Die Commerzbank hat am Donnerstag mit ihrem Zwischenbericht für das zweite Quartal gleich mehrere positive Nachrichten geliefert – und die DZ Bank reagierte am heutigen Montag mit einer weiteren Anhebung ihres Kursziels. Zugleich bleibt der Übernahmekampf mit UniCredit die zentrale Frage, die über die weitere Entwicklung der Aktie entscheidet.
Gewinnsprung und bestätigter Ausblick
Der Nettogewinn der Commerzbank stieg im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 94,2 Prozent auf 898 Millionen Euro, wie das Institut mitteilte. Das Ergebnis lag damit deutlich über den Analystenschätzungen von 845 Millionen Euro.
Für das erste Halbjahr insgesamt meldete die Bank einen Erlösanstieg von 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro und einen um 40 Prozent höheren Nettogewinn von 1,8 Milliarden Euro – nach eigenen Angaben ein Rekordwert.
Das Management bestätigte den Ausblick für das Gesamtjahr: Erlöse von rund 13,2 Milliarden Euro, ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro und eine harte Kernkapitalquote (CET1) über 14 Prozent. Laut t-online sieht sich das Institut „voll auf Kurs, ihr Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro im Gesamtjahr zu erreichen“.
Getragen wird die Entwicklung nach eigenen Angaben von einem robusten Kreditgeschäft. Gleichzeitig kündigte die Bank einen neuen Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro an, eingebettet in eine für 2026 geplante Kapitalrückgabe von insgesamt 3,2 Milliarden Euro, die einer Gesamtrendite von 8 Prozent entspricht.
Die Europäische Zentralbank hat den Rückkauf bereits genehmigt, die endgültige Freigabe der Finanzagentur des Bundes steht laut Marktbeobachtern noch aus.
DZ Bank mit veränderter Begründung für höheres Kursziel
Vor diesem Hintergrund erhöhte DZ-Bank-Analyst Philipp Häßler am heutigen Montag den fairen Wert für die Commerzbank-Aktie von 42 auf 46 Euro und bestätigte seine Kaufempfehlung.
Bemerkenswert sei dabei nicht nur die Höhe des neuen Kursziels, sondern auch die veränderte Begründung dahinter – ein Hinweis darauf, dass sich die Investmentthese für das Institut zunehmend von der reinen Übernahmespekulation löst und stärker auf die operative Ertragskraft stützt.
Der Aktienkurs notierte zuletzt bei 39,10 Euro und damit nur 0,08 Prozent über dem Vortagesschluss. Damit bewegt sich das Papier weiterhin knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, das erst am Donnerstag erreicht wurde – der Abstand beträgt aktuell 1,88 Prozent.
Übernahmeprozess bleibt bestimmender Faktor
Parallel zur operativen Entwicklung nimmt der Übernahmeprozess durch UniCredit weiter Fahrt auf. Die BaFin hat den Antrag des italienischen Instituts, seine Beteiligung an der Commerzbank auf über 30 Prozent auszubauen, als vollständig eingestuft und zur finalen Prüfung an die EZB weitergeleitet. Damit läuft seit Anfang August die reguläre 60-tägige Prüfungsfrist.
Bloomberg berichtete zudem, dass Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kurz nach der Zahlenvorlage in eine Videokonferenz mit UniCredit-Vertretern eingebunden werden sollte – ein Auftakt für Verhandlungen, die nach Einschätzung der Nachrichtenagentur Monate dauern könnten und darüber entscheiden, wie stark sich die deutsche Bank unter der Kontrolle des italienischen Rivalen künftig verändern muss.
Das Handelsblatt berichtete Ende Juli von einer angespannten Stimmung im Konzern: Interne Gespräche zeigten demnach zunehmende Zukunftsängste unter den Beschäftigten.
Etwas Entlastung brachte eine Einigung mit dem Betriebsrat, die betriebsbedingte Kündigungen faktisch bis Ende 2030 ausschließt. Für Anleger bleibt die Gemengelage aus soliden Zahlen, wachsendem Kurspotenzial laut DZ Bank und ungeklärtem Ausgang des Übernahmeringens vorerst bestimmend.
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