Die Aktie der Circus SE markierte am 29. Juli mit 1,704 Euro ein neues Allzeittief an der Börse Xetra. Der Kurssturz kommt nicht überraschend: Erst zwei Wochen zuvor hatte das Unternehmen seine Jahresprognose in einer Ad-hoc-Meldung drastisch zusammengestrichen. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 1,77 Euro, nach einem Tagesplus von 4,00 Prozent – ein technischer Ausschlag nach massiven Verlusten, der die Grunddynamik kaum verändert.
Prognose bricht faktisch zusammen
Am 16. Juli teilte Circus per Ad-hoc-Meldung mit, dass die Umsatzerwartung für das Geschäftsjahr 2026 von zuvor 44 bis 55 Millionen Euro auf nur noch 5,2 Millionen Euro korrigiert wird. Parallel dazu verschlechterte sich die EBITDA-Erwartung von einem Verlust zwischen 6 und 8 Millionen Euro auf rund minus 17 Millionen Euro. Eine Kürzung dieser Größenordnung reißt praktisch jede vorherige Wachstumsstory ein und stellt die Finanzierungsfähigkeit des Unternehmens in den Fokus der Anleger.
Der Kontext dieser Prognosekorrektur wird durch den bereits veröffentlichten Geschäftsbericht für das Fiskaljahr 2025 nicht leichter verdaulich. Circus wies darin einen Umsatz von 1,6 Millionen Euro bei einem EBITDA-Verlust von 18,8 Millionen Euro aus. Ein Unternehmen, das im Vorjahr kaum Umsatz gegen einen zweistelligen Millionenverlust stellen konnte, hatte für 2026 zunächst einen Umsatzsprung um das Zwanzig- bis Dreißigfache in Aussicht gestellt. Die jüngste Korrektur bringt diese Zahlen deutlich näher an das reale Vorjahresniveau heran.
Rollout in Abu Dhabi als Lichtblick
Nicht alle Nachrichten der vergangenen Wochen waren negativ. Anfang Juli erhielt Circus die regulatorische Zertifizierung in den Vereinigten Arabischen Emiraten und startete den kommerziellen Rollout seiner Systeme in Abu Dhabi. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf die internationale Skalierung seiner Küchenroboter-Technologie setzt, ist ein Markteintritt in einer neuen Region grundsätzlich ein strategischer Baustein. Der Kursverlauf zeigt allerdings, dass diese Nachricht die Sorgen um die operative Substanz nicht aufwiegen konnte – der Rollout kam noch vor der Prognosekürzung und wurde von dieser rasch überlagert.
Die Marktreaktion auf die Ad-hoc-Meldung fällt entsprechend heftig aus. Binnen 30 Tagen verlor die Aktie 64,54 Prozent an Wert, die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 41,58 Millionen Euro. Der Relative-Stärke-Index von 19,1 signalisiert eine technisch stark überverkaufte Situation, was bei derart dünnen Handelsvolumina jedoch wenig über die fundamentale Lage aussagt.
Hauptversammlung als nächster Prüfstein
Anleger richten den Blick nun auf den Kalender. Bis zum 14. August können Stellungnahmen zur bevorstehenden Hauptversammlung eingereicht werden, die am 20. August virtuell stattfindet. Dort dürfte die drastische Prognosekorrektur zum zentralen Diskussionspunkt werden – Aktionäre werden Erklärungen zur Kluft zwischen der ursprünglichen Umsatzplanung und der nun kommunizierten Realität erwarten. Im September folgt mit der Teilnahme an der 15. Baader Investment Conference in München eine weitere Gelegenheit für das Management, sich gegenüber institutionellen Investoren zu positionieren.
Für die kommenden Wochen bleibt die Frage entscheidend, ob der Rollout in Abu Dhabi tatsächlich neue Umsatzströme generieren kann, die die drastisch reduzierte Guidance für 2026 noch erreichbar machen. Die extrem hohe annualisierte Volatilität von 151,27 Prozent unterstreicht, wie unsicher der Markt die weitere Kursentwicklung derzeit einschätzt.
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