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Im Bild: Dieter Jaworski
Interviewmit Dieter Jaworski

Deutsche Telekom Aktie: Analyst Jaworski gewichtet US-Kundenbasis stärker als SpaceX

Jaworski bewertet die bestehende US-Kundenbasis als zentralen Vorteil; Glasfaser und Preissetzungsmacht schränken sein positives Urteil ein.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Rund 142 Millionen Kunden bei T-Mobile US
  • SpaceX-Vorbereitungen belegen noch kein eigenes Netz
  • Glasfaser-Anschlussquote von 17,9 Prozent prognostiziert
  • Faires Zwölfmonatsniveau bei rund 35 Euro

Wie stark verändert ein mögliches eigenes US-Mobilfunknetz von SpaceX die Ertragsaussichten von T-Mobile US? Nach der vereinbarten Übernahme von Mobilfunklizenzen und Berichten über Gespräche zum Zugang zu Mobilfunkstandorten steht die Dauerhaftigkeit des Wettbewerbsvorteils zur Debatte. Die Redaktion bespricht mit Dieter Jaworski, was davon bereits in die Bewertung der Deutschen Telekom gehört.

Deutsche Telekom (DE0005557508) — Schlusskurse 27.04.2026 bis 23.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 23.10.2026.

Deutsche Telekom (DE0005557508) — Schlusskurse 27.04.2026 bis 23.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 23.10.2026.

Kapitalmarktexperten Redaktion: SpaceX verhandelt Berichten zufolge über Zugang zu mindestens 80.000 US-Mobilfunkstandorten. Warum halten Sie den Wettbewerbsvorteil von T-Mobile US angesichts dieser konkreten Vorbereitungen noch für belastbar?

Dieter Jaworski: Weil zwischen verfügbaren Standorten und einem überzeugenden Mobilfunkangebot erhebliche Arbeit liegt. Die Annahme, der Zugang zu Masten beseitige bereits den Wettbewerbsvorteil, überspringt den entscheidenden Schritt: Ein neuer Anbieter muss daraus erst ein leistungsfähiges Netz und ein wirtschaftliches Geschäft machen. Auch der vereinbarte Frequenzkauf ist nach den vorliegenden Informationen noch nicht als vollzogen belegt.

T-Mobile US verteilt seine Netzkosten auf rund 142 Millionen Kunden. Die Größe schützt die Kostenbasis. Diesen Vorteil muss ein neuer Wettbewerber erst aufholen, während er seinen Aufbau finanziert. Deshalb gewichte ich die vorhandene Kundenbasis deutlich stärker als die bisher bekannten Vorbereitungen von SpaceX. Einen Freibrief für dauerhaft hohe Preise liefert sie allerdings nicht.

Kapitalmarktexperten Redaktion: „Die Größe schützt die Kostenbasis“, sagen Sie. Bei einem Nachfrageeinbruch bleiben die Netzkosten trotzdem stehen. Verwechseln Sie Größe mit Krisenfestigkeit?

Dieter Jaworski: Ein großes Netz wird durch schwächere Nachfrage nicht billiger. Da sitzt die Verwundbarkeit. Der Vorteil besteht darin, dass die Kosten zunächst auf eine breite zahlende Kundschaft verteilt sind; solange diese bleibt, trägt der Schutz auch bei weniger Neugeschäft.

Die Preissetzungsmacht der Telekom halte ich lediglich für moderat. Bei knapperen Kundenbudgets kann sie höhere Kosten also nicht beliebig weiterreichen. Dann zählen Kundenbindung und Auslastung stärker als die bloße Netzabdeckung.

Für eine über den gesamten Zyklus überlegene Kapitalrendite liefern die vorliegenden Angaben keinen belastbaren Nachweis. Mein positives Qualitätsurteil stützt sich deshalb vor allem auf die bestehende Größenposition. Netzgröße allein verdient noch keinen Qualitätsaufschlag.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Wie gefährlich wäre es für dieses Qualitätsurteil, wenn Starlink vom Partner zum direkten Gegner wird?

Dieter Jaworski: Das würde die Telekom empfindlich treffen. Ein Partner kennt die Zusammenarbeit und kann später um dieselben Kunden werben. Ich würde deshalb jedes Versprechen dauerhafter Ruhe im amerikanischen Geschäft streichen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Welche Substanz rechtfertigt dann Ihre Bewertung, wenn selbst das deutsche Glasfasernetz bislang keine starke Kundenüberzeugung belegt?

Dieter Jaworski: Bei den für Ende 2026 prognostizierten 17,9 Prozent Anschlussquote im privaten Glasfasergeschäft liegt mein größter Vorbehalt gegenüber der deutschen Infrastrukturgeschichte. Die Quote beschreibt den Anteil tatsächlich genutzter an den verfügbaren Anschlüssen. Wichtig ist die zeitliche Einordnung: Das ist eine Prognose von VATM und Dialog Consult, kein bereits erreichter Stand.

Ein verlegtes Netz bindet Kapital. Erst zahlende Kunden machen daraus ein rentables Geschäft. Die schwache erwartete Nutzung begrenzt deshalb, welchen Wert ich der bloßen Ausbauleistung zugestehe. Hinzu kommt, dass geregelter Zugang zu Leerrohren und Masten die exklusive Nutzung bestehender Infrastruktur einschränkt.

Mein faires Niveau auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei rund 35 Euro. Dafür gewichte ich das etablierte US-Geschäft am stärksten. Die deutsche Glasfaserposition bekommt von mir Vorschuss nur unter der Bedingung, dass aus verfügbaren Anschlüssen zunehmend genutzte werden.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihr faires Niveau entspricht praktisch dem Analysten-Konsens. Warum ist Ihre Zuversicht mehr als dieselbe Gemeinschaftswette auf ein weiter erfolgreiches US-Geschäft?

Dieter Jaworski: Beim Bewertungsniveau liege ich tatsächlich nahe am Analysten-Konsens. Einen Erkenntnisvorsprung kann ich daraus nicht ableiten. Meine Position unterscheidet sich vor allem darin, welches Risiko ich für entscheidend halte: Eine langsamere Kundengewinnung wäre verkraftbar. Eine dauerhaft teurere Verteidigung der vorhandenen Kundenbasis würde die Qualität des Geschäfts beschädigen.

Meinen Irrtum würde ich früh daran erkennen, dass T-Mobile US bestehende Kunden zunehmend nur mit Preiszugeständnissen halten kann. Besonders kritisch wäre das, wenn der Aufwand zur Kundenbindung steigt und trotzdem mehr Kunden gehen. Dafür braucht SpaceX noch kein flächendeckendes eigenes Netz; schon ein wirksames Angebot mit Partnern könnte Druck erzeugen.

Der vorgesehene Cloud-Auftrag für T-Systems in Katalonien wäre erfreulich. Er ist bislang eine vorgeschlagene Vergabe. Als Gegengewicht zu einer beschädigten Ertragskraft des US-Geschäfts würde ich ihn auf Basis der verfügbaren Angaben nicht ansetzen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie haben die für Ende 2026 prognostizierte Anschlussquote von 17,9 Prozent als Ihren größten Vorbehalt gegenüber der deutschen Infrastrukturgeschichte benannt. Reicht die Qualität des US-Geschäfts trotzdem für Ihr positives Gesamturteil zur Bewertung?

Dieter Jaworski: Ja. Ich halte die Deutsche Telekom auf dem vorliegenden Bewertungsniveau für attraktiv, weil die vorhandene US-Kundenbasis schwerer wiegt als der bislang unbewiesene Erfolg eines neuen Wettbewerbers. Die deutsche Glasfaserposition trägt mein Urteil nur eingeschränkt. Entscheidend bleibt, ob T-Mobile US seine Kunden ohne dauerhaft größere Preiszugeständnisse halten kann.

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Diskussion zu Deutsche Telekom

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.