Ein Kursziel von 50 Cent auf 10 Dollar – das klingt nach einer Kaufempfehlung. Ist es aber nicht. Barclays-Analyst Benjamin Theurer hebt sein Kursziel für Beyond Meat massiv an, bleibt aber bei „Underweight“. Der Grund für den Sprung ist simpel: Beyond Meat hat einen Aktien-Split durchgeführt, der die Vergleichszahl neu skaliert. An der Einschätzung des Geschäfts ändert das nichts.
Der 1-für-30-Reverse-Split wurde vergangene Woche wirksam. Eine entsprechende Änderungsurkunde in Delaware hat das Unternehmen bereits eingereicht. Seit Montag handelt die Aktie nun die erste volle Woche auf Basis der neuen Struktur.
Der Nasdaq-Countdown läuft
Der Split ist keine strategische Wachstumsentscheidung. Er ist eine Notmaßnahme. Beyond Meat drohte die Nasdaq-Notierung zu verlieren, weil der Aktienkurs unter der Mindestschwelle von einem Dollar lag.
Die Börse verlangt einen Schlusskurs von mindestens einem Dollar an zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen. Die Frist dafür läuft bis Ende August 2026. Der Split hat den Kurs zwar rechnerisch über diese Schwelle gehievt, doch das Unternehmen selbst räumt in Aufsichtsdokumenten ein: Eine dauerhafte Erfüllung der Vorgabe ist nicht garantiert. Der Markt muss den höheren Kurs erst noch bestätigen.
Umsatz schrumpft langsamer, Marge bleibt dünn
Die Kursziel-Anpassung fällt zeitlich mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 zusammen. Beyond Meat meldete einen Nettoumsatz von 68,8 Millionen Dollar. Das ist ein Rückgang von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Immerhin: Das Tempo des Rückgangs hat sich verlangsamt. Ende 2025 und Anfang 2026 waren die Einbrüche noch zweistellig. Strukturelle Probleme im Markt für pflanzliche Fleischalternativen bleiben aber bestehen.
Die Bruttomarge lag im zweiten Quartal bei 8,5 Prozent. Im Quartalsvergleich ein Fortschritt, im Jahresvergleich ein Rückschritt – vor einem Jahr waren es noch 10,6 Prozent. Höhere Materialkosten belasteten das Ergebnis. Dazu kamen rund 1,6 Millionen Dollar an Kosten für den Rückzug aus dem chinesischen Markt.
Besonders schmerzhaft: Der US-Gastronomiebereich brach um 27,6 Prozent ein. Schwächere Nachfrage in der Kategorie und weniger Vertriebspunkte trafen das Geschäft hart.
Bilanz unter Beobachtung
Beyond Meat hat einen Teil seiner Schulden mit späteren Fälligkeiten neu strukturiert. Die Bilanz bleibt für Analysten trotzdem ein Risikofaktor. Ende Juni 2026 verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von 186,1 Millionen Dollar, inklusive gebundener Barmittel.
Dem stehen Schulden mit einem Buchwert von 323,8 Millionen Dollar gegenüber. Darin enthalten: Wandelanleihen mit 7,00 Prozent Zinskupon, besichert über ein zweitrangiges Pfandrecht, fällig 2030.
Der Reverse-Split brachte eine weitere Konsequenz mit sich. Die Zahl der zugelassenen Stammaktien sank proportional von 3 Milliarden auf 100 Millionen. Damit will das Management künftige Verwässerung begrenzen, während der operative Turnaround weiterläuft.
Immerhin bei den Kosten zeigt sich Fortschritt. Die operativen Ausgaben sanken um 19 Prozent auf 36,7 Millionen Dollar. Ein schlankerer Kostenapparat allein macht aber noch keine profitable Zukunft. Bis Ende August muss sich zeigen, ob der Aktienkurs die Nasdaq-Vorgabe von einem Dollar zehn Handelstage am Stück hält.
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