht bloß Stückzahlen, sie geben Kunden Gründe, im System zu bleiben. Loyalität war für Apple immer die wichtigste Kennzahl. Ein Kunde, der Uhr, Kopfhörer und Handy aus einem Haus nutzt, wechselt selten zur Konkurrenz. Jedes zusätzliche Gerät erhöht die Hürde für einen Ausstieg und sichert Apple wiederkehrende Einnahmen über Jahre.
Dazu kommt das Thema künstliche Intelligenz. Apple bewirbt das iPhone als „Personal Intelligence Hub“ mit Siri, die mit über 300.000 Apps verknüpft ist. Der neue A20-Pro-Chip mit 2-Nanometer-Fertigung soll die dafür nötige Rechenleistung liefern. Man sollte die Erwartungen niedrig halten. Der eigentliche Nutzen liegt kurzfristig weniger in spektakulären Funktionen als darin, den Austauschzyklus zu beschleunigen und Kunden im Ökosystem zu halten. KI wirkt bei Apple bislang eher defensiv als als Wachstumstreiber.
Was die Zahlen sagen
Am Event-Tag selbst blieb die Reaktion überschaubar. Das Event lief erst am Abend, ein großer Teil der Details wurde nach Börsenschluss bekannt. Entsprechend schloss die Aktie am 9. September praktisch unverändert. Die eigentliche Bewegung kam einen Tag später. Am 10. September sprang AAPL auf rund 325 Dollar, ein Plus von gut drei Prozent. Der Markt hatte die Botschaft also verdaut und honorierte sie.
Ein Blick auf die Bewertung gehört dazu. Apple wird derzeit mit dem 33-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, der Fünfjahresschnitt liegt bei rund 30. Die Aktie ist also nicht billig, im Gegenteil. Bei solchen Multiplikatoren ist der Spielraum für Enttäuschungen schmal. Damit die Bewertung Bestand hat, muss Apple bei Preisen, Margen, Services und dem Duo gleichzeitig liefern. Jeder Fehltritt an einer dieser Stellen dürfte den Kurs empfindlich treffen.
Fazit
Der Preis des neuen Duo sagt mehr über Apple aus als jedes technische Detail. Der Konzern braucht keinen Verkaufsrekord bei Stückzahlen. Er braucht mehr Wert pro Kunde, ein wachsendes Services-Geschäft und weniger ausstehende Aktien durch Rückkäufe. Wer Apple beobachtet, sollte künftig weniger auf verkaufte iPhones schauen und mehr auf den Durchschnittspreis und die Marge. Genau dort entscheidet sich die nächste Etappe.
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