Der EURO STOXX 50 beendete den Handelstag mit einem Verlust von 60,28 Punkten oder 1,11% bei 5383,68 Punkten. Dies markiert den größten Zwei-Tages-Rückgang seit Anfang August und drückte den Index auf ein 1,5-Wochen-Tief – hauptsächlich getrieben durch die eskalierende politische Unsicherheit in Frankreich.
Tektonische Verschiebungen im Finanzgefüge
Während europäische Märkte unter Verkaufsdruck standen, zeigten US-Indizes gegenläufige Signale. S&P 500 und Nasdaq legten jeweils 0,4% zu, der Dow Jones gewann 0,3%. Doch frühe Sorgen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank unter Präsident Trump belasteten zunächst die Stimmung.
Die eigentliche Bruchstelle aber lag in Paris: Französische Bankaktien erlitten massive Verluste. Société Générale stürzte um 6,84% ab, Vinci verlor 5,80% und Crédit Agricole fiel um 5,44%. Deutlicher kann die Abkehr vom Finanzsektor kaum ausfallen.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Im DAX zeigten Siemens Energy (+2,33%), Bayer (+1,73%) und Sartorius (+1,52%) trotz des allgemeinen Abwärtstrends bemerkenswerte Resilienz.
Technisches Bild verdüstert sich
Mit zwei negativen Handelstagen in Folge und einem Gesamtverlust von 1,91% gewinnt die bearische Dynamik spürbar an Fahrt. Der Bruch jüngerer Unterstützungsniveaus bei 5383,68 Punkten signalisiert den Verlust kurzfristiger bullischer Kontrolle.
Für den DAX gilt die 24.650-Punkte-Marke als entscheidend für eine mögliche Erholung. Doch können technische Levels politischen Erdbeben standhalten?
September entscheidet über Schicksal
Alles hängt am französischen Politdrama: Ministerpräsident François Bayrou muss sich am 8. September einem Misstrauensvotum stellen. Oppositionelle signalisieren bereits ihre Ablehnung seiner Sparpläne – ein Regierungskollaps und Neuwahlen werden immer wahrscheinlicher.
Dabei liefern die Fundamentaldaten eigentlich Gründe für Optimismus:
* Eurozone-Geschäftsaktivität expandiert dritten Monat in Folge
* Einkaufsmanagerindex steigt von 50,9 auf 51,1 Punkte
* Verarbeitendes Gewerbe verzeichnet stärkstes Wachstum seit drei Jahren
Doch sinkendes Verbrauchervertrauen in Frankreich und der gesamten Eurozone wirkt als Gegenkraft.
Asset-Rundblick: Flucht in Sicherheit
Die Flucht aus Risikoaktivitäten ist unübersehbar:
* Deutscher 10-Jahres-Bundesrendite fiel auf 2,72% (-0,04 Prozentpunkte)
* Deutschland-Frankreich-Renditespread weitet sich aus
* EUR/USD steigt auf 1,1645 (+0,27%)
* Brent-Öl fällt auf 67,35 USD/Bbl (-2,11%)
* Gold klettert auf 3.385,38 USD/Unze (+0,40%)
Die EZB signalisiert unterdessen Stabilität: Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinssenkung im September liegt bei nur 1%. Doch kann die Währungshüterin die politischen Beben auffangen? Die Antwort liegt in Paris.
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