D-Wave meldete zum 30. Juni 2026 einen Auftragsbestand von 40,7 Millionen Dollar; der Umsatz im zweiten Quartal betrug 3,08 Millionen Dollar. Wie rasch werden aus Kundenaufträgen verbuchte Erlöse? Dieter Jaworski richtet seinen Blick auf die Lücke zwischen beiden Größen.

D-Wave Quantum (US26740W1099) — Schlusskurse 08.04.2026 bis 05.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 05.10.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Der Analysten-Konsens sieht für D-Wave ein deutlich höheres Kursziel. Warum sollte Ihre Skepsis gegenüber dem Weg dorthin schwerer wiegen als diese Einschätzung?
Dieter Jaworski: Mein faires Zwölfmonatsniveau liegt bei rund 33 Euro und damit praktisch beim Analysten-Konsens. Ich streite also nicht über die mögliche Höhe, sondern über die Beweislast. Die 35,5 Millionen Dollar Buchungen im ersten Halbjahr zeigen Nachfrage; Buchungen erfassen neue Kundenaufträge, noch keinen verbuchten Umsatz.
Der Markt hat den technologischen Fortschritt längst entdeckt. Weniger genau schaut er darauf, wie unregelmäßig Aufträge zu Erlösen werden können. Genau dort wird die Bewertung verdient – oder eben nicht.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen, „Buchungen erfassen neue Kundenaufträge, noch keinen verbuchten Umsatz.“ Weshalb halten Sie Ihr faires Niveau dann trotzdem für erreichbar?
Dieter Jaworski: Weil D-Wave mit Advantage2 bereits ein kommerziell verfügbares System hat. Das ist Substanz. Meine Rechnung kippt allerdings, wenn das Quartalsgeschäft beim Umsatz des zweiten Quartals 2026 von 3,08 Millionen Dollar verharrt.
Dann lässt sich der Auftragsbestand – also der Wert vertraglich noch zu erfüllender Leistungen – schwer als Vorbote eines größeren Geschäfts lesen. Die Patente geben D-Wave Zeit. Sie verbuchen keinen Umsatz.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Die US-Fördervereinbarung umfasst bis zu 100 Millionen Dollar und sieht eine staatliche Minderheitsbeteiligung als Bedingung vor. Zeigt das nicht, dass D-Wave seine Entwicklung aus eigener Kraft kaum finanzieren kann?
Dieter Jaworski: Sie lesen die Minderheitsbeteiligung als Schwäche. Ich sehe darin zunächst das Gegenteil: Der Staat hat eine definitive Fördervereinbarung geschlossen, statt bloß Interesse zu bekunden.
Für D-Wave kann das die Entwicklung beider Plattformen erleichtern. Geld aus Washington ist allerdings noch nicht zugeflossen, und die Vereinbarung verschafft keinen einzigen Kundenauftrag. Wer Förderung mit Geschäftserfolg gleichsetzt, macht sich die Rechnung zu bequem.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Wie schwer wiegt der Abgang des Finanzchefs kurz nach dem verfehlten Umsatz, obwohl das Management einen Streit über die Rechnungslegung verneint?
Dieter Jaworski: Der Zeitpunkt wiegt schwer. Nach einer Enttäuschung braucht ein Unternehmen Vertrauen; ein solcher Abgang kostet Vertrauen. Die Erklärung des Managements beseitigt diese Sorge nicht einfach.
Kapitalmarktexperten Redaktion: CGI integriert Advantage2. Was müsste aus dieser Zusammenarbeit entstehen, damit Ihre Sorge um das Quartalsgeschäft kleiner wird?
Dieter Jaworski: Die Integration eröffnet einen Weg zu Kunden. Entscheidend wäre, dass daraus wiederholt Umsatz entsteht und sich erfüllte Aufträge in den Quartalszahlen zeigen. 35,5 Millionen Dollar Buchungen ersetzen keine Quartalsumsätze.
Auch der Beta-Start des Gate-Model-Simulators am 1. Oktober erweitert zunächst die technischen Möglichkeiten, nicht die ausgewiesenen Erlöse. Beides hat Wert; nur lässt sich der wirtschaftliche Ertrag noch nicht ablesen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie nennen die 3,08 Millionen Dollar Umsatz im zweiten Quartal 2026 als Grenze für Ihre Rechnung. Welches Urteil folgt daraus für die Aktie?
Dieter Jaworski: Ich halte D-Waves Wertpotenzial für erheblich. Mein Urteil bleibt trotzdem vorsichtig: Der Auftragsbestand spricht für Nachfrage, das Quartalsgeschäft belegt noch keine verlässliche Umsetzung. Fördergeld und Technologie können Zeit verschaffen. Bezahlen muss die Bewertung am Ende der Kunde.
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