Bei Eierstockkrebs hat sich die Standardtherapie seit gut einem Jahrzehnt kaum verändert. Eli Lilly will das mit einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat ändern und legt dafür auf dem Krebskongress ESMO in Madrid erste Daten vor. Sie stammen aus einer frühen Studie und fallen auffallend stark aus.
Hohe Ansprechrate in früher Studie
Der Wirkstoff heißt Sofetabart mipitecan, kurz Sofe-M. Er zielt auf den Folatrezeptor alpha, der in fast allen Eierstocktumoren stark vorkommt, und liefert einen Zellgift-Wirkstoff direkt in die Krebszelle. In Kombination mit Bevacizumab erreichte er bei platinsensitivem Eierstockkrebs eine bestätigte Ansprechrate von 79 Prozent. Die Krankheitskontrolle lag bei 100 Prozent.
Ausgewertet wurden 29 Patientinnen mit messbarer Erkrankung. Sechs zeigten ein vollständiges Ansprechen, 17 ein teilweises. Die Wirkung blieb unabhängig von der Rezeptor-Ausprägung bestehen, auch nach einer Vorbehandlung mit PARP-Hemmern. Genau diese Gruppe spricht auf eine erneute Platin-Chemotherapie bislang nur mäßig an. Für sie nennen veröffentlichte Daten eine Ansprechrate von knapp 42 Prozent.
Allerdings bleibt die Datenbasis klein: Die Kohorte umfasste 33 Frauen, die mediane Dauer des Ansprechens und das progressionsfreie Überleben waren zum Datenschnitt im Juli noch nicht erreicht.
Nebenwirkungen im erwartbaren Rahmen
Das Sicherheitsprofil entspricht laut Unternehmen den bekannten Profilen beider Medikamente, neue Warnsignale gab es nicht. Häufig traten Nasenbluten und Übelkeit auf, jeweils bei rund drei Vierteln der Patientinnen. Schwere Neutropenien (Mangel an weißen Blutkörperchen) zeigten sich bei 42 Prozent. Dosisreduktionen waren bei 42 Prozent nötig, abgebrochen haben aber nur 6 Prozent wegen Nebenwirkungen.
In der späten Studienphase will Lilly die Dosis von 4 auf 3 Milligramm pro Kilogramm senken. Bei der Monotherapie war das Ansprechen vergleichbar, die Verträglichkeit besser.
Phase 3 läuft bereits
Entscheidend wird nun das Phase-3-Programm FRAmework-01. Es prüft Sofe-M in drei Teilen, sowohl bei platinresistenter als auch bei platinsensitiver Erkrankung, mit dem progressionsfreien Überleben als primärem Endpunkt.
Die Rekrutierung läuft weltweit, die ersten Patientinnen erhielten ihre Dosis im vierten Quartal 2025 (platinresistent) und im ersten Quartal 2026 (platinsensitiv). Für die platinresistente Variante hat die US-Arzneimittelbehörde FDA bereits den Status „Breakthrough Therapy“ vergeben.
Für Lilly stärkt das die Onkologie-Pipeline neben dem dominierenden Geschäft mit Abnehm- und Diabetesmitteln. Ob die frühen Ansprechraten in randomisierten Vergleichen Bestand haben, zeigen erst die Ergebnisse von FRAmework-01.
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