Der australische Drohnenabwehr-Spezialist DroneShield hat am 28. Juli seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich gekappt – trotz eines Rekordumsatzes im ersten Halbjahr. Die Aktie reagierte auf die Mitteilung mit einem Kursrutsch von rund elf Prozent am Ankündigungstag.
Guidance-Schock trotz starkem Umsatzwachstum
Das Unternehmen meldete einen vorläufigen Umsatz von 125,8 Millionen australischen Dollar für das erste Halbjahr 2026, ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Bruttomarge fiel jedoch von zuvor 65 Prozent auf voraussichtlich 60 Prozent für das Halbjahr. DroneShield begründete den Rückgang mit einer ungünstigeren Umsatzmischung, Währungseffekten und einer Wertminderung bei Rohmaterial im Zusammenhang mit der Verlagerung einer Produktionsstätte sowie der Einführung eines neuen ERP-Systems.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Unternehmen nun mit einem Umsatz zwischen 250 und 270 Millionen australischen Dollar, was einem Wachstum von 15 bis 25 Prozent gegenüber dem Rekordumsatz des Jahres 2025 entspräche. Im Vergleich zum Wachstum von 276 Prozent im Geschäftsjahr 2025 ist das eine deutliche Verlangsamung – und genau diese Abkühlung sorgte an den Märkten für Verunsicherung.
Auftragsbestand bleibt hoch
Unabhängig von der gesenkten Prognose weist DroneShield einen soliden Auftragsbestand aus. Zum 28. Juli hatte das Unternehmen bereits 206 Millionen australische Dollar an gebuchtem Umsatz für 2026 gesichert – das entspricht 95 Prozent des gesamten Umsatzes des Jahres 2025. Weitere 26 Millionen australische Dollar sind bereits für 2027 und spätere Perioden über Hardware, Software, Garantien und Services fest zugesagt.
Zu diesem Auftragsbestand trägt auch ein neuer Vertrag bei: DroneShield sicherte sich über den langjährigen Benelux-Vertriebspartner COBBS BELUX BV Aufträge des europäischen Militärs im Wert von 23,2 Millionen australischen Dollar. Rund 21 Millionen australische Dollar davon sollen noch im laufenden Geschäftsjahr als gebuchter Umsatz verbucht werden, der Rest entfällt auf Abonnementerlöse in künftigen Perioden.
Neue Technologie und Verstärkung im Aufsichtsgremium
Parallel zu den Geschäftszahlen stellte DroneShield RfAI-3 vor, die dritte Generation seiner proprietären Funkintelligenz-Engine. Die Technologie soll neue Drohnenbedrohungen erkennen, die über die bislang katalogisierten Funksignaturen hinausgehen. Der Einsatz in einer neuen Hardware-Generation ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Bereits Anfang Juli hatte das Unternehmen sein Aufsichtsgremium erweitert: Rear Admiral Lee Goddard CSC übernahm ein unabhängiges nicht-geschäftsführendes Direktorenamt. Er bringt laut Unternehmensangabe mehr als drei Jahrzehnte Führungserfahrung aus Verteidigung, nationaler Sicherheit, Regierung und Industrie mit.
Analysten reagieren mit gesenktem Kursziel
Baxter Kirk von Bell Potter Securities reagierte am 28. Juli auf die Prognosesenkung mit einer deutlichen Reduzierung seines Kursziels von 4,80 auf 2,50 australische Dollar, hielt an seiner Kaufempfehlung aber fest. Die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 liege damit 17 bis 23 Prozent unter dem von Visible Alpha erhobenen Konsens von 323 Millionen australischen Dollar, so die Begründung für den Schritt.
An der Börse hat sich die Aktie von diesem Schock inzwischen teilweise erholt: Am Freitag schloss das Papier bei 1,37 Euro, ein Plus von 4,07 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Kursgewinn sogar auf 28,90 Prozent – ein Zeichen dafür, dass ein Teil der Anleger die kurzfristige Guidance-Enttäuschung angesichts des vollen Auftragsbuchs und der neuen Technologie relativiert.
Die nächste wichtige Wegmarke folgt am 26. August, wenn DroneShield die geprüften Halbjahreszahlen vorlegt und in einer Investorenkonferenz erläutert. Anleger dürften dabei vor allem auf Details zur Margenentwicklung und zur Umsetzung der neuen Prognose achten.
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