Wie stark verändert ein mögliches eigenes US-Mobilfunknetz von SpaceX die Ertragsaussichten von T-Mobile US? Nach der vereinbarten Übernahme von Mobilfunklizenzen und Berichten über Gespräche zum Zugang zu Mobilfunkstandorten steht die Dauerhaftigkeit des Wettbewerbsvorteils zur Debatte. Die Redaktion bespricht mit Dieter Jaworski, was davon bereits in die Bewertung der Deutschen Telekom gehört.

Deutsche Telekom (DE0005557508) — Schlusskurse 27.04.2026 bis 23.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 23.10.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: SpaceX verhandelt Berichten zufolge über Zugang zu mindestens 80.000 US-Mobilfunkstandorten. Warum halten Sie den Wettbewerbsvorteil von T-Mobile US angesichts dieser konkreten Vorbereitungen noch für belastbar?
Dieter Jaworski: Weil zwischen verfügbaren Standorten und einem überzeugenden Mobilfunkangebot erhebliche Arbeit liegt. Die Annahme, der Zugang zu Masten beseitige bereits den Wettbewerbsvorteil, überspringt den entscheidenden Schritt: Ein neuer Anbieter muss daraus erst ein leistungsfähiges Netz und ein wirtschaftliches Geschäft machen. Auch der vereinbarte Frequenzkauf ist nach den vorliegenden Informationen noch nicht als vollzogen belegt.
T-Mobile US verteilt seine Netzkosten auf rund 142 Millionen Kunden. Die Größe schützt die Kostenbasis. Diesen Vorteil muss ein neuer Wettbewerber erst aufholen, während er seinen Aufbau finanziert. Deshalb gewichte ich die vorhandene Kundenbasis deutlich stärker als die bisher bekannten Vorbereitungen von SpaceX. Einen Freibrief für dauerhaft hohe Preise liefert sie allerdings nicht.
Kapitalmarktexperten Redaktion: „Die Größe schützt die Kostenbasis“, sagen Sie. Bei einem Nachfrageeinbruch bleiben die Netzkosten trotzdem stehen. Verwechseln Sie Größe mit Krisenfestigkeit?
Dieter Jaworski: Ein großes Netz wird durch schwächere Nachfrage nicht billiger. Da sitzt die Verwundbarkeit. Der Vorteil besteht darin, dass die Kosten zunächst auf eine breite zahlende Kundschaft verteilt sind; solange diese bleibt, trägt der Schutz auch bei weniger Neugeschäft.
Die Preissetzungsmacht der Telekom halte ich lediglich für moderat. Bei knapperen Kundenbudgets kann sie höhere Kosten also nicht beliebig weiterreichen. Dann zählen Kundenbindung und Auslastung stärker als die bloße Netzabdeckung.
Für eine über den gesamten Zyklus überlegene Kapitalrendite liefern die vorliegenden Angaben keinen belastbaren Nachweis. Mein positives Qualitätsurteil stützt sich deshalb vor allem auf die bestehende Größenposition. Netzgröße allein verdient noch keinen Qualitätsaufschlag.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Wie gefährlich wäre es für dieses Qualitätsurteil, wenn Starlink vom Partner zum direkten Gegner wird?
Dieter Jaworski: Das würde die Telekom empfindlich treffen. Ein Partner kennt die Zusammenarbeit und kann später um dieselben Kunden werben. Ich würde deshalb jedes Versprechen dauerhafter Ruhe im amerikanischen Geschäft streichen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Welche Substanz rechtfertigt dann Ihre Bewertung, wenn selbst das deutsche Glasfasernetz bislang keine starke Kundenüberzeugung belegt?
Dieter Jaworski: Bei den für Ende 2026 prognostizierten 17,9 Prozent Anschlussquote im privaten Glasfasergeschäft liegt mein größter Vorbehalt gegenüber der deutschen Infrastrukturgeschichte. Die Quote beschreibt den Anteil tatsächlich genutzter an den verfügbaren Anschlüssen. Wichtig ist die zeitliche Einordnung: Das ist eine Prognose von VATM und Dialog Consult, kein bereits erreichter Stand.
Ein verlegtes Netz bindet Kapital. Erst zahlende Kunden machen daraus ein rentables Geschäft. Die schwache erwartete Nutzung begrenzt deshalb, welchen Wert ich der bloßen Ausbauleistung zugestehe. Hinzu kommt, dass geregelter Zugang zu Leerrohren und Masten die exklusive Nutzung bestehender Infrastruktur einschränkt.
Mein faires Niveau auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei rund 35 Euro. Dafür gewichte ich das etablierte US-Geschäft am stärksten. Die deutsche Glasfaserposition bekommt von mir Vorschuss nur unter der Bedingung, dass aus verfügbaren Anschlüssen zunehmend genutzte werden.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihr faires Niveau entspricht praktisch dem Analysten-Konsens. Warum ist Ihre Zuversicht mehr als dieselbe Gemeinschaftswette auf ein weiter erfolgreiches US-Geschäft?
Dieter Jaworski: Beim Bewertungsniveau liege ich tatsächlich nahe am Analysten-Konsens. Einen Erkenntnisvorsprung kann ich daraus nicht ableiten. Meine Position unterscheidet sich vor allem darin, welches Risiko ich für entscheidend halte: Eine langsamere Kundengewinnung wäre verkraftbar. Eine dauerhaft teurere Verteidigung der vorhandenen Kundenbasis würde die Qualität des Geschäfts beschädigen.
Meinen Irrtum würde ich früh daran erkennen, dass T-Mobile US bestehende Kunden zunehmend nur mit Preiszugeständnissen halten kann. Besonders kritisch wäre das, wenn der Aufwand zur Kundenbindung steigt und trotzdem mehr Kunden gehen. Dafür braucht SpaceX noch kein flächendeckendes eigenes Netz; schon ein wirksames Angebot mit Partnern könnte Druck erzeugen.
Der vorgesehene Cloud-Auftrag für T-Systems in Katalonien wäre erfreulich. Er ist bislang eine vorgeschlagene Vergabe. Als Gegengewicht zu einer beschädigten Ertragskraft des US-Geschäfts würde ich ihn auf Basis der verfügbaren Angaben nicht ansetzen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie haben die für Ende 2026 prognostizierte Anschlussquote von 17,9 Prozent als Ihren größten Vorbehalt gegenüber der deutschen Infrastrukturgeschichte benannt. Reicht die Qualität des US-Geschäfts trotzdem für Ihr positives Gesamturteil zur Bewertung?
Dieter Jaworski: Ja. Ich halte die Deutsche Telekom auf dem vorliegenden Bewertungsniveau für attraktiv, weil die vorhandene US-Kundenbasis schwerer wiegt als der bislang unbewiesene Erfolg eines neuen Wettbewerbers. Die deutsche Glasfaserposition trägt mein Urteil nur eingeschränkt. Entscheidend bleibt, ob T-Mobile US seine Kunden ohne dauerhaft größere Preiszugeständnisse halten kann.
Stand heute, 24. Oktober: Deutsche Telekom – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Deutsche Telekom investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 24. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
