8,5 Milliarden Dollar will McDonald’s im Rahmen von „NEXT“ bis 2036 in die Unterstützung und Modernisierung des Betreibersystems lenken, rund 5 Milliarden davon bis 2030. Gleichzeitig steht der US-Heimatmarkt unter Druck: Der Konzern meldete im zweiten Quartal 2026 zwar noch positive vergleichbare US-Umsätze, aber negative vergleichbare Gästezahlen. Dieter Jaworski legt den Blick deshalb auf die Frage, ob der Kurs bereits zu viel Erholung unterstellt oder gerade zu viel Substanz ausblendet.

McDonald’s (US5801351017) — Schlusskurse 30.03.2026 bis 25.09.2026, Angaben in EUR. Stand: 25.09.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Der Analysten-Konsens sieht McDonald’s mit einem Median-Kursziel von rund 300 Dollar deutlich höher. Sie liegen mit Ihrer eigenen Bewertung darunter, obwohl Sie die Aktie nicht abschreiben. Warum sollte ausgerechnet die vorsichtigere Sicht näher an der Wahrheit sein?
Dieter Jaworski: Weil der Konsens bei McDonald’s traditionell dazu neigt, die Marke wie eine ewige Zinsanleihe mit Burgerlogo zu behandeln. Das ist bequem, manchmal sogar richtig, aber im Moment muss man genauer hinsehen: Der Markt bezahlt hier kein Traumwachstum mehr, trotzdem setzt er voraus, dass die Margenqualität sehr stabil bleibt.
Das KGV – also der Preis, den man für einen Dollar Jahresgewinn zahlt – darf bei so einem Geschäft höher sein als bei einem zyklischen Restaurantbetreiber. Nur muss der Gewinn dann auch sauber wachsen, nicht nur über Preiserhöhungen, Werbeaktionen und Bilanzkosmetik glänzen.
Mein faires 12-Monats-Niveau liegt bei rund 263 Euro. Damit bin ich über dem aktuellen Bewertungsniveau, aber unter dem Konsens-Optimismus. Für mich ist das keine Heldengeschichte. Es ist ein Qualitätsgeschäft, das gerade beweisen muss, dass seine Preissetzungsmacht den preissensiblen Gast nicht dauerhaft vertreibt. Da trennt sich Marke von Magie.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie nennen „NEXT“ einen möglichen Stabilisator. Man kann es auch härter lesen: Wenn McDonald’s 8,5 Milliarden Dollar in sein Betreibersystem schieben muss, ist das doch ein Eingeständnis, dass das Modell knirscht.
Dieter Jaworski: Was Sie als Hilferuf lesen, ist bei Licht besehen der Beweis, dass die Zentrale den Engpass im Laden erkannt hat. Schwäche wäre, einfach den Gästen höhere Preise hinzulegen. Hilfe für Betreiber kostet. Untätigkeit wäre teurer.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Dann machen wir es konkret: Welche Substanz trägt Ihre Bewertung tatsächlich, wenn die vergleichbaren US-Umsätze im zweiten Quartal 2026 nur bei 0,8 Prozent lagen und die vergleichbaren Gästezahlen negativ waren?
Dieter Jaworski: Meine Rechnung steht auf der operativen Marge. Operative Marge heißt: Wie viel operativer Gewinn bleibt vom Umsatz übrig, bevor Finanzierung und Steuern greifen.
Zum 30. Juni 2026 lag die bereinigte operative Marge seit Jahresbeginn bei 46,9 Prozent; das passt zur Konzernleitplanke im mittleren bis hohen 40-Prozent-Bereich. Diese Zahl ist der Beleg, dass McDonald’s trotz schwacher Frequenz noch immer ein sehr profitables System ist.
Der Haken sitzt im US-Verkehr. Vergleichbare Umsätze können eine Weile durch Preis, Mix und App-Aktionen gehalten werden. Wenn aber weniger Menschen durch die Tür kommen, wird die Rechnung irgendwann dünn.
Meine Bewertung kippt ungeschönt, wenn McDonald’s die Marge nur noch mit Rabatten, Betreiberhilfen und Kostenverschiebung zusammenhält, während die Gästezahlen weiter weglaufen. Dann wäre der Qualitätsaufschlag zu großzügig. Dann hätte die Aktie weniger Substanz und mehr Gewohnheit im Preis.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Meine Rechnung steht auf der operativen Marge.“ Ist das nicht zu bequem? Gerade diese Marge kann durch Mindestlöhne, Rindfleischzölle und Betreiberhilfen doch schneller bröckeln, als es in einem Franchise-Modell lange sichtbar wird.
Dieter Jaworski: Der Einwand trifft den wunden Punkt, ja. Das Franchisemodell wirkt von außen glatter, als es im Laden ist. Löhne in Kalifornien, teureres Rindfleisch und ein Kunde, der beim Menüpreis zuckt – das landet erst bei den Betreibern und später in der Systemstatik.
Genau deshalb bewerte ich die NEXT-Milliarden nicht als Luxusprogramm. Sie sind eine Art Reparaturbudget für ein System, das leistungsfähig bleibt, solange die Betreiber noch mitziehen.
Wichtig ist: McDonald’s besitzt eine seltene Fähigkeit, Kosten über Größe, Einkauf, Digitalgeschäft und Menüarchitektur abzufedern. Die zollfreien Rindfleisch-Kontingente aus Argentinien und die 90-Tage-Aussetzung können kurzfristig helfen, lösen aber nicht das Grundproblem.
Bei Lohnkosten hilft nur Produktivität. Kioske, bessere Abläufe und KI im Bestellprozess sind hier mehr als ein Technikspielzeug. Wenn das nur Präsentationsfolie bleibt, wird es teuer. Wenn es in der Fläche funktioniert, verteidigt es die Marge.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Das klingt sehr auf Marge fixiert. Was ist mit dem Kunden? Einkommensschwächere Haushalte reduzieren Restaurantbesuche, digitale Rabatte drücken den Bon, und GLP-1-Medikamente verändern Essverhalten. Ist der alte Verkehrshebel vielleicht beschädigt?
Dieter Jaworski: Der Kunde ist der härtere Prüfstein als jede Kostendebatte. Eine Marke kann Preise erhöhen, bis sie sich selbst für unverzichtbar hält. Der Gast sieht das nüchterner. Er kommt, oder er bleibt weg.
Ich gewichte die Traffic-Schwäche höher als die GLP-1-Debatte. Bei GLP-1 sehe ich derzeit eher einen langfristigen Ernährungsschwenk als einen abrupten Bruch; der Konzern selbst spricht bislang von keinem materiellen Effekt.
Der einkommensschwache Kunde ist akuter. Wenn Value-Angebote nur noch über kurzfristige Aktionen funktionieren, wird der Burger zum Gutscheinprodukt. Das ist gefährlich, weil Gewöhnung an Rabatt schwer wieder herauszubekommen ist.
Das neue McDonald’s Media Network mit dem Ziel von einer Milliarde Dollar zusätzlicher Einnahmen ist interessant, gerade wegen App, Filialreichweite und Kundendaten. Nur: Ich zahle dafür in meiner Bewertung kaum Vorschuss. Eine Testphase in firmeneigenen US-Filialen ist noch kein zweiter Gewinnmotor. Der Markt liebt solche Nebenstories. Ich nehme sie zur Kenntnis und lasse sie erst einmal am Katzentisch sitzen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie haben die 46,9 Prozent operative Marge zum Anker gemacht. Folgt daraus im Gesamturteil eher ein Substanzabschlag oder schon wieder zu viel Vorschuss im Kurs?
Dieter Jaworski: Für mich überwiegt der Substanzabschlag. Nicht gewaltig, nicht blind, aber sichtbar. McDonald’s ist ein außergewöhnlich profitables System mit echter Marke, und die operative Marge zeigt, dass der Maschinenraum noch läuft. Der Markt preist inzwischen mehr Skepsis ein, als dieses Geschäftsmodell verdient.
Die Gegenrechnung ist klar: Wenn die Gästezahlen im US-Geschäft nicht stabilisieren und NEXT zur Dauerstütze für Betreiber wird, verliert meine These den Boden. Dann wäre die Marge eine Momentaufnahme mit schöner Fassade. Aktuell sehe ich das noch nicht. Ich sehe ein Qualitätsgeschäft mit verschmutzter Windschutzscheibe – fahren kann es trotzdem.
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