Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
stellen Sie sich ein Unternehmen vor, das im Jahr 2022 gerade einmal 16 Millionen Dollar Umsatz erwirtschaftete. Vier Jahre später erwartet dieses Unternehmen allein im vierten Quartal einen Quartalsumsatz von 1,5 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Verneunzigfachung des Geschäfts in weniger als drei Jahren. Die Rede ist von CoreWeave, dem KI-Cloud-Anbieter aus New Jersey, der mit seinen Quartalszahlen avisiert ist und damit die gesamte Technologiebranche in Atem hält.
CoreWeave ist kein Name, der in deutschen Privatanleger-Kreisen schon lange bekannt ist. Doch das dürfte sich ändern. Das Unternehmen steht exemplarisch für ein Phänomen, das die gesamte KI-Infrastrukturinvestition der nächsten Jahre prägen wird: das schuldenfinanzierte Geschäftsmodell, das sich selbst beschleunigt. Und dieses Modell verdient eine genaue Betrachtung.
101 Prozent Wachstum: Die Zahlen hinter dem CoreWeave-Hype
Die aktuellen Quartalszahlen sind beeindruckend. Der Umsatz soll im vierten Quartal 2025 um 101 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar gestiegen sein. Dreistelliges Wachstum in einem einzigen Quartal ist selbst im Technologiesektor selten. Doch Wall Street schaut genauer hin: Dieses Wachstum stellt tatsächlich eine Verlangsamung dar. Ein neues Rechenzentrum konnte nicht rechtzeitig in Betrieb genommen werden. Das kostete Wachstumspunkte. Für 2026 erwarten Beobachter jedoch eine erneute Beschleunigung.
Anleger werden daher bei der Telefonkonferenz besonders aufmerksam sein. Die Jahresprognose für Umsatz und Investitionsausgaben wird das entscheidende Signal für die weitere Kursentwicklung liefern.
Gleichzeitig zeigt die Gewinn- und Verlustrechnung das strukturelle Dilemma des Unternehmens. CoreWeave erzielt zwar einen kleinen operativen Gewinn. Doch die Zinslast frisst diesen vollständig auf. Der Konsens erwartet einen Verlust je Aktie von 50 Cent im vierten Quartal. Ein Jahr zuvor lag dieser Verlust noch bei 8 Cent. Die Schulden wachsen schneller als die Ertragskraft.
Das Schulden-Schwungrad: Wie CoreWeave sein Wachstum finanziert
Das Geschäftsmodell von CoreWeave ist so simpel wie riskant. Das Unternehmen schließt langfristige Verträge mit bonitätsstarken Kunden ab. Diese Verträge dienen als Sicherheit, um Kapital aufzunehmen. Mit diesem Kapital werden Rechenzentren gebaut. Die Rechenzentren generieren Umsatz, der neue Verträge ermöglicht. Und das Spiel beginnt von vorne.
Der Auftragsbestand beläuft sich inzwischen auf über 55 Milliarden Dollar. Die Kundenliste liest sich wie ein Who’s-who der KI-Branche: Microsoft, Meta Platforms und OpenAI sind die wichtigsten Auftraggeber. Wer solche Namen als Vertragspartner vorweisen kann, findet problemlos Kreditgeber.
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Die Kehrseite liegt auf der Hand. CoreWeave hat Ende September fast 19 Milliarden Dollar an Schulden und Leasingverbindlichkeiten angehäuft. Eine Schuldenlast, für die traditionelle Industriekonzerne ein ganzes Jahrzehnt benötigen würden. Solange die KI-Nachfrage robust bleibt und die Zinslast beherrschbar ist, funktioniert das Modell. Doch die Abhängigkeit von einem einzigen Wachstumsthema ist unübersehbar. Sollte die Nachfrage nach KI-Rechenleistung auch nur vorübergehend nachlassen, würde das Schwungrad erheblich an Kraft verlieren. Genau darin liegt das zentrale Risiko für Anleger.
Nvidia, Microsoft und die Verflechtungen der KI-Infrastruktur
Ein besonders interessanter Aspekt der CoreWeave-Geschichte ist die enge Verbindung zu Nvidia. Der Chiphersteller ist gleichzeitig Investor, Kunde und wichtigster Lieferant. Alle Rechenzentren des Unternehmens setzen ausschließlich auf Nvidia-Hardware. Das ist eine Abhängigkeit, die sowohl Stärke als auch Verwundbarkeit bedeutet. Stärke, weil CoreWeave damit Zugang zu den leistungsfähigsten KI-Chips der Welt hat. Verwundbarkeit, weil jede Lieferstörung bei Nvidia direkt auf das CoreWeave-Wachstum durchschlägt.
Microsoft ist nicht nur einer der wichtigsten Kunden, sondern war der Ausgangspunkt des gesamten Wachstumsmodells. Mit dem initialen Großvertrag legte CoreWeave den Grundstein für das Schulden-Schwungrad. Ohne diesen ersten bonitätsstarken Vertragspartner hätte kein Kreditgeber das Risikokapital bereitgestellt. Das verdeutlicht, wie sehr die gesamte KI-Infrastrukturindustrie auf wenigen strategischen Partnerschaften beruht. Hinzu kommt, dass OpenAI als weiterer Großkunde inzwischen selbst in eigene Infrastruktur investiert. Sollte OpenAI künftig weniger Rechenkapazität extern beziehen, würde das CoreWeaves Auftragsbestand direkt berühren. Diese Abhängigkeit von wenigen Schlüsselkunden ist ein Risikofaktor, den Anleger nicht unterschätzen sollten.
Volatilität als Normalzustand: Was Anleger bei CoreWeave erwartet
CoreWeave ist seit März 2025 an der Nasdaq notiert. Seitdem hat die Aktie um 148 Prozent zugelegt. Allein in diesem Jahr beträgt das Plus rund 40 Prozent. Doch wer dabei an einen ruhigen Aufwärtstrend denkt, irrt sich. Die durchschnittliche Tagesbewegung der Aktie liegt bei 5,5 Prozent. Nach den letzten beiden Quartalsergebnissen verlor die Aktie jeweils 21 und 16 Prozent an einem einzigen Tag. Anleger, die hier engagiert sind oder es werden wollen, brauchen starke Nerven und einen sehr langen Anlagehorizont.
Zusätzliche Kursunsicherheit entsteht durch den Frühanleger Magnetar. Dieser Hedgefonds hielt zum Börsengang 96 Millionen Aktien, etwa ein Fünftel des Unternehmens. Nach Ablauf der Lock-up-Periode begann Magnetar schrittweise zu verkaufen, um die Konzentration im Portfolio zu reduzieren. Ende Dezember hielt der Fonds noch 68 Millionen Aktien. Dieser kontinuierliche Verkaufsdruck belastet den Kurs spürbar.
CoreWeave als Spiegel der KI-Infrastrukturinvestition
CoreWeave ist kein klassisches Investment für konservative Anleger. Das Unternehmen verbindet extremes Wachstum mit extremer Verschuldung und extremer Volatilität. Dieser Dreiklang macht es zu einem Hochrisiko-Instrument, das nur einen begrenzten Platz im diversifizierten Portfolio haben sollte.
Gleichzeitig zeigt CoreWeave, welche Unternehmen in der KI-Infrastruktur reüssieren können. Wer bereit ist, schnell Kapazitäten aufzubauen, bonitätsstarke Partner zu gewinnen und dabei massive Schulden einzugehen, kann in diesem Markt außergewöhnlich schnell wachsen. Für Privatanleger, die nicht direkt in CoreWeave investieren wollen, bietet die Geschichte dennoch wertvolle Erkenntnisse. Der Auftragsbestand von 55 Milliarden Dollar landet letztlich bei Chipherstellern, Energieversorgern und Bauunternehmen. Das KI-Infrastrukturthema ist breiter und tiefer, als es auf den ersten Blick erscheint.
Das Schulden-Schwungrad dreht sich derzeit schnell. Ob es sich weiter beschleunigt oder irgendwann zu langsam wird, um die Zinslast zu tragen, ist die entscheidende Frage für CoreWeave-Aktionäre. Die heutigen Quartalszahlen und der Ausblick auf 2026 werden erste Antworten liefern. Dabei sollten Anleger besonders auf zwei Kennzahlen achten: die Wachstumsrate der Neuverträge und die Entwicklung der Zinsdeckungsquote. Beide zusammen zeigen, ob CoreWeaves Schwungrad weiter an Fahrt gewinnt oder erste Ermüdungserscheinungen zeigt.
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